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05.01.2013

13:06 Uhr

Ex-Radsportler

Armstrong denkt über Doping-Geständnis nach

Lance Armstrong überlegt offenbar, sein jahrelanges Doping einzugestehen. Laut eines Medienberichts hat sich Armstrong bereits mit USADA-Chef Tygart getroffen. Sein Anwalt dementierte dies jedoch.

Lance Armstrong denkt offenbar über ein Doping-Geständnis nach. Reuters

Lance Armstrong denkt offenbar über ein Doping-Geständnis nach.

BerlinEs wäre eine Wende um 180 Grad: Lance Armstrong erwägt nach einem Bericht der „New York Times“ ein Doping-Geständnis. Das Blatt beruft sich auf das nahe Umfeld des 41-Jährigen. Knickt der frühere Radstar, dem 2012 in einem der größten Skandale der Sportgeschichte alle sieben Tour-de-France-Siege aberkannt worden war, tatsächlich ein?

Nach Angaben der Zeitung wird der Texaner von Verantwortlichen der von ihm ins Leben gerufenen Krebsstiftung gedrängt. Außerdem soll er auf einen Deal mit den Anti-Doping-Behörden hoffen, nach dem er wieder an sportlichen Wettkämpfen - vor allem im Triathlon - teilnehmen darf.

Eine umfassende Beichte des früheren Radsport-Dominators, der Doping jahrelang bestritten hatte, ist eher nicht zu erwarten. Armstrong ist in mehrere gerichtliche Verfahren verwickelt, an deren Ende er womöglich Millionenbeträge bezahlen muss. Zudem drohen ihm strafrechtliche Ermittlungen der US-Behörden, unter anderem wegen Meineids. Ein spätes Geständnis könnte ihm - wie einst der Sprinterin Marion Jones - sogar eine Gefängnisstrafe einbrocken.

Wie die „New York Times“ unter Berufung auf die Quellen aus dem Umfeld Armstrongs berichtete, hatte sich der Familienvater bereits mit dem Chef der amerikanischen Anti-Doping-Agentur USADA, Travis Tygart, getroffen. Zudem sei ein Gespräch mit dem Generaldirektor der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA, David Howman, geplant. Tygart lehnte einen Kommentar ab. Howman sei nicht erreichbar gewesen.

Chronologie – Die Anschuldigungen bis zur Aufgabe

2. Juli 2004

Unmittelbar vor der Tour de France 2004 erscheint das Buch „L.A. Confidential“, in dem die beiden Journalisten David Walsh und Pierre Ballester schwere Doping-Vorwürfe gegen Lance Armstrong erheben. Der US-Amerikaner scheitert vor Gericht mehrfach mit dem Versuch, sich in dem Buch äußern zu dürfen.

1. Oktober 2004

Wegen Sportbetrugs wird der Sportarzt Michele Ferrari zu einem Jahr Haft auf Bewährung verurteilt. Der Italiener arbeitete lange mit Armstrong zusammen. Vom Vorwurf, Radsportler mit Dopingmitteln versorgt zu haben, wird Ferrari aus Mangel an Beweisen jedoch freigesprochen.

1. April 2005

Sein ehemaliger Betreuer Mike Anderson erklärt vor Gericht, 2004 „ein verbotenes Medikament“ in Armstrongs Badezimmer gefunden zu haben. Der reagiert darauf mit einer Schadensersatzklage.

24. Juli 2005

Armstrong gewinnt zum siebten Mal die Tour de France und beendet danach seine Karriere.

23. August 2005

Die französische Sportzeitung „L'Equipe“ berichtet, dass in sechs Urinproben von Armstrong aus dem Jahr 1999 das Dopingmittel EPO nachgewiesen wurde. Die Proben waren eingefroren worden und konnten dem Bericht zufolge eindeutig Armstrong zugeordnet werden. EPO ist erst seit 2001 nachweisbar.

31. Mai 2006

Eine vom Weltverband UCI eingesetzte Kommission spricht Armstrong von den 1999er Doping-Vorwürfen frei. Die weltweite Anti-Doping-Agentur WADA nennt den UCI-Bericht „fast schon lächerlich“.

9. September 2008

Armstrong kündigt für 2009 sein Comeback an.

2. Oktober 2008

Die französische Anti-Doping-Agentur AFLD schlägt Armstrong vor, die sechs Proben der Tour de France 1999 nochmals zu testen. Der US-Amerikaner lehnt das ab.

20. Mai 2010

Armstrongs ehemaliger Teamkollege Floyd Landis gibt öffentlich zu, die meiste Zeit seiner Karriere gedopt zu haben. Der Tour-Sieger von 2006 beschuldigt in diesem Zusammenhang auch Armstrong des Dopings. Der weist die Anschuldigungen zurück.

26. Mai 2010

Nach den Aussagen von Landis kündigen die US-Behörden an, die Ermittlungen gegen Armstrong auszuweiten. Es geht jetzt nicht nur um die Einnahme unerlaubter Mittel, sondern auch um die Frage, ob das Sponsorengeld des amerikanischen Postdienstleisters US Postal dazu genutzt wurde, um Dopingmittel zu finanzieren.

16. Februar 2011

Armstrong erklärt sein endgültiges Karriereende.

20. Mai 2011

Tyler Hamilton ist der nächste ehemalige Teamkollege, der schwere Doping-Vorwürfe gegen Armstrong erhebt. „Ich sah EPO in seinem Kühlschrank. Ich sah mehr als einmal, wie er es sich gespritzt hat“, sagt der Zeitfahr-Olympiasieger von 2004 dem TV-Sender CBS.

4. Februar 2012

Die US-Staatsanwaltschaft stellt ihre Doping-Ermittlungen gegen Armstrong ein.

9. Februar 2012

Der Welt-Triathlonverband WTC gibt eine Kooperation mit Armstrong bekannt. Für sechs Starts kassiert seine Krebs-Foundation „Livestrong“ eine Million Dollar. Die erste Teilnahme soll im Oktober 2012 sein.

12. Februar 2012

Armstrong wird Zweiter beim Ironman 70.3, einem Wettkampf über die halbe Distanz. Zum Dopingtest müssen nicht wie üblich die ersten drei, sondern die Athleten auf den Plätzen vier bis sechs.

12. Juni 2012

Die nationale Anti Doping-Agentur USADA erhebt in einem Schreiben schwere vorwürfe gegen Armstrong. Proben aus den Jahren 2009 und 2010 sollen „vollkommen mit Proben übereinstimmen, an denen Blutmanipulation, inklusive EPO und/oder Blut-Transfusionen vorgenommen wurden.“ Armstrong wird sofort für alle Wettbewerbe gesperrt.

14. Juni 2012

Der WTC gibt bekannt, dass Armstrong wegen der laufenden Ermittlung nicht an Wettkämpfen teilnehmen darf. Der Ironman in Nizza am 24. Juni findet ohne den 40-Jährigen statt.

20. August 2012

Ein Gericht in Austin erklärt die Ermittlungen der USADA gegen Armstrong für rechtens. Der Texaner muss entscheiden, ob er eine Schiedsgerichts-Verhandlung will oder eine drohende lebenslange Sperre der USADA akzeptiert.

24. August 2012

Armstrong teilt in einem Statement mit, dass er den Kampf gegen die Anschuldigungen aufgibt. Ihm droht nun die Aberkennung seiner Tour-Titel.

22. Oktober 2012

Der Radsport-Weltverband UCI hat das Urteil der US-Anti-Doping-Agentur USADA bestätigt. Armstrong verliert damit alle sieben Tour de France-Titel von 1999 bis 2005 und wird mit einer lebenslangen Sperre belegt.

Armstrongs langjähriger Anwalt Tim Herman dementierte ein Treffen mit Tygart und antwortete auf die Frage, ob sein Mandant Doping zugeben würde: „Lance muss da für sich selbst sprechen.“ Ein Geständnis stehe „derzeit nicht zur Debatte“, meinte Herman.

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