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21.01.2005

08:00 Uhr

Faux Pas bei damaliger Siegerehrung

Wasmeier spricht für die ARD aus eigener Erfahrung

Markus Wasmeier wurde 1985 im italienischen Bormio völlig überraschend Riesenslalom-Weltmeister. Nach seinem Sieg gerieten im Rummel Politiker in Rage. Selbst eine falsche Hymne wurde bei der Siegerehrung gespielt und Wasmeier kam ebenfalls aus dem Takt. Der 41-Jährige sagt von jener Zeit: "Ich habe lange gebraucht, bis ich mit allem zurecht gekommen bin".

HB BORMIO. Auch nach 20 Jahren hat Wasmeier noch jede Sekunde seines Husarenritts vor Augen. "Das ist ein Gefühl, als ob das erst gestern passiert war", sagte er. Nach 20 Jahren ist er bei den diesjährigen Titelkämpfen als TV-Experte für die ARD erneut am Ort seines ersten großen Triumphes.

Am 7. Februar 1985 gewann Wasmeier nach einem wahren Blindflug vor den damaligen Superstars Pirmin Zurbriggen (Schweiz) und Marc Girardelli (Luxemburg). Weil er mit dem Kopf in eine Torflagge raste, verrutschte die Skimütze. "Das war idiotisch. Ich bin zehn Meter blind gefahren und hab nur das Strickmuster der Mütze gesehen. Dann hab ich die Brille und die Mütze herunter gerissen", erinnert sich der Schlierseer. "Danach habe ich das Letzte gegeben, was ich konnte. Ich dachte, ich habe sowieso keine Chance mehr."

Der damals 21-Jährige wusste nach dem Titel nicht so recht, wie ihm geschah. Das fing schon bei der Siegehrung an, als irrtümlicherweise die DDR-Hymne gespielt wurde: "Da wäre ich gar nicht darauf gekommen. Ich dachte, das wäre das Lied von Bormio." Richtig politisch wurde es aber erst, als das ZDF den Auftritt Wasmeiers im "Aktuellen Sportstudio" wegen des starken bayerischen Akzents mit der Bild-Unterschrift "O-Ton-Süd" versah. Politiker, wie der damalige Leiter der bayrischen Staatskanzlei, Edmund Stoiber (CSU), mischten sich ein. "Das ZDF hat sich öffentlich entschuldigen müssen", erinnert sich Wasmeier.

Danach ging der Rummel richtig los. Der gelernten Maler und Lackierer nahm auf der Couch von "Wetten, dass..?" neben Fürstin Gloria von Thurn und Taxis ("Die hatte da noch ihre wilde Phase") und Filmstar Gina Lollobrigida Platz. Inzwischen hatte er selbst mit den Auswirkungen seines Ruhms zu kämpfen: "Die Leute haben dich erdrückt. Die sind ohne anzuklopfen in die Wohnung reingestolpert. Wenn es zu anstrengend wurde, dann bin ich abgehauen, das ist auch heute noch so", sagte Wasmeier, der aber mit zunehmenden Alter erkannte: "Das ist totaler Blödsinn, du musst auf die Leute zugehen, nicht weglaufen."

Nach seinem WM-Titel 1985 ging es zunächst bergab mit der sportlichen Laufbahn des Markus Wasmeier. 1987 gewann er im Super-G noch WM-Bronze, 1988 und 1992 blieb er bei den Olympischen Winterspielen ohne Medaille und musste sogar fürchten, aus dem deutschen Kader zu fliegen. Um so überraschender kamen 1994 in Lillehammer die Olympiasiege im Super-G und Riesenslalom. "Es ist ein Riesenunterschied, ob du mit 21 oder 30 etwas gewinnst. Als Youngster bist du für jede Bar und Disco zu haben", sagt Wasmeier, der seit 1991 mit Brigitte verheiratet ist und inzwischen zwei Söhne hat.

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