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25.01.2005

11:53 Uhr

Fußballbetrug als süße Versuchung

Bestechung und Manipulation im internationalen Fußball

Nicht nur in Deutschland ist der Profi-Fußball anfällig für Skandale. Auch international bleibt der beliebte Ballsport nicht verschont vor manipulierten Spielen und geschmierten Schiedsrichtern.

1971: Horst Gregorio Canellas, Präsident der abgestiegenen Offenbacher Kickers, legt Beweise vor für manipulierte Bundesliga-Spiele. Selbst Top-Spieler wie Klaus Fischer kassierten, um freiwillig zu verlieren und den Abstiegskampf zu beeinflussen. Die Zuschauerzahlen brechen daraufhin dramatisch ein.

1993: Ein malaysischer Geschäftsmann schmiert mehrere Spieler der ersten englischen Liga, darunter den bekannten Liverpooler Torhüter Bruce Grobelaar.

1995: Bei der U20-WM in Katar berichten Akteure aus verschiedenen Teams von Bestechungsversuchen, bis hin zur Erpressung.

1997: Der Kader des spanischen Erstligisten Gijon gewinnt 60 000 Euro, weil er das eigene 0:0 gegen Oviedo richtig getippt hatte - angeblich ein Zufall.

2002: Der türkische Fifa-Schiedsrichter Ihsan Türe berichtet in seiner Biografie von weit angelegter Bestechung im internationalen Fußball. Auch er habe im Gegenzug für Luxus-Suiten und Sex-Abenteuer Spiele manipuliert. In einem Buch stellt der chinesische Journalist Yang Ming für sein Land fest: "Es gibt kein einziges Ligaspiel ohne Betrug." Zwei Jahre später revoltieren sieben der zwölf Erstligaclubs gegen die immer schlimmer werdende Korruption. Die Regierung Singapurs führt Lügendetektoren ein, um der massiven Schiebung in ihrer Top-Liga Herr zu werden. Diese hatte sich von der malaysischen Liga getrennt - in der es ähnlich zugeht.

2004: Buchmacher registrieren ungewöhnlich hohe Umsätze auf einen 2:0-Sieg von Aue gegen Oberhausen. Aue gewinnt nach merkwürdigen Toren tatsächlich 2:0, die Deutsche Fußball-Liga kann keine Beweise für Manipulation ausmachen. In Italien hat die Camorra dafür gesorgt, dass mindestens acht Spiele der Saison 2003/2004 in den obersten drei Ligen so ausgehen, wie sie es gerne hätte. In Zypern wetten Nationalspieler auf die eigene Niederlage gegen Bulgarien. 30 Schiedsrichter der ersten tschechischen Liga sollen von Vereinsfunktionären geschmiert worden sein. Die Funktionäre refinanzierten sich durch Sportwetten.

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