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24.04.2013

17:35 Uhr

Fall Armstrong

US-Justizministerium erhebt Millionen-Klage

Seine Doping-Beichte könnte dem gefallenen Radstar Lance Armstrong teuer zu stehen kommen. Das US-Justizministerium erhebt Anklage gegen den Texaner und fordert Millionen Dollar vom Doping-Sünder zurück.

Steht weiterer Ärger ins Haus: Das US-Justizministerium verklagt Lance Armstrong. ap

Steht weiterer Ärger ins Haus: Das US-Justizministerium verklagt Lance Armstrong.

Austin/BerlinDie Titel sind futsch, das Image ist ramponiert - jetzt geht es dem gefallenen Radstar Lance Armstrong auch noch massiv ans Geld. Das US-Justizministerium verklagt den texanischen Dopingsünder auf die Rückzahlung von Sponsorengeldern in Millionenhöhe. Das geht aus der am Dienstag (Ortszeit) eingereichten Anklageschrift hervor. Doch nicht nur die Regierung prüft Regressforderungen an den gestürzten Superstar. Sponsoren und ehemalige Partner wollen Armstrong ebenfalls zur Kasse bitten. Auch ein Prozess wegen Meineides steht weiter im Raum.

In der Anklageschrift der Behörden, in der auch der frühere US-Postal-Teamchef Johan Bruyneel eingebunden ist, heißt es: Armstrong habe sich „unrechtmäßig bereichert“. Die Fahrer hätten die Sponsor-Bedingungen durch systematisches Doping verletzt. „Der Strafantrag ist opportunistisch und unaufrichtig“, konterte Armstrong-Anwalt Elliott Peters. „US Postal profitierte enorm vom Sponsoring. Das belegen die eigenen US-Postal-Studien schlüssig.“ Diese hätten gezeigt, dass das Unternehmen von 2001 bis 2004 mindestens 139 Millionen Dollar (knapp 107 Millionen Euro) durch die weltweite Präsenz des Markennamens eingenommen habe.

Chronologie – Die Anschuldigungen bis zur Aufgabe

2. Juli 2004

Unmittelbar vor der Tour de France 2004 erscheint das Buch „L.A. Confidential“, in dem die beiden Journalisten David Walsh und Pierre Ballester schwere Doping-Vorwürfe gegen Lance Armstrong erheben. Der US-Amerikaner scheitert vor Gericht mehrfach mit dem Versuch, sich in dem Buch äußern zu dürfen.

1. Oktober 2004

Wegen Sportbetrugs wird der Sportarzt Michele Ferrari zu einem Jahr Haft auf Bewährung verurteilt. Der Italiener arbeitete lange mit Armstrong zusammen. Vom Vorwurf, Radsportler mit Dopingmitteln versorgt zu haben, wird Ferrari aus Mangel an Beweisen jedoch freigesprochen.

1. April 2005

Sein ehemaliger Betreuer Mike Anderson erklärt vor Gericht, 2004 „ein verbotenes Medikament“ in Armstrongs Badezimmer gefunden zu haben. Der reagiert darauf mit einer Schadensersatzklage.

24. Juli 2005

Armstrong gewinnt zum siebten Mal die Tour de France und beendet danach seine Karriere.

23. August 2005

Die französische Sportzeitung „L'Equipe“ berichtet, dass in sechs Urinproben von Armstrong aus dem Jahr 1999 das Dopingmittel EPO nachgewiesen wurde. Die Proben waren eingefroren worden und konnten dem Bericht zufolge eindeutig Armstrong zugeordnet werden. EPO ist erst seit 2001 nachweisbar.

31. Mai 2006

Eine vom Weltverband UCI eingesetzte Kommission spricht Armstrong von den 1999er Doping-Vorwürfen frei. Die weltweite Anti-Doping-Agentur WADA nennt den UCI-Bericht „fast schon lächerlich“.

9. September 2008

Armstrong kündigt für 2009 sein Comeback an.

2. Oktober 2008

Die französische Anti-Doping-Agentur AFLD schlägt Armstrong vor, die sechs Proben der Tour de France 1999 nochmals zu testen. Der US-Amerikaner lehnt das ab.

20. Mai 2010

Armstrongs ehemaliger Teamkollege Floyd Landis gibt öffentlich zu, die meiste Zeit seiner Karriere gedopt zu haben. Der Tour-Sieger von 2006 beschuldigt in diesem Zusammenhang auch Armstrong des Dopings. Der weist die Anschuldigungen zurück.

26. Mai 2010

Nach den Aussagen von Landis kündigen die US-Behörden an, die Ermittlungen gegen Armstrong auszuweiten. Es geht jetzt nicht nur um die Einnahme unerlaubter Mittel, sondern auch um die Frage, ob das Sponsorengeld des amerikanischen Postdienstleisters US Postal dazu genutzt wurde, um Dopingmittel zu finanzieren.

16. Februar 2011

Armstrong erklärt sein endgültiges Karriereende.

20. Mai 2011

Tyler Hamilton ist der nächste ehemalige Teamkollege, der schwere Doping-Vorwürfe gegen Armstrong erhebt. „Ich sah EPO in seinem Kühlschrank. Ich sah mehr als einmal, wie er es sich gespritzt hat“, sagt der Zeitfahr-Olympiasieger von 2004 dem TV-Sender CBS.

4. Februar 2012

Die US-Staatsanwaltschaft stellt ihre Doping-Ermittlungen gegen Armstrong ein.

9. Februar 2012

Der Welt-Triathlonverband WTC gibt eine Kooperation mit Armstrong bekannt. Für sechs Starts kassiert seine Krebs-Foundation „Livestrong“ eine Million Dollar. Die erste Teilnahme soll im Oktober 2012 sein.

12. Februar 2012

Armstrong wird Zweiter beim Ironman 70.3, einem Wettkampf über die halbe Distanz. Zum Dopingtest müssen nicht wie üblich die ersten drei, sondern die Athleten auf den Plätzen vier bis sechs.

12. Juni 2012

Die nationale Anti Doping-Agentur USADA erhebt in einem Schreiben schwere vorwürfe gegen Armstrong. Proben aus den Jahren 2009 und 2010 sollen „vollkommen mit Proben übereinstimmen, an denen Blutmanipulation, inklusive EPO und/oder Blut-Transfusionen vorgenommen wurden.“ Armstrong wird sofort für alle Wettbewerbe gesperrt.

14. Juni 2012

Der WTC gibt bekannt, dass Armstrong wegen der laufenden Ermittlung nicht an Wettkämpfen teilnehmen darf. Der Ironman in Nizza am 24. Juni findet ohne den 40-Jährigen statt.

20. August 2012

Ein Gericht in Austin erklärt die Ermittlungen der USADA gegen Armstrong für rechtens. Der Texaner muss entscheiden, ob er eine Schiedsgerichts-Verhandlung will oder eine drohende lebenslange Sperre der USADA akzeptiert.

24. August 2012

Armstrong teilt in einem Statement mit, dass er den Kampf gegen die Anschuldigungen aufgibt. Ihm droht nun die Aberkennung seiner Tour-Titel.

22. Oktober 2012

Der Radsport-Weltverband UCI hat das Urteil der US-Anti-Doping-Agentur USADA bestätigt. Armstrong verliert damit alle sieben Tour de France-Titel von 1999 bis 2005 und wird mit einer lebenslangen Sperre belegt.

Das staatliche Unternehmen US Postal zahlte als Hauptsponsor von 1998 bis 2004 rund 40 Millionen Dollar (knapp 31 Millionen Euro) für die Namensrechte am Armstrong-Team. Davon seien rund 17 Millionen (ca. 13 Millionen Euro) an den Kapitän geflossen, der in dieser Zeit sechs seiner insgesamt sieben Tour-de-France-Erfolge einfuhr. „Er hat die Bekanntheit von US Postal dadurch enorm gesteigert“, meinte Peters.

Genau hier liegt der Knackpunkt: Was wiegt mehr - die Erfolge Armstrongs für den Bekanntheitsgrad von US Postal oder die Negativschlagzeilen für das Image des Unternehmens? Der 41-Jährige hatte im Januar in einem TV-Interview gestanden, bei all seinen Tour-de-France-Siegen gedopt zu haben.

Vor zwei Monaten hatte der ehemalige Armstrong-Teamkollege Floyd Landis, der 2006 des Dopings überführt wurde, seinen Ex-Kapitän verklagt. Der 37-Jährige wirft Armstrong Betrug an Steuerzahlern und der Regierung vor. Das US-Justizministerium schloss sich der Klage an. Wohl auch deshalb, weil die Behörde gute Erfolgsaussichten sieht.

Zudem fordert der US-amerikanische Versicherungsgesellschaft SCA Promotions knapp 9,2 Millionen Euro von Armstrong. Das Unternehmen aus Dallas hatte sich geweigert, 5,8 Millionen Euro für den Gewinn seines sechsten Sieges bei der Frankreich-Rundfahrt 2004 an Armstrong zu übereisen. Es kam zum Prozess, in dem Armstrong schwor, keine leistungssteigernden Mittel eingenommen zu haben. Das Gericht glaubte damals dem Ex-Profi. SCA musste letztendlich 7,5 Millionen Dollar (rund 5,5 Millionen Euro) zahlen.

Pikant: Wird Armstrong schuldig gesprochen, kann das Gericht die Schadenssumme verdreifachen. Derzeit wird Armstrongs Vermögen auf 45 bis 85 Millionen Euro taxiert. Zuletzt soll er sich nac hübereinstimmenden Medienberichten vom seinem luxuriösen Anwesen im texanischen Austin getrennt haben. Der Verkehrswert der Villa im spanischen Stil mit einer Grundfläche von knapp 6900 Quadratmetern habe 7,6 Millionen Euro betragen.

Von

dpa

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