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09.06.2015

09:19 Uhr

Fifa-Skandal und die Folgen

Vertrauen in Olympia nicht beschädigt

Ein knappes halbes Jahr vor dem Hamburger Referendum über eine Olympia-Bewerbung lässt sich Deutschlands Sportchef Alfons Hörmann seinen Optimismus vom Fifa-Skandal nicht verderben.

Lässt sich die Vorfreude auf eine mögliche deutsche Olympia-Bewerbung nicht nehmen: Alfons Hörmann, Chef des Deutschen Olympischen Sportbundes. Reuters

DOSB-Chef Alfons Hörmann

Lässt sich die Vorfreude auf eine mögliche deutsche Olympia-Bewerbung nicht nehmen: Alfons Hörmann, Chef des Deutschen Olympischen Sportbundes.

BerlinDer Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), Alfons Hörmann, sieht die Chancen auf Olympische Spiele in Hamburg durch den Fifa-Korruptionsskandal nicht geschmälert. Man könne Großereignisse weiter mit bestem Gewissen verantworten, sagte Hörmann der Deutschen Presse-Agentur am Montag mit Blick auf den von Affären geschüttelten Fußball-Weltverband.

„Daran ändert jetzt eine aktuelle Fifa-Diskussion nichts. Ganz im Gegenteil“, sagte Hörmann. „Umso mehr ist es Motiv zu sagen: Lasst uns gemeinsam ein Projekt vom absoluter Transparenz beim Bewerbungsprozess über eine professionelle Umsetzung bis hin zum großen nachhaltigen Erfolg für unser Land umsetzen.“

Deutschland will sich mit Hamburg um die Ausrichtung der Olympischen Spiele 2024 oder 2028 bewerben. Allerdings hängt eine Bewerbung noch vom Willen der Bürger der Hansestadt ab, die darüber im November bei einem Referendum abstimmen sollen.

Pro und Contra Hamburg als Olympiaort

Pro: Das Konzept

Die Stadt plant kompakte Spiele der kurzen Wege mit den Olympia-Stätten und dem Athletendorf auf einer Elbinsel. Weitere Trainings- und Wettkampfstätten sollen von hier nur zehn Kilometer entfernt liegen. Auch die benötigten Segelreviere auf der Ost- oder Nordsee sind nah.

Pro: Breitensport

Nur wenige Wettkampf- und Trainingsstätten müssten neu gebaut werden, heißt es bei den Planern. Zur Freude der Sportvereine sollen bestehende Anlagen modernisiert werden, was auch dem Schulsport zugutekommt.

Pro: Die Nachnutzung

Die neue Olympia-Anlage soll nach den Spielen in einen neuen Stadtteil integriert werden. Das Stadion wird von 70 000 auf 20 000 Plätze zurückgebaut, die Olympia-Halle zum Kreuzfahrtterminal. Die Sportlerquartiere werden zu 3000 Wohnungen umfunktioniert.

Pro: Die Effekte

„Wir könnten das, was wir ohnehin planen, beschleunigen“, betont Bürgermeister Olaf Scholz (SPD). Die Investitionen, auch in Verkehrsanlagen, werden als „riesiges Konjunkturprogramm“ gesehen. Für die Bürger soll es Transparenz von der Planung bis zur möglichen Olympia-Durchführung geben.

Pro: Das Ansehen

Die Hansestadt erhofft sich einen Imagegewinn - vor allem im Ausland. In Europa liegt sie mit jährlich 12 Millionen Übernachtungen an zehnter Stelle. Die Hotelbranche will bis Ende 2016 über mehr als 62 000 Betten verfügen

Kontra: Die Kosten

Sie stehen für das Großprojekt noch nicht fest. Für den Sportstättenbau und Modernisierung werden bislang rund 2,1 Milliarden Euro (2024) genannt. Genauer soll erst gerechnet werden, wenn Hamburg den DOSB-Zuschlag erhält. Für die Spiele dürfen schon wegen der von 2020 an geltenden Schuldenbremse keine neuen Schulden gemacht werden.

Kontra: Die politischen Gegner

Die Grünen - derzeit mit der SPD in Verhandlungen zur Regierungskoalition - sagen zur Bewerbung „Ja, aber“. Für sie darf es nicht zu einer Kostenexplosion wie beim Bau der Elbphilharmonie (knapp 800 Mio Euro) kommen. Die oppositionelle Linke ist gegen das Projekt („Finanzielles Abenteuer“). Hinzu kommen die (N)Olympia-Aktivisten, die voraussichtlich erst nach einem Zuschlag für Hamburg prominenter in Erscheinung treten dürften.

Kontra: Sportliche Großereignisse

Die Hansestadt hat bis auf die Triahtlon-WM 2007 nur wenige internationale Meisterschaften zu Gast gehabt. Berlin hat da mehr zu bieten, wie die Leichtathletik-WM 2009 und die Schwimm-EM 2014.

Kontra: Hafenwirtschaft und Umwelt

Für den Bau der Olympia-Stätten müssen auf der Elbinsel noch ansässige Hafenbetriebe (2500 Mitarbeiter) umgesiedelt werden. Die Stadt will die Kosten übernehmen. Die Grünen warnten daher vor einem „Blankocheck“. Der Unternehmensverband Hafen Hamburg bezweifelt, dass die Verlegung bis 2024 zu schaffen ist. Naturschutzverbände befürchten dabei die Ausweitung des Hafengebietes in Naturräume. Für Nabu und BUND ist der Umweltschutz bei der Olympia-Planung und Bewerbung ohnehin nicht genügend berücksichtigt.

Im November 2013 hatten in München, Garmisch-Partenkirchen sowie in den Landkreisen Traunstein und Berchtesgaden bei der Abstimmung über Olympia die Gegner gewonnen. Eine Kandidatur für die Winterspiele 2022 war damit vom Tisch. Das sei für den Sportbund und die Olympia-Befürworter aber mittlerweile abgehakt, betonte Hörmann.

Es sei weiter möglich, Bürgern die Olympische Idee zu vermitteln, meinte der Allgäuer. „Wir sagen: Es kann doch verdammt nochmal nicht sein, dass wir in einem Land wie Deutschland nicht schaffen, so ein Projekt mit Zustimmung der Bürger umzusetzen.“

Das Bewerberfeld im „harten internationalen Wettbewerb“ sei stark. „Olympische Spiele sind nicht geschenkt zu bekommen“, sagte Hörmann. Neben Hamburg haben sich bisher auch Rom, Boston und Paris für die Sommerspiele 2024 beworben. „Aber wenn wir nicht von Anfang an davon überzeugt gewesen wären, dass Hamburg und Berlin national umsetzungsfähig und international durchsetzungsfähig wären, dann hätten wir dieses Projekt nicht angegangen“, fügte Hörmann hinzu.

Der DOSB hatte sich im März gegen Berlin und für Hamburg entschieden. Hörmann betonte, er habe sich erst kürzlich in der Hansestadt wieder vom Potenzial des Olympia-Konzepts überzeugen können.

Von

dpa

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