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06.03.2012

14:42 Uhr

Gelder im Profi-Radsport

Deutschlands Radler fahren dem Aufschwung hinterher

VonDésirée Linde

Hat der Radsport seine Krise überwunden? Der europäische Verband meldet steigende Budgets bei den Profi-Radrennställen. Doch Experten haben deutliche Zweifel, dass der Aufschwung nachhaltig ist.

Ein Bild aus besseren Zeiten, als die Lichtgestalt des deutschen Radsports noch für ein positives Image des Sports sorgte: Inzwischen hat der Tour-de-France-Sieger von 1997, Jan Ullrich, Doping zugegeben. dpa

Ein Bild aus besseren Zeiten, als die Lichtgestalt des deutschen Radsports noch für ein positives Image des Sports sorgte: Inzwischen hat der Tour-de-France-Sieger von 1997, Jan Ullrich, Doping zugegeben.

DüsseldorfDer Patient: der europäische Radsport. Der Zustand: ungeklärt. Die Medizin: eine deftige Finanzspritze. Der Etat der Rennställe der ersten und zweiten Division ist den vergangenen drei Jahren um mehr als ein Drittel gewachsen, wie der Europäische Radsportverband, die European Cycling Union (UCI), mit Bezug auf eine Studie von Ernst & Young bekanntgab.

Die 18 Pro-Tour-Teams und 22 Pro-Continental-Rennställe haben damit derzeit einen Gesamtetat von 321 Millionen Euro. 2009 hatten es insgesamt 39 Teams noch auf 235 Millionen gebracht.

Hat der Radsport seine tiefe Krise, in die ihn die vielen Dopingskandale gestürzt hat, überwunden? Experten bezweifeln das. Sie glauben nicht, dass die wachsenden Summen tatsächlich ein Zeichen für den Aufschwung der Velo-Branche sind. Rennstalleinsteller Gerard Vroomen (Mitgründer des Rennstalls Cervelo) twitterte etwa „Ein Großteil dieses Wachstums kommt von vier Leuten, nicht von Sponsoren“ und schob ironisch nach: „Nachhaltig“?

Gemeint mit den vier großen Geldgebern sind offenkundig der Schweizer Hörgeräteunternehmer Andy Rihs (BMC), der russische Rohstoffmagnat und Katusha-Finanzier Igor Makarov, Leopard-Trek-Gründer und derzeitiger Radioshack-Fusionär Flavio Becca (Luxemburg/Immobilien) und der australische Caravan-König und GreenEdge-Gründer Gary Ryan, die in die Krisenbranche Profiradrennsport wieder Geld stecken.

Der Radsport hat europaweit unter Doping-Affären gelitten. Sponsoren zogen sich zurück, Teams wurden aufgelöst. Zuletzt etwa das Team HTC-Highroad im Sommer 2011. Als Grund gab Teamleiter Bob Stapleton damals an, dass kein neuer potenzieller Sponsor gefunden worden war, der bereit ist das Team auf bisherigem Niveau zu unterstützen.

Doch in keinem europäischen Land waren die Auswirkungen so stark wie in Deutschland. Hierzulande steckt der Profi-Radrennsport immer noch in der Krise: Dem Team Coast, 1999 gegründet und benannt nach der gleichnamigen Boutiquenkette, ging schon 2003 das Geld aus, Nordmilch wollte Ende 2010 nicht mehr in sein Profiteam investieren.

Kommentare (2)

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CyclingforKids

06.03.2012, 16:10 Uhr

...na wer sich mit seinem Geld im Radsport engagieren will, sollte mal hier nachsehen:
www.CyclingforKids.de - 100% Dopingfrei und 100% für einen guten Zweck!

Boomie

06.03.2012, 20:57 Uhr

Deutschland befindet sich im Teufelskreis. 90% der Profirennen sind verschwunden, da sich keine Firma mehr mit dem`" Image schädigendem" Radsport in Verbindung bringen lassen möchte. Viele sind in saubere Sportarten, wie Boxen, Fußball, Biathlon :-)abgewandert. Somit macht es auch wenig Sinn ein Deutsches Profiteam zu haben.Was bleibt sind die Athleten aus den Radsport-Boom-Zeiten, die derzeit alles gewinnen, was es zu gewinnen gibt.Nur das Fernsehen überträgt halt auch nicht mehr. Bezeichnend ist, dass Marokko mittlerweile mehr UCI Radrennen hat, wie Deutschland.

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