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18.01.2013

04:39 Uhr

Gefallener Radkönig

Lance Armstrong gesteht Doping

Lance Armstrong hat das Doping gestanden. In einem TV-Interview gab der siebenfache Gewinner der Tour de France zu, während seiner Karriere illegale Mittel zur Leistungssteigerung eingenommen zu haben.

In einem TV-Interview mit Oprah Winfrey gestand der siebenfache Gewinner der Tour de France, Lance Armstrong, sein Doping. dapd

In einem TV-Interview mit Oprah Winfrey gestand der siebenfache Gewinner der Tour de France, Lance Armstrong, sein Doping.

Oprah Winfrey und Lance Armstrong kamen in ihrem mit Spannung erwarteten TV-Interview ohne Umschweife gleich zur Sache. Kein seichtes Abtasten, das Thema Doping spielte sofort die Hauptrolle - und Armstrong gestand umfassend. Nach über 13-jährigem Leugnen riss der Texaner die Mauer des Schweigens und Leugnens ein und gab jahrelanges Doping unter anderem mit EPO, Eigenblut, Kortison und Wachstumshormonen zu. Bei allen sieben Tour-de-France-Siegen zwischen 1999 und 2005 hätte er unerlaubte Mittel genommen. Den Weltverband UCI nahm aber gegen Korruptionsvorwürfe in Schutz.

Armstrongs Fall

Seine Teams

Motorola (1992-96), Cofidis (1997), US Postal (1998-2004), Discovery Channel (2005), Astana (2009), RadioShack (2010-2011)

Seine Erfolge

unter anderem: Weltmeister Straße 1993, zwei Etappensiege Tour de France

Aberkannt

unter anderem: Sieben Gesamtsiege Tour de France (1999-2005), 22 Etappensiege Tour de France (1999-2005), Gesamtsieg Tour de Suisse (2001)

Noch offen

Olympia-Dritter Zeitfahren 2000 (IOC-Urteil steht noch aus)

Persönliches

Name: Lance Edward Armstrong Geburtsdatum: 18. September 1971 Geburtsort: Plano, Texas, USA Familienstand: geschieden; fünf Kinder

Armstrong stritt ab, dass ein positiver EPO-Test während der Tour de Suisse 2001 vom Dachverband verschleiert worden sei. Teamkollegen hatten zuvor ausgesagt, Armstrong habe im Gegenzug der UCI 125 000 Dollar gespendet. „Die Geschichte ist nicht wahr“, betonte Armstrong. „Es gab keine positive Probe, keine Bestechung des Labors, kein geheimes Meeting mit dem UCI-Chef“, sagte er. „Manche Dinge waren vielleicht dubios, aber das hier nicht.“

Bei der Ausstrahlung des ersten Teils des Gesprächs am Donnerstag (Ortszeit) gab der mit Jeans und Sakko ganz in blau gekleidete Ex-Radprofi Doping von Mitte der 90er Jahre bis 2005 zu. In seinen Comeback-Jahren 2009, als er noch einmal Dritter bei der Tour geworden war, und 2010 (23. in Paris) sei er aber „clean“ gefahren, sagte der Texaner weiter. Die Doping-Kontrollen zu dieser Zeit seien effektiver gewesen.

Lance Armstrongs Karriere - Teil 1

1992

Armstrong beendet das olympische Rennen als 14. und wechselt nach den Spielen in Barcelona ins Profilager. In seinem ersten Rennen, dem Clásica San Sebástian, wird er Letzter.

1993

Er wird Weltmeister, gewinnt die USPRO Championship sowie seine erste Etappe bei der Tour de France.

1996

Er startet das Jahr als Weltranglistenerster. Im Oktober unterzieht er sich einer Chemotherapie. Bei Armstrong war zuvor Hodenkrebs diagnostiziert worden, der bereits in Lunge und Gehirn gestreut hatte.

1997

Armstrong beginnt wieder mit dem Training und gründet eine Stiftung, die sich der Krebsforschung widmet.

1998

Er kehrt in den Wettkampf-Zirkus zurück, gewinnt die Luxemburg-Tour, die Rheinland-Pfalz-Rundfahrt sowie den Cascade Classic in Oregon.

1999

Für das Team US Postal gewinnt Armstrong als zweiter Amerikaner die Frankreich-Rundfahrt.

2000

Er fährt zu seinem zweiten Tour-Sieg und veröffentlicht ein Buch mit dem Titel „Tour des Lebens“.

2001-2003

Die Tour-Erfolge Nummer drei bis fünf folgen.

Jahrelang hatte der Hartgesottene auf Doping-Verdächtigungen mit Prozessen geantwortet - am Donnerstag wirkte er ganz brav und gefasst. Er entschuldigte sich sogar bei seiner ehemaligen Physiotherapeutin Emma O'Reilly, die er verklagt und übel beschimpft hatte. Die Irin gehörte zu den 26 Zeugen, die in der Anklage der US-Anti-Doping-Agentur USADA gegen Armstrong ausgesagt hatten.

„Ich sehe in den Mienen der Menschen den Zorn über den Verrat, den ich an ihnen begangen habe. Ich werde den Rest des Lebens mit dem Versuch zubringen, Vertrauen zurückzugewinnen und mich bei den Leuten zu entschuldigen“, sagte der tief gefallene Radsport-Held, der lebenslang gesperrt wurde und alle seine Tour-Siege verlor.

Dieser „unbändige Wunsch zu siegen um jeden Preis wurde zur Macke, zur Charakterschwäche - ich war ein arroganter Sack“, analysierte sich Armstrong selber. Er habe sich nicht als Betrüger gesehen. Dopen sei für ihn so selbstverständlich gewesen wie „Reifen aufpumpen“.

Lance Armstrongs Karriere - Teil 2

2004

Armstrong wird Wochen vor seinem sechsten Tour-Triumph beschuldigt, leistungssteigernde Medikamente einzunehmen.

2005

Er verkündet im April seinen Rücktritt für den Zeitpunkt nach der Tour, die er zum siebten Mal gewinnt, an. Im August berichtet die französische Sportzeitung L'Equipe, dass in sechs Urinproben des Amerikaners von 1999 das Blut-Dopingmittel EPO nachgewiesen wurde. Armstrong bestreitet die Vorwürfe weiterhin.

2006

Armstrong wird vom Weltverband UCI freigesprochen, da die erneuten Tests der Proben nicht nach wissenschaftlichem Standard durchgeführt wurden. Die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA nennt den UCI-Bericht „fast schon lächerlich“.

2008

Am 9. September verkündet Armstrong sein Comeback.

2009

Im April wirft ihm die französische Anti-Doping Agentur (AFLD) vor, dass er bei Dopingproben nicht kooperiere.

2010

Dopingsünder Floyd Landis, früherer Teamkollege bei US Postal, beschuldigt unter anderem Armstrong, dass auch er leistungssteigernde Mittel eingenommen habe.

2011

Im September zitiert die Sports Illustrated Armstrongs früheren Weggefährten Stephen Swart. Dieser bezeichnet Armstrong als „einen Anstifter“, der zu EPO geraten habe. Nach der Australien-Tour tritt er endgültig zurück. Im Mai berichtet Armstrongs früherer Edelhelfer Tylor Hamilton, dass beide während der Tour 1999, 2000 und 2001 mit EPO gedopt hatten.

2012

Am 29. Juni bezichtigt ihn die US-Anti-Doping-Agentur (USADA) des Doping-Missbrauchs und suspendiert ihn von allen Wettkämpfen. Am 20. August weist ein Gericht Armstrongs Klage gegen die USADA zurück. Drei Tage später gibt er den Rechtsstreit um die Dopingvorwürfe auf, die USADA sperrt Armstrong lebenslang. Ihm droht der Verlust aller sieben Tour-Siege.

Am 10. Oktober veröffentlicht die USADA ihre Urteilsbegründung. Armstrongs langjähriges Profiteam US Postal habe das „ausgeklügelste, professionellste und erfolgreichste Dopingprogramm betrieben, das der Sport jemals gesehen hat“, heißt es in dem Bericht.

Am 22. Oktober folgt der Weltverband UCI der USADA und erkennt Armstrong alle sieben Tour-Siege ab. Am 12. November zieht Armstrong die Konsequenzen aus seiner Doping-Affäre und legt alle offiziellen Ämter seiner Livestrong-Stiftung nieder.

2013

Am 9. Januar kündigt Lance Armstrong an, sein langes Schweigen in der Talkshow von Oprah Winfrey zu brechen. Schon vor der Aufzeichnung halten sich Gerüchte, dass der frühere Radsport-Star ein Geständnis ablegen will. Nach dem Interview am 15. Januar berichten US-Medien, dass Armstrong Doping zugegeben habe. Am 18. Januar um 3.00 Uhr mitteleuropäischer Zeit wird die Sendung ausgestrahlt.

Sein Geständnis komme „zu spät“, erkannte er. „Ich sehe die Lage als eine große Lüge. Die Wahrheit lautet anders, als alles was ich gesagt habe“, erklärte der scheinbar geläuterte Ex-Champion, der in einem Hotel in seinem Heimatort Austin/Texas am vergangenen Montag interviewt worden war. Es hätte in seinem Leben zwei Ausnahmesituationen gegeben: Seine Krebserkrankung 1996 und seine Lage als demaskierter Betrüger und Doper jetzt.

Armstrong geht davon aus, dass es ohne Doping gar nicht möglich sei, die Tour siebenmal zu gewinnen. Allerdings wollte der Texaner nicht behaupten, dass zu der damaligen Zeit alle Fahrer gedopt gewesen seien. „Ich kannte ja nicht jeden, kann das also nicht so sagen“, meinte er.

Zudem stritt er ab, jemanden unter Druck gesetzt zu haben zu dopen, wie ihm zuletzt von mehreren ehemaligen Teamkollegen vorgeworfen wurde. Der einstige Dominator habe die „Doping-Kultur des Radsports nicht erfunden, aber auch nicht versucht, sie zu beenden. Der Sport zahlt jetzt den Preis dafür“, sagte er weiter.

Von

dpa

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