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20.01.2008

16:56 Uhr

Eisschnelllauf WM

Wolf triumphiert bei deutschem Doppelsieg

Eisschnellläuferin Jenny Wolf aus Berlin hat bei der Sprint-WM im niederländischen Heerenveen überraschend Top-Favoritin Anni Friesinger auf Platz zwei verwiesen. Dritte wurde die Niederländerin Annette Gerritsen.

Verkehrtes Bild bei der Sprint-WM der Eisschnellläufer im niederländischen Heerenveen: Die Berlinerin Jenny Wolf hat sich gegen Top-Favoritin Anni Friesinger durchgesetzt und damit die Rangordnung im deutschen Eisschnelllauf gehörig auf den Kopf gestellt.

Am Ende eines spannenden Duells vor 12 000 begeisterten Zuschauern in der ausverkauften Thialf-Halle rettete Wolf im direkten 1 000-m-Duell mit Friesinger zum Abschluss einen Vorsprung von 1,7 Sekunden ins Ziel. Die 28 Jahre alte Literatur-Studentin feierte damit den ersten Sieg in einem wichtigen Vierkampf und ihren zweiten WM-Titel nach dem über 500m im vergangenen Jahr in Salt Lake City. Dritte in Heerenveen wurde die Niederländerin Annette Gerritsen.

Friesinger freut sich über Silber

"Das ist unglaublich, damit habe ich vorher nie gerechnet. Dann auch noch gegen eine Supersportlerin wie Anni zu gewinnen, ist einfach traumhaft", meinte eine völlig ausgepumpte, aber überglückliche Wolf nach ihrem ersten Mehrkampf-Triumph über Friesinger, die ihren insgesamt 14. WM-Titel verpasste. "Ich kann mir nichts vorwerfen. Mir fehlte nach meinem Infekt etwas die Power, vor allem die 500m kann ich viel besser. Aber ich kann mich auch über Silber freuen", meinte Friesinger, die über 1000m die Ränge eins und zwei belegt hatte.

Es war der erste deutsche Doppelerfolg bei einer Sprint-WM seit 1988, als Christa Rothenburger vor Karin Kania-Enke für die DDR Gold gewann. Damit verbuchte die Deutsche Eisschnelllauf-Gemeinschaft (Desg) nach dem enttäuschenden EM-Abschneiden von Claudia Pechstein und Daniela Anschütz-Thoms (Plätze vier und fünf) vor einer Woche in Kolomna das dringend benötigte Erfolgserlebnis. "Das ist ein Traumergebnis", sagte Desg-Teamleiter Helge Jasch.

Wolf und Friesinger hatten sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen geliefert, bei dem die Konkurrenz nur zusehen konnte. Mit zwei "wahnsinnigen 500-Meter-Läufen" (Friesinger) legte Wolf den Grundstein zum nie erwarteten Erfolg. Die Weltrekordlerin lief die Konkurrenz auf der kurzen Sprintstrecke förmlich in Grund und Boden und unterbot zweimal ihren eigenen Bahnrekord (37,64 und 37,60 Sekunden). Friesinger war zwar über 1000m gewohnt stark, verlor aber über 500m zu viel Zeit, um Wolf am Schluss noch abfangen zu können.

Wolf mit verbesserter Kurventechnik

Auch die Titelverteidigerin ("Jennys Schwäche über die 1 000 Meter ist kein Geheimnis") hatte Wolf vor dem Wettkampf nicht zum Favoritenkreis gezählt. Selbst Wolfs Trainer Thomas Schubert, der erst gar nicht nach Heerenveen gereist war und die Wettkämpfe in Berlin im Internet verfolgte, hatte vorher gesagt: "Jenny wird im Leben keinen Vierkampf gegen Anni gewinnen."

Doch Wolf strafte alle Zweifler Lügen. Die ungeliebten 1 000-m-Rennen ging sie gewohnt zügig an und biss auf der zweiten Runde die Zähne zusammen. Auch dank stark verbesserter Kurventechnik blieb der Rückstand zu Friesinger überschaubar. Zudem verlor die Berlinerin nie ihre Konzentration. Bei der WM im Vorjahr in Hamar hatte sie bei Friesingers Sieg eine mögliche Medaille durch einen kuriosen Sturz im ersten 1 000-m-Rennen verpasst: Sie war gegen eine Lichtschranke gefahren.

Bei den Männern verteidigte der Südkoreaner Kyou-Hyuk Lee seinen Titel erfolgreich. Lee fing durch seinen Sieg im abschließenden 1 000-m-Lauf den bis dahin führenden Kanadier Jeremy Wotherspoon noch ab und verhinderte dessen fünften Sprint-WM-Titelgewinn. Dritter wurde Lees Landsmann Mun Joon. Lokalmatador Jan Bos, der ebenfalls aussichtsreich im Rennen um Gold gelegen hatte, war im zweiten 500-m-Rennen gestürzt. Bester Deutscher war der Berliner Samuel Schwarz auf Gesamtrang 14.

© SID

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