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25.08.2015

18:29 Uhr

Frank Busemann über Doping

„Wir müssen die sauberen Athleten schützen“

VonDiana Fröhlich

Die Leichtathleten bei der Weltmeisterschaft in Peking stehen beim Thema Doping unter Generalverdacht. Experten fordern noch mehr Kontrollen. Finanzieren sollen das die Stars selbst, sagt Ex-Zehnkämpfer Frank Busemann.

Der Silbermedaillengewinner von Atlanta über die Lage der Leichtathletik. dpa

Ex-Zehnkämpfer Frank Busemann

Der Silbermedaillengewinner von Atlanta über die Lage der Leichtathletik.

Frank Busemann ist eine der Legenden der deutschen Leichtathletik. Als er bei den olympischen Sommerspielen 1996 in Atlanta überraschend die Silbermedaille im Zehnkampf gewann, wurde er zu einem Aushängeschild. Strahlemann nannte man ihn lange, auch wenn Verletzungen dem heute 40-Jährigen immer wieder einen Strich durch Rechnung machten. Heute ist er TV-Experte für die ARD und berät Unternehmen. Das Handelsblatt sprach mit ihm anlässlich der Leichtathletik-WM in Peking. Das zentrale Thema: Doping.

Herr Busemann, am Wochenende haben in Peking die Leichtathletik-Weltmeisterschaften begonnen. Schon zu Beginn gab es einmal Gold und zweimal Silber. Was erwarten Sie noch von den deutschen Athleten?
Vor sieben Jahren, bei den Olympischen Spielen in Peking, haben die deutschen Leichtathleten gerade einmal Bronze gewonnen. Damals hatte ich regelrecht Angst um den Sport. Ich denke, bei der WM sind diesmal fünf Medaillen realistisch. Das deutsche Team besteht aus sehr guten Athleten, die es verdient haben, auch mal ganz oben zu stehen.

In den vergangenen Wochen hat die ARD schwere Vorwürfe gegen den Weltverband IAAF erhoben. Er soll angeblich Blutdoping-Fälle verschwiegen haben. Vor welchen Aufgaben steht nun der neue Präsident Sebastian Coe?
Er hat die Bekämpfung des Dopingproblems mit auf die Agenda gesetzt. Es bleibt abzuwarten, welche Taten er den Worten folgen lässt. Er muss eine neue Glaubwürdigkeit herbeiführen, die nur mit einer Abkehr von bisherigen Verfahrensweisen der IAAF möglich ist. Und er muss dabei die Funktionäre überzeugen, diesen Weg mitzugehen. Es wird spannend, ob er das schafft und wirklich will.

Die WM der Favoritenstürze

Stabhochsprung, Frauen

Die deutsche Rekordhalterin Silke Spiegelburg scheitert in der Qualifikation.

800 Meter, Männer

Titelverteidiger Mohammed Aman aus Äthiopien wird nach dem Halbfinale disqualifiziert.

400 Meter Hürden, Männer

Weltmeister Jehue Gordon (Trinidad & Tobago) und der Weltjahresbeste Bershawn Jackson aus den USA scheiden jeweils schon im Vorlauf aus.

Weitsprung, Männer

Der frühere Olympia- und WM-Zweite Godfrey Mokoena aus Südafrika verpasst das Finale der besten 12.

Marathon, Männer

Die beiden Top-Favoriten geben vorzeitig auf: Weltrekordhalter David Kimetto und sein Vorgänger Wilson Kipsang (beide Kenia).

Siebenkampf, Frauen

Die beiden Medaillenanwärterinnen Carolin Schäfer und Katarina Johnson-Thompson (Großbritannien) leisten sich jeweils drei Fehlversuche im Weitsprung. Das ist das Ende aller Ambitionen.

20 Kilometer Gehen, Männer

Der Weltrekordhalter Yusuke Suzuki bricht das Rennen vorzeitig ab.

Die Leichtathletik, Kernsportart der Olympischen Spiele, hat es derzeit schwer. Schwache Einschaltquoten, rückgängige Besucherzahlen, Dopingvorwürfe. Wie steht es Ihrer Meinung nach um den Sport?
Das Problem der Leichtathletik ist doch, dass jeder anhand von Zeiten und Weiten eine Leistung direkt ablesen oder abmessen kann. Das Streben nach Superlativen, nach immer neuen Weltrekorden, ist heute das Ziel der Sportler. Und der Wunsch der Zuschauer. Oder wollen Sie einen Olympiasieger sehen, der den 100-Meter-Lauf in 10,30 Sekunden gewonnen hat? Da ist es auch nicht verwunderlich, dass viele Athleten bereit sind, zu betrügen. Das rechtfertigt allerdings in keiner Weise den Betrug. Denn wer Rekorde erzielt, wird in den Medien gefeiert, erhält Sponsorenverträge, verdient Geld. Schon ein sauberer Vizeweltmeister ist da längst nicht mehr so begehrt wie eben der Titelträger.

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