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15.03.2014

15:01 Uhr

Fecht-Olympiasiegerin Britta Heidemann

„Einen Sportler zu engagieren, ist keine Wohltat“

VonLisa Hegemann

Britta Heidemann hat 2008 in China Olympiagold geholt. Im Interview erklärt die Fechterin, welchen Schub der Sieg für ihre Karriere hatte, welche Förderungen Sportler brauchen – und warum dabei die Politik gefragt ist.

Fecht-Olympiasiegerin Britta Heidemann beim Interview in Köln. Lisa Hegemann

Fecht-Olympiasiegerin Britta Heidemann beim Interview in Köln.

KölnBritta Heidemann, Jahrgang 1982, wurde 2008 in Peking Olympiasiegerin im Degenfechten und holte in London 2012 die Silbermedaille. In China ist sie auch dank ihrer Sprachkenntnisse eine der bekanntesten europäischen Athletinnen. Immer wieder reist sie deshalb im Rahmen wirtschaftlicher, politischer oder kultureller Veranstaltungen in das Land der Mitte. Neben ihrer Sportkarriere hat sich die Botschaftern der Deutsch-Chinesischen Wirtschaftsvereinigung selbstständig gemacht, unter anderem mit Fecht-Workshops und Vorträgen über Motivation und Erfolgsstrategien. Mit Handelsblatt Online sprach sie in Köln über Startschwierigkeiten von Athleten nach der Sportkarriere, Probleme in den Verbänden und geringe Anerkennung für Spitzensport. 

Frau Heidemann, wie oft werden Sie eigentlich noch auf das olympische Fecht-Halbfinale in London 2012 angesprochen? Damals haben Sie in buchstäblich letzter Sekunde den Sieg errungen.
Direkt nach den Spielen wurde ich sehr häufig darauf angesprochen – ganz Deutschland saß ja vor dem Fernseher und verfolgte gespannt, wie die Entscheidung fallen wird!

Das war damals eine sehr kuriose Situation. Auf der Uhr stand noch eine Sekunde, Sie brauchten noch einen Treffer für das Finale. Zwei Mal ging das Gefecht weiter, obwohl viele meinten, die Uhr sei schon abgelaufen. Wie haben Sie die Situation selbst wahrgenommen?
Das war absoluter Wahnsinn. Als Athlet auf der Bahn hat man ja nicht diese Vogelperspektive, sondern ist mitten im Geschehen. Ich war in diesem Moment einfach unheimlich konzentriert und habe so lange weitergefochten, wie immer noch die Worte „Fertig, los!“, „Fertig, los!“ kamen. Ich konnte nicht fassen, als dann nach meinem Treffer eine so lange Diskussion entstanden ist. Das war einfach nur verrückt. So ein Gefecht habe ich noch nie erlebt, und ich werde es sicherlich nicht vergessen.

Eine extreme Stresssituation. Die beste Übung für das Leben?
Durch das Fechten bin ich auf jeden Fall sehr gut darauf trainiert, Druck Stand zu halten. Ich habe in meinem Buch „Erfolg ist eine Frage der Haltung“ viel über die Parallelen zwischen Fechten, Spitzensport und Leben geschrieben.

Und welche gibt es da?
Man lernt, sich im Vorfeld zu konzentrieren, sich vorzubereiten. Wiederholung und Rituale geben einem Sicherheit. Und das sind Automatismen, die nicht nur im Sport greifen. Im Fechten habe ich zum Beispiel diese Zweikämpfe, die Mann-gegen-Mann-Situationen, wie sie häufig auch im normalen Leben vorkommen. Das lässt sich sehr gut übertragen.

Trotzdem haben Spitzenathleten nach ihrer sportlichen Karriere im späteren Berufsleben durchaus Nachteile, etwa wenn es um Bewerbungen geht: Im Gegensatz zu den Kommilitonen haben sie vielleicht keinen Auslandsaufenthalt im Lebenslauf stehen, das Studium hat länger gedauert, die Noten sind möglicherweise schlechter. Die Hindernisse fangen schon bei Praktika an.
Das stimmt. Für viele Sportler ist es schwierig, ein sechswöchiges Praktikum am Stück zu absolvieren. Das ist für die meisten Sportler nicht umsetzbar, weil entweder Wettbewerbe, Trainingslager oder internationale Reisen anstehen. In einer Online-Bewerbung kann man meist nur ankreuzen, welche Qualifikationen man hat. Für Zwischennuancen ist da wenig Spielraum.

Die Deutsche Sporthilfe will deshalb eine Kooperation zwischen Unternehmen und Vereinen oder Spitzensportverbänden ermöglichen. Die Athleten sollen garantiert ein Bewerbungsgespräch bekommen, auch Kurzpraktika sind im Gespräch, und das alles größtenteils unabhängig von Qualifikationen. Glauben Sie, das hilft?
Ja, diese spezielle Maßnahme erleichtert den Sportlern den Weg in die Unternehmenswelt sehr. Durch diese Kooperation ist sozusagen flächendeckend gewährleistet, dass man als Spitzenathlet ein Praktikum bekommen kann.

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