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19.02.2006

13:57 Uhr

Halbzeitbilanz

NOK: "Wir stehen hervorragend da"

Zur Halbzeit der Olympischen Spiele in Turin hat das Nationale Olympische Komitee eine positive Bilanz gezogen. Gleichzeitig wurde aber die fehlende Stimmung kritisiert.

Platz zwei in der Nationenwertung und insgesamt 16 Medaillen auf dem Konto: Die Bilanz des deutschen Olympia-Teams kann sich sehen lassen. Zu diesem Ergebnis kommt auch das Nationale Olympische Komitee (NOK), das eine positive Halbzeitbilanz der Winterspiele in Turin gezogen, gleichzeitig aber die fehlende Stimmung bei den Wettbewerben kritisiert und eine Initiative zur Klärung des Streits um Grenzwerte und Schutzsperren angekündigt hat. "Wir wollen zu einem wissenschaftlichen Symposium mit den führenden Hämatologen dieser Welt anregen, um die neuesten Erkenntnisse abzugleichen und die richtigen Ableitungen fürs Regelwerk zu treffen", sagte NOK-Präsident Klaus Steinbach in seinem Zwischenfazit am Sonntag auf einer Pressekonferenz in Turin.

"Viele positive Überraschungen"

Zugleich lobte er das bisherige Abschneiden der deutschen Athleten: "Wir stehen im Medaillenspiegel hervorragend da. Auch wenn nicht alle Erwartungen erfüllt wurden, gab es viele positive Überraschungen." Allerdings, so monierte er, habe bislang die Stimmung und der Zuschauerzuspruch an den Wettkampfstätten einige Wünsche offen gelassen: "Wenn man weiß, wie es bei Weltmeisterschaften und Weltcups zugeht, sind die halbleeren Ränge hier enttäuschend."

Für Ulrich Feldhoff, den Chef des Bereichs Leistungssport im Deutschen Sportbund (DSB), ist das deutsche Team bisher "absolut überzeugend" aufgetreten. Härtester Konkurrent im Kampf um die Spitzenposition im Medaillenspiegel sei jetzt wohl Russland. "Wir hätten nicht gedacht, dass die Russen in der Breite so stark sind, dafür haben wir Norwegen stärker erwartet. Die Amerikaner haben ihre Paradedisziplinen weitgehend abgeschlossen."

Dominiert wurde die Pressekonferenz zur Zwischenbilanz jedoch vom Thema Grenzwerte und Schutzsperren. Steinbach betonte noch einmal sein Unverständnis über Äußerungen von Richard Pound, dem Chef der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada), der es für erwägenswert hält, erhöhte Hämoglobinwerte im Blut künftig als Dopingfälle zu werten. "Das kann es nicht sein", meinte Steinbach: "Ein erhöhter Hämoglobinwert hat per se nichts mit Doping zu tun. Solche Überlegungen tun dem Sport nicht gut."

Derzeit sind die zu Schutzsperren führenden Hämoglobin- und Hämatokrit-Grenzwerte in den Verbänden unterschiedlich festgelegt. So werden Langläuferinnen beispielsweise bei Werten von 16,0 pro 100 Milliliter Blut - laut Regelwerk zum Schutz vor Gesundheitsschäden - gesperrt. So geschehen im Fall Evi Sachenbacher-Stehle zu Beginn der Spiele.

Obwohl die deutsche Mannschaft argumentiert hatte, die erhöhten Werte seien genetisch bedingt, was man belegen könne, war eine Veröffentlichung dieser Belege abgelehnt worden. "Ich denke, einen gewissen Persönlichkeitsschutz muss es da noch geben", meinte Steinbach. Demgegenüber sagte die Oberwiesenthalerin Viola Bauer, Olympia-Zweite mit der deutschen Langlaufstaffel, dem sid: "Also ich hätte kein Problem damit, denn ich habe ja auch nichts zu verbergen. Ich glaube auch, dass die Evi damit kein Problem hätte."

Kritik an den Eiskunstläufern

Feldhoff lobte derweil in seinem Zwischenfazit vor allem die Biathleten und kritisierte die Eiskunstläufer. "Vor zweieinhalb Jahren haben wir im Biathlon nennenswerte Defizite im Ausdauerbereich festgestellt. Dann hat man trainingsmethodisch umgestellt. Die sehr guten Ergebnisse hier sind der Beweis dafür, was in so kurzer Zeit möglich ist."

Auf ähnliche Umstellungen würde er auch bei anderen Verbänden hoffen: "Ich will nicht verhehlen, dass wir im Eiskunstlauf nicht zufrieden sind. Auch nicht im Paarlauf, wo vielleicht noch ein, zwei Plätze mehr drin gewesen wären." Eine Enttäuschung sei aber vor allem die Leistung des WM- (2004) und EM-Dritten (2005) Stefan Lindemann (Erfurt), der in Turin nur 21. geworden war. Da müsse über einen langfristigen Neuaufbau nachgedacht werden, der womöglich sogar acht Jahre in Anspruch nehmen könne.

Große Hoffnung setzt Feldhoff in diesem Punkt in den neuen Deutschen Olympischen Sportbund (Dosb). "Der Dosb wird erstmals die Möglichkeit haben, sportartenübergreifend zu steuern und bei Missachtung zu sanktionieren."

© SID

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