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12.02.2006

19:48 Uhr

Enttäuschte Medaillenhoffnungen

Friesinger und Pechstein gehen leer aus

Zum Leidwesen von Anni Friesinger und Claudia Pechstein sorgt die Niederländerin Ireen Wüst für ein Andauern des Favoritensterbens am zweiten Olympia-Tag.

HB TURIN. "Aprilscherz" Ireen Wüst hat den deutschen "Golden Girls" einen Riesen-Schock versetzt: Die am 1. April 20 Jahre alt werdende Junioren-Weltmeisterin aus den Niederlanden ließ der Konkurrenz am Sonntagabend keine Chance und sorgte zum Auftakt der olympischen Eisschnelllauf-Damenrennen im Oval Lingotto von Turin für die große Sensation. Anni Friesinger (Inzell) und Claudia Pechstein (Berlin) bissen sich an der von Wüst vorgelegten Top-Zeit von 4:02,43 Minuten die Zähne aus und blieben als Vierte und Fünfte überraschend medaillenlos.

Vor 6000 begeisterten Zuschauern, die Hälfte davon Fans in Oranje, konnten das deutsche Duo dem hohen Erwartungsdruck mental nicht Stand halten und kam nicht mehr in die Reichweite der Sensations-Siegerin, die sich vor ihrer Landsfrau Renate Groenewold (4:03,48) und Weltrekordlerin Cindy Klassen aus Kanada (4:04,37) durchsetzte. Die Erfurterin Daniela Anschütz-Thoms erfüllte die Erwartungen und wurde gute Sechste.

"Ich habe alles gegeben. Das kann doch nicht wahr sein!", jubelte Ireen Wüst noch völlig fassungslos nach dem Drama von Lingotto. "Das Warten waren die längsten 20 Minuten meines Lebens." Claudia Pechstein, Deutschlands erfolgreichste Olympionikin bei Winterspielen, war nach Platz fünf in 4:05,54 Minuten total enttäuscht: "Ich habe alles gegeben, aber ich war total blau - im wahrsten Sinne des Wortes", begründete sie ihre Probleme mit Sauerstoff-Mangel. "Die Zeit von Wüst hat mich nicht geschockt. Ich wusste, dass man so schnell laufen muss, um hier vorn zu sein. Aber für mich war das heute nicht drin."

Anni Friesinger schüttelte beim Blick auf die Anzeigetafel mit der "4:04,59" verzweifelt den Kopf. "Von Runde zu Runde wurde ich langsamer, als ich gedacht habe. Der vierte Platz wie in Salt Lake City ist blöd. Ich habe noch andere Starts, ich darf jetzt nicht verzagen", meinet die 29 Jahre alte Wahl-Salzburgerin. "Auch in Salt Lake City gab es ein Happy End - wir werden es schon noch richten." Pechstein tröstete sich jedoch mit dem Blick in die nahe Zukunft. "Es ist noch nichts verloren, die Olympischen Spiele haben doch gerade erst begonnen."

Überraschungssiegerin Wüst aus dem niederländischen Goirle hatte schon in der gesamten Olympia-Saison ihre aufstrebende Form unter Beweis gestellt und war unter anderem beim EM-Rennen in Hamar als Zweite hinter Groenewold vor Pechstein gelandet. Den bislang letzten Olympiasieg der Niederländerinnen auf dieser Strecke hatten die Oranjes vor 18 Jahren durch Yvonne van Gennip gefeiert. Daniela Anschütz-Thoms konnte sich über ihren guten sechsten Platz zu Recht freuen. "Das ist meine beste Zeit in diesem Winter. Und das im wichtigsten Rennen - das ist super! Was Wüst vorgelegt hat, war der Wahnsinn. Einige werden daran zerbrochen sein."

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