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03.10.2017

16:43 Uhr

Extremseglerin Lina Rixgens

Allein über den Atlantik

VonSandra-Valeska Bruhns

Schlaf im Minutenrhythmus, 6,50 Meter Boot als Lebensraum. das alles einen Monat lang auf hoher See: Das Mini Transat über den Atlantik bringt Segler an ihre Grenzen. Mit dabei ist eine junge, ehrgeizige Deutsche.

Die junge Deutsche ist in das Solorennen auf dem Atlantik gestartet. blondsign by Eike Schurr

Lina Rixgens

Die junge Deutsche ist in das Solorennen auf dem Atlantik gestartet.

HamburgAlle 25 Minuten wird der Wecker klingeln. Nicht nur in der Nacht, sondern manchmal auch tagsüber. Mehr Schlaf am Stück darf sich Lina Rixgens nicht gönnen, wenn sie alleine auf ihrem nur 6,50 Meter langen Segelboot über den Atlantik segelt. Zu groß ist die Gefahr, während eines längeren Nickerchens ein zu dicht passierendes Schiff zu übersehen, eine Wetterveränderung nicht rechtzeitig zu registrieren oder einen Schaden am Schiff nicht zu bemerken.

„Beim Schlafmanagement vertraute ich auf die bei Einhandseglern erprobte 20-Minuten-Regel“, sagt Lina Rixgens. „Nach 20 Minuten Schlaf klingelt der Wecker, dann gehe ich an Deck und mache einen prüfenden Rundum-Blick. Ist alles in Ordnung, kann ich mich für weitere 20 Minuten hinlegen.“ Bereits auf der 1.000 Seemeilen langen Qualifikationsregatta im letzten Jahr hat sie sich an das System peu a peu herangetastet. Ihr Fazit: mit „learning by doing“ lässt sich das System schnell verinnerlichen, der Körper gewöhnt sich zügig an den unnatürlichen Rhythmus.

Doch Schlafmanagement ist nur einer von vielen Punkten, mit denen sich Lina Rixgens während des Rennens über den großen Teich auseinandersetzen muss. „Beim Segeln über einen so langen Zeitraum kommt es nicht nur darauf an, das Schiff permanent so schnell wie möglich zu segeln“, sagt die 22-jährige Medizinstudentin. „Parallel muss ich mich auch um die Navigation kümmern, kleinere Reparaturen erledigen und für mich und das Schiff sorgen.“

Titelsponsor der großen Regatta auf den kleinen Booten, die dieses Jahr zum 40. Mal ausgetragen wird und von La Rochelle mit einem Zwischenstopp auf Las Palmas nach Martinique führt, ist La Boulangére, ein großer französischer Backwarenhersteller. Weitere Unterstützer sind die Nahrungsmittelhersteller für Bioprodukte Léa Nature und Jardin Bio, der große Verbrauchermarkt E. Leclerc und die dazugehörigen Einkaufszentren Fief Rose sowie die Offshore-Windpark-Firma WPD. Bei den Sponsoren der Regatta zeigt sich, dass Hochseesegeln in Frankreich einen ganz anderen Stellenwert als in Deutschland hat. Nicht nur die Hochseeprofis, die im Rahmen der Vendée Globe alleine nonstop um die Welt segeln, werden wie Helden gefeiert. Auch die 84 mutigen Frauen und Männer, die sich beim Mini Transat alleine dem Abenteuer Atlantik stellen, werden im segelverrückten Frankreich bejubelt.

Traditionell werben auch die Städte, in denen die Regattasegler starten, einen Zwischenstopp machen oder durchs Ziel gehen, im Race Village, einer extra für das Yachtrennen aufgebauten Zeltstadt, für die touristischen Angebote ihrer Region.

Das Mini Transat ist überwiegend eine Regatta von Amateuren, nur wenige professionelle Segler, die ihren Lebensunterhalt ausschließlich über die Teilnahme an Regatten und Segeln finanzieren, sind am Start. Die meisten Teilnehmer finanzieren einen Großteil ihrer Kampagne durch einen Mix aus Sponsorengeldern und privaten Förderern. Wer sich dafür entschieden hat, einen mutigen Segler auf seiner Reise über den „großen Teich“ zu unterstützen, kann vor allem den Rumpf des Bootes und die Segel als Werbefläche nutzen. So gebrandet bieten die Schiffe ein gutes Motiv für Foto- und Filmaufnahmen, die für verschiedene Marketing-Zwecke genutzt werden kann. „Als Gegenleistung für die Hilfe bieten wir Segler oft Vorträge für Kunden oder Mitarbeiter bei großen Events an“, sagt Lina Rixgens.

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