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03.08.2011

13:35 Uhr

Gold in Berlin

Als Jesse Owens dem Rassenwahn davonlief

Vor 75 Jahren gewann Jesse Owens bei den Sommerspielen in Berlin die erste von vier Goldmedaillen. Der US-Amerikaner setzte damit ein Ausrufezeichen gegen Rassenwahn und Diskriminierung - auch im eigenen Land.

Überlegener Sieg: Über die 100 Meter holt Jesse Owens in 10,3 Sekunden die erste von vier Goldmedaillen. Quelle: dpa

Überlegener Sieg: Über die 100 Meter holt Jesse Owens in 10,3 Sekunden die erste von vier Goldmedaillen.

Düsseldorf/BerlinEs war der 3. August 1936. Die Welt blickte auf Berlin, jedoch nicht in Vorahnung der unbeschreiblichen Gräuel, die die Nationalsozialisten in ganz Europa verüben würden. In der deutschen Hauptstadt finden die olympischen Sommerspiele statt. Und ausgerechnet ein junger Afroamerikaner wird zum Star der Spiele – Jesse Owens. Über die 100 Meter holt der damalige Weltrekordhalter die erste von vier Goldmedaillen. Die Nazis sind wenig begeistert, die amerikanische Regierung aber ebenso wenig.

In Jesse Owens Geschichte von 1936 ist es bis heute schwierig, Fakten und Mythen voneinander zu trennen. Es ist sogar bis heute unklar, ob der angeblich wutschnaubende Adolf Hitler überhaupt im Olympiastadion zugegen war. Owens selbst beteuerte später, Hitler hätte ihm nach dem Erfolg im Weitsprung sogar die Hand gereicht.

Es kommt immer auf die Quelle an, die bemüht wird. So zitierte der Berliner Tagesspiegel im Jahr 2009 den ehemaligen Rias-Sportreporter Siegfried Mischner, der angab, von Owens ein Foto gezeigt bekommen zu haben, das genau diesen Handschlag zeige. Auch gegenüber US-Medien soll Owens diese Aufnahme publik gemacht haben. Im Nachkriegsdeutschland habe die Meinung geherrscht, Hitler hätte Owens ignoriert und gegen diese Meinung habe man nicht ändern wollen, wird der Journalist vom Tagesspiegel weiter wiedergegeben. Noch im gleichen Artikel weist Olympia-Experte Volker Kluge dies zurück, mit dem Verweis, dass es gar nicht die Möglichkeit gegeben habe, dass beide Männer sich begegnet seien.

Dies zeigt, wie sehr die sportliche Ausnahmeleistung in die Mühlen der Propagandaapparate geraten ist. So gerne der geschichtliche Rückblick einen blamierten Diktator auf der Tribüne des Olympiastadions sehen möchte, es ist davon auszugehen, dass Hitler ihn weder ignorierte noch ihm gratulierte. Das IOC hatte, so wird Hitler-Biograph Ian Kershaw in der „Rheinischen Post“ zitiert, schlichtweg das Protokoll, dass ein Staatsoberhaupt nicht dem Sieger gratulieren durfte.

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