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04.07.2017

19:11 Uhr

Ellbogenschlag gegen Cavendish

Weltmeister Sagan von Tour ausgeschlossen

Ein Ellbogencheck, mehrere Verletzte: Rad-Star Peter Sagan hat auf der 4. Etappe der Tour de France im Zielsprint einen brutalen Crash ausgelöst. Die Quittung folgt nun: Der Weltmeister wird vom Rennen ausgeschlossen.

Mark Cavendish wird in die Absperrung geschleudert, Peter Sagan, links im Bild, ist Schuld. AP

Sturz auf der vierten Etappe

Mark Cavendish wird in die Absperrung geschleudert, Peter Sagan, links im Bild, ist Schuld.

VittelMark Cavendish krachte bei Tempo 60 in die Balustraden, John Degenkolb flog in hohem Bogen über den Ex-Weltmeister - und der große Buhmann war Peter Sagan. „Nur weil er das Weltmeister-Trikot anhat, kann er sich nicht alles erlauben“, schimpfte der deutsche Sprintstar André Greipel über Sagan, der durch einen kleinen Ellbogencheck gegen den Briten einen schlimmen Crash kurz vor dem Ziel der vierten Etappe der Tour de France am Dienstag in Vittel ausgelöst hatte.

Auch Cavendishs Sportdirektor Rolf Aldag war außer sich und forderte gar den Tour-Ausschluss von Sagan: „Das muss Konsequenzen haben. Er ist Weltmeister und eine Art Vorbild. Der Weltverband muss reagieren. Es ist hart einen Weltmeister zu disqualifizieren, aber das sollte gemacht werden.“ Die Jury schloss sich nun Aldags Meinung an: Doppel-Weltmeister Sagan ist wegen seines Ellbogenchecks von der Tour de France ausgeschlossen wurden. Das teilte die Rennjury am Dienstag mit. Cavendish wurde unterdessen dick bandagiert ins Krankenhaus gebracht, es besteht der Verdacht auf einen Schulterbruch. Etwas glimpflicher kam Degenkolb davon, der noch Minuten später kreidebleich am Teambus stand.

Tour de France 2017: So viel Preisgeld bringen die Trikots

Radsport-Spektakel

Vor rund einer Million Zuschauern startete am 1. Juli 2017 die Tour de France in Düsseldorf. Tony Martin träumt vom ersten Gelben Trikot, Chris Froome vom Gesamtsieg. Was das dreiwöchige Spektakel den Fahrern finanziell einbringen könnte.

Quelle: Procycling, Offizielles Programm-Magazin Tour de France 2017

Weißes Trikot

Das weiße Trikot belohnt den bestplatzierten Fahrer in der Gesamtwertung, der in diesem Jahr 25 oder jünger ist. Preis: 20.000 Euro für den, der es zum Schluss trägt.

Gepunktetes Trikot

Das gepunktete Trikot trägt der Führende in der Bergwertung. Punkte werden auf dem Gipfel alle kategorisierten Anstiege vergeben. Doppelte Punkte gibt es im Ziel der 18. Etappe auf der Passhöhe des Izoard.

Grünes Trikot

Das grüne Trikot trägt der Führende in der Punktewertung. Punkte gibt es bei den Zwischensprints, die auf den Straßenetappen ausgetragen werden, und im Ziel jeder Etappe. Preis: 25.000 Euro für den, der es zum Schluss trägt.

Gelbes Trikot

Das gelbe Trikot kennzeichnet den jeweils Führenden in der Gesamt-Einzelwertung. Preis: 500.000 Euro für den, der es zum Schluss trägt. Traditionell teilt der Gewinner seine Börse mit den übrigen Teammitgliedern die ihm für den Sieg zuarbeiten – und wie die meisten Fahrer mit deutlich geringeren Preisgeldern rechnen müssen.

Trikot-Verteidigung

Jeder Tag im gelben Trikot bringt einem Fahrer 500 Euro extra. Alle übrigen Trikots bringen ihrem Träger einen Bonus von 300 Euro ein.

Etappensiege und Platzierungen

Für einen Etappensieg erhält ein Fahrer 11.000 Euro. Auch die Plätze zwei bis 20 bringen den Fahrern noch Geld ein. Im Überblick:

Platz 2: 11.000 Euro, Platz 3: 5.500 Euro, Platz 4: 2.800, Platz 5: 1.500 Euro, Platz 6: 830 Euro, Platz 7: 780 Euro, Platz 8: 730 Euro, Platz 9: 670 Euro, Platz 10: 650 Euro, Platz 11: 600 Euro, Platz 12: 540 Euro, Platz 13: 470 Euro, Platz 14: 440 Euro, Platz 15: 340 Euro. Die Plätze 15 bis 20 bringen einem Fahrer einen Bonus von 300 Euro.

Combatif und Super Combatif

Nach jeder Etappe erhält der Combatif, der kämpferischste Fahrer, eine Prämie von 2000 Euro. Den „Prix de la Combativité“ vergibt eine Jury aus Journalisten, Ex-Profis und Vertretern des Rennveranstalters. Am Ende der Tour wird noch der „Super Combatif“ gewählt, der kämpferischste Fahrer des gesamten Rennens, er erhält eine Prämie von 20.000 Euro. Wer unterwegs bester Kämpfer wird, erhält am nächsten Tag eine rote Startnummer.

Sieger der Mannschaftswertung

Für den Gesamtsieg in der Mannschaftswertung erhält ein Team 50.000 Euro. Für die Teamwertung werden die Zeiten der drei bestplatzierten Fahrer pro Mannschaft einer Etappe addiert – sobald eine Mannschaft weniger als drei Fahrer an den Start einer Etappe bringt, wird sie aus der Wertung gestrichen. Die Fahrer des führenden Teams tragen eine gelbe Stratnummer.

Klettern lohnt sich

Fünf Bergkategorien kennt die Tour, der jeweils erste Gipfelstürmer der sie bezwingt kassiert, abhängig vom Schwierigkeitsgrad:

hors catégorie, der höchste Schwierigkeitsgrad: 800 Euro

Kategorie eins: 650 Euro

Kategorie zwei: 500 Euro

Kategorie drei: 300 Euro

Kategorie vier: 200 Euro

Am meisten aber gewinnt der Fahrer, der als Erster den Col du Galibier, den höchsten Berg der diesjährigen Tour, bezwingt. Sein Lohn: das Souvenir Henri Desgrange und 5000 Euro.

„Es geht mir den Umständen entsprechend. Ich bin schlimm gestürzt. Ich habe nur noch gesehen, wie Cav am Boden lag und wollte noch drüber springen. Fast hätte es geklappt“, sagte Degenkolb, der nach der Etappe, die der Franzose Arnaud Démare gewann, sicherheitshalber zum Röntgen fuhr. Anschließend gab Degenkolb Entwarnung. „Es ist zum Glück nichts gebrochen“, sagte er der Sportschau. „Aber es werden harte Tage.“

Übeltäter Sagan hatte offenbar gleich ein schlechtes Gewissen und fuhr umgehend zum Teambus von Cavendish. „Ich wollte mich entschuldigen. Ich konnte ihm nicht mehr ausweichen“, schilderte Sagan seine Sicht der Dinge. Die Jury sah dies freilich anders. Sagan, der hinter Démare Platz zwei belegt hatte, erhielt zunächst eine 30-Sekunden-Zeitstrafe und landete damit vor seinem Ausschluss in der Tageswertung auf Platz 115.

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