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20.09.2014

16:30 Uhr

Golf

Elitär, karrierefördernd und überaltert?

VonJessica Schwarzer

Es ist der Höhepunkt der Golfsaison. Ab Freitag steht unser Weltklassegolfer Martin Kaymer beim Ryder Cup am Abschlag. Doch das Interesse hierzulande hält sich in Grenzen. Die Sportart hat mit Vorurteilen zu kämpfen.

DüsseldorfMartin Kaymer hat Nerven wie Drahtseile. Vor zwei Jahren verwandelte der heute 29-Jährige im amerikanischen Medinah den alles entscheidenden Putt für  sein Team. Damit hatte Europa die begehrteste Trophäe im internationalen Golfsport gewonnen: den Ryder Cup. Am Freitag ist es wieder so weit. Im schottischen Gleneagles treten Europäer und Amerikaner bei einer der traditionsreichsten Sportveranstaltungen der Welt gegeneinander an. Der gebürtige Düsseldorfer Kaymer ist wieder mit von der Partie, als einziger Deutscher.

Doch hierzulande hält sich die Begeisterung für den Sportstar in Grenzen. Nicht einmal ein Prozent der Bevölkerung spielt überhaupt Golf. Noch immer ist diese Sportart mit vielen Vorurteilen behaftet, gilt als elitär, als Sport der Reichen, als Freizeitbeschäftigung für die Alten, andererseits aber auch als Kontaktbörse für Manager und Vorstände.  Zumindest letzteres ist so falsch nicht.

Für Martin Schimke beispielsweise ist Golf nicht nur eine Freizeitbeschäftigung, sondern auch ein gutes Umfeld, um Kontakte zu knüpfen. Der Anwalt im Düsseldorfer Büro von Bird & Bird hat auf dem Golfplatz auch schon spätere Mandanten kennengelernt. „Man verbringt viele Stunden miteinander, tauscht Visitenkarten aus und bleibt in Kontakt“, sagt er. „Hat man ein Problem oder sucht Rat, erinnert man sich an den Anwalt, Arzt oder Steuerberater, mit dem man fünf oder sechs Stunden über den Platz gegangenen ist.“ In den Stunden auf der Golfrunde erfahre er viel über seine Spielpartner. „So gut lerne ich einen Menschen nirgendwo sonst so schnell kennen“, sagt Schimke.

Zehn Fakten zum Golfsport

Immer mehr Spieler

Die Zahl der organisierten Golfspieler nimmt stetig zu und erreichte dem Deutschen Golf Verband (DGV) zufolge Anfang 2014 mit insgesamt 637.735 Aktiven einen neuen Höchststand. 2004 waren es noch 483.172 Golfspieler. Die meisten von ihnen sind in Bayern aktiv (139.547 Spieler), gefolgt von NRW (131.890).

Geringere Zuwächse

Zwar spielen immer mehr Menschen Golf, das Wachstum ist allerdings rückläufig. Lag der Anstieg nach DGV-Angaben 2011 noch bei 2,4 Prozent, waren es 2012 1,7 Prozent und 2013 nur noch 0,4 Prozent.

Ältere spielen lieber

Golfsport ist vor allem bei der älteren Generation beliebt. 234.068 Mitglieder – und damit mehr als ein Drittel der Spieler – sind nach Angaben des DGV über 61 Jahre alt. In der Altersgruppe der Sechs- bis 20-Jährigen greifen dagegen nur 56.119 Menschen zum Schläger.

Weniger Kinder

Die Mitgliederzahl in der Altersgruppe der Sechs- bis 18-Jährigen ist im dritten Jahr in Folge auf nunmehr 49.073 gesunken.

Mehr männliche Spieler

Männliche Golfspieler sind deutlich in der Überzahl. Insgesamt spielen 399.664 Männer Golf, bei den Frauen sind es nur 238.071.

Schönwetter-Sportler

Ist das Wetter schlecht, zieht es offensichtlich nur hartgesottene Golfer auf die Plätze. Modische Outfits und neue Schläger verkaufen sich dann jedenfalls nur schleppend. Der Sportartikelkonzern Adidas beklagte mit seinen wichtigen Marken Taylormade und Adidas Golf wegen des schlechten Wetters im dritten Quartal des Jahres 2013 einen Rückgang des Golfgeschäfts um 16 Prozent.

Olympische Spitzenverbände

Golf befindet sich in Bezug auf die absolute Mitgliederzahl im Vergleich mit anderen im Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) organisierten Verbänden auf Platz acht. Spitzenreiter ist der Deutsche Fußball-Bund (6.822.233 Mitglieder), gefolgt vom Deutschen Turner-Bund (5.008.966) und dem Deutschen Tennis-Bund (1.472.197).

Viele Zugänge im Vergleich

Hinsichtlich der absoluten Zuwächse der olympischen Verbände liegt Golf hinter dem Deutschen Turner-Bund und dem Deutschen Fußball-Bund auf Platz drei.

Viele Anlagen in Bayern

In Deutschland existierten Angang 2014 insgesamt 724 Golfanlagen. Die meisten befinden sich in Bayern (172) und NRW (159), mit großem Abstand folgt Baden-Württemberg (88) auf Rang drei.

Hohe Kosten

Die Webseite golfsportmagazin.de hat errechnet, dass Einsteiger für eine vernünftige Ausrüstung etwa 650 Euro einplanen müssen. Dafür gibt eine Vereinigung erwerbsloser Golfer (VEGD), die erwerbslosen Golfern trotz Arbeitslosigkeit die Möglichkeit bietet, ihrem Hobby nachzugehen.

Gerade das Netzwerken funktioniert nämlich auf dem Golfplatz ganz hervorragend. Ein gutes Beispiel dafür ist der Rheinland Metropolen Golfcup. Vier Teams aus Düsseldorf, Köln, Bonn und Aachen mit jeweils zehn Spielern treten gegeneinander an. Mit Golfern wie beispielweise Hans-Joachim Körber, Aufsichtsratsvorsitzender von Air Berlin, Daniel Jacobs, geschäftsführender Gesellschafter der Jacobs Gruppe, Erik Meijer, ehemaliger holländischer Fußballnationalspieler und heute Geschäftsführer von Meijer Sports & Media, dem Maler und Bildhauer Anton Fuchs sowie Stephan Baeck, Geschäftsführer der Kölner RheinStars und selbst Ex-Basketball-Nationalspieler standen in der vergangenen Woche prominente Rheinländer im edlen Club Gut Lärchenhof bei Köln am Abschlag. Schon zum fünften Mal, also von Beginn an hat NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans die Schirmherrschaft übernommen.

Die Idee zu diesem außergewöhnlichen sportlichen Wettstreit hatte Claus Dillenburger. „Wir bringen mit unserem Cup Wirtschaft, Wissenschaft, Sport und Kultur zusammen“, sagt der Geschäftsführer der gleichnamigen Unternehmensgruppe für technische Gebäudeausrüstung und Klimaanlagen. „Es geht darum, sich im Rheinland nachhaltig zu vernetzen, die überregionalen Wirtschaftsverbindungen zu fördern und natürlich um den Charity-Gedanken.“  40.000 Euro kommen bei dem Turnier Jahr für Jahr zusammen, die auf wohltätige Projekte verteilt werden. Auch Anwalt Martin Schimke spielte am Montag für Düsseldorf. „Für uns ist das ein sehr gutes Marketingvehikel“, sagt er.

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