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08.09.2011

10:54 Uhr

Flugzeugabsturz in Russland

Trauer um Dietrich und seine Mannschaftskameraden

43 Tote, nur zwei Überlebende: Die verheerende Bilanz des Flugzeugunglücks in Russland. Ein ganzes Eishockey-Team starb, mit ihm der Deutsche Robert Dietrich. Die Sportwelt ist entsetzt - und will helfen.

Deutscher Eishockey-Star unter Toten

Video: Deutscher Eishockey-Star unter Toten

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MoskauNach dem Flugzeugabsturz mit mindestens 43 Toten in Russland haben Rettungskräfte fast alle Leichen geborgen. Taucher seien insgesamt 30 Mal in die Wolga gestiegen, in die Teile der Maschine gestürzt waren, teilte das Zivilschutzministerium am Donnerstag nach Angaben der Agentur Interfax mit. Unter den Opfern ist auch der deutsche Eishockey-Nationalspieler Robert Dietrich. Er war mit seinen Teamkollegen vom russischen Erstligisten Lokomotive Jaroslawl auf dem Weg zum Auswärtsspiel in der weißrussischen Hauptstadt Minsk.

Die beiden Überlebenden des Absturzes vom Mittwoch waren nach Krankenhaus-Angaben noch in einem kritischen Zustand. Insgesamt waren 45 Menschen an Bord der Maschine vom Typ Jak-42. Die Ermittler schickten die Flugschreiber zur Untersuchung nach Moskau. Die wahrscheinlichste Unglücksursache sei, dass eines der Triebwerke ausgefallen sei, sagte ein namentlich nicht genannter Flughafenmitarbeiter zu Interfax. Die Agentur Ria Nowosti zitierte einen Mitarbeiter der Luftfahrtindustrie, nach dessen Ansicht das Flugzeug mit minderwertigem Treibstoff betankt worden sei.

Angeblich gewann die Maschine nach dem Start vom Flughafen Jaroslawl nicht schnell genug an Höhe, streifte eine Antenne und zerschellte dann am Boden.

Tragische Flugzeugunglücke im Sport

September 2011

Die Passagiermaschine mit dem Team der russischen Eishockey Liga KHL, Lokomotive Jaroslawl, stürzt unmittelbar nach dem Start in Jaroslawl ab. Mehr als 40 Menschen kommen ums Leben.

April 1993

Auf dem Flug zu einem WM-Qualifikationsspiel im Senegal kommen bei einem Flugzeugabsturz nach einer Zwischenlandung alle Stammspieler der Fußball-Nationalmannschaft von Sambia ums Leben. Die Militärmaschine stürzte ins Meer.

Juni 1989

Eine DC-8 der surinamischen Gesellschaft SLM streift beim Landeanflug auf Paramaribo einen Baum und zerschellt. Unter den 174 Toten sind 16 in den Niederlanden arbeitende Profifußballer, die in ihrer Heimat Wohltätigkeitsspiele bestreiten wollten.

Dezember 1987

Ein Flugzeug der peruanischen Marine stürzt vor der Küste von Lima ins Meer. Unter den 43 Todesopfern sind 16 Spieler der Fußballmannschaft Alianza Lima, davon vier Nationalspieler.

Oktober 1976

16 Mitglieder der Fecht-Jugendnationalmannschaft Kubas kommen beim Absturz einer DC-8 bei Bridgetown (Barbados) ums Leben. Nach einer Bombenexplosion an Bord sterben insgesamt 73 Menschen. Kuba machte exilkubanische Agenten des US-Geheimdienstes CIA für den Anschlag verantwortlich.

Oktober 1972

Eine Maschine der uruguayischen Luftwaffe prallt in den chilenischen Anden gegen einen Berg. An Bord ist auch eine 40-köpfige Rugby-Mannschaft aus Montevideo (Uruguay). Erst zehn Wochen später werden 16 Menschen entdeckt und gerettet. Sie hatten auch durch Kannibalismus überlebt.

Januar 1966

Sieben Mitglieder der italienischen Schwimm-Nationalmannschaft kommen bei Bremen ums Leben, als eine Convair 440 Metropolitan der Lufthansa nach einem abgebrochenen Landeversuch abstürzt.

Februar 1961

17 amerikanische Eiskunstläufer sterben, als ihre Boeing 707-329 beim Anflug auf Brüssel abstürzt. Die Sportler waren auf dem Weg von New York zu den Weltmeisterschaften in Prag.

Februar 1958

Die Fußballmannschaft des englischen Clubs Manchester United stürzt auf dem Rückflug von einem Europacupspiel bei Roter Stern Belgrad kurz nach einer Zwischenlandung in München mit einer Chartermaschine ab. 23 Menschen sterben, darunter acht Fußballspieler. 15 Insassen überleben, dazu zählten auch Fußball-Legende Bobby Charlton und Trainer Matt Busby.

Mai 1949

Eine Maschine mit der Mannschaft des italienischen Fußballmeisters FC Turin an Bord streift auf dem Rückflug von Lissabon bei Turin einen Kirchturm und stürzt ab. Alle 31 Insassen kommen ums Leben, darunter 15 Fußballer.

Kremlchef Dmitri Medwedew wollte am Donnerstag zur Absturzstelle rund 280 Kilometer nordöstlich von Moskau kommen. Der Präsident wird zu einem internationalen politischen Forum mit vielen prominenten Gästen in Jaroslawl erwartet, wo er eine Grundsatzrede halten wollte.

Derweil sollen Spieler anderer Vereine neu aufbauen. „Viele Jungs haben in den ersten Stunden nach der Tragödie ihren Wunsch erklärt, für Lokomotive zu spielen“, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende der Kontinentalen Eishockey-Liga (KHL), Wjatscheslaw Fetissow, am Donnerstag dem TV-Sender Rossija 24. Bereits in zwei bis drei Tagen könne eine neue Mannschaft aufgestellt werden, die sofort in der KHL mitspielt.

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