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24.05.2016

14:53 Uhr

Hamburg Freezers

Lizenz oder Untergang

Die Hamburg Freezers sammeln für ihr sportliches Überleben. Kann der Eishockey-Club nicht genug Spenden auftreiben, verschwindet er von der Bildfläche. Dem eigenen Besitzer wäre das nur Recht.

Der Hamburger David Wolf jubelt nach einem Treffer. Der Verein muss jetzt ums Überleben kämpfen. dpa

Muss kämpfen

Der Hamburger David Wolf jubelt nach einem Treffer. Der Verein muss jetzt ums Überleben kämpfen.

HamburgDer Countdown läuft. Schaffen es die Hamburg Freezers und ihre Sympathisanten, den Club aus der Deutschen Eishockey Liga (DEL) zu retten oder verschwindet der Erstligist im Nirwana? Eine unglaubliche Welle der Solidarität schwappt durch Deutschland. Eishockey-Fan Wladimir Klitschko rüttelt die Hanseaten wach: „Hamburger, rettet eure Hamburg Freezers. Es geht um mehr als nur Sport.“

Sogar Fußball-Weltmeister Thomas Müller von Bayern München rührt das Schicksal der Norddeutschen. „Ich drücke die Daumen!“, schrieb er via Twitter. Und Sänger Johannes Oerding will in der „Musikhauptstadt Hamburg“ weiterhin Eishockey sehen.

So schlimm steht es um den Sport in Hamburg

Pleitenserie in Hamburg

Die stolze Hansestadt Hamburg hat ein weiteres sportliches Aushängeschild verloren – die Hamburg Freezers sind Geschichte. Die Pleitenserie auf sportlichem Sektor in den vergangenen sechs Monaten ist schockierend: Erst das Olympia-Aus, dann die Handballer, nun die Eishockey-Cracks. Dabei geht es zumeist nicht um sportliche Qualität, es geht ums Geld. Und es geht um Alleinherrscher.

Aus für die Olympia-Bewerbung

29. November 2015: Bei einem Referendum entscheiden sich die Hamburger gegen eine Bewerbung um die Olympischen Spiele 2024. 51,6 Prozent der Wahlbeteiligten der 651.589-Einwohner-Stadt sind gegen die Sommerspiele. Nur 48,4 Prozent votieren dafür. Olympia sollte Hamburg zur Weltstadt machen. „Es fehlt uns für Sport-Deutschland wichtiger Rückenwind“, sagt DOSB-Präsident Alfons Hörmann geknickt. Er sieht in der zweiten Abstimmungsniederlage nach München für die Winterspiele 2022 ein Fiasko für den deutschen Sport.

Insolvenz des HSV Hamburg

15. Januar 2016: Handball-Bundesligist HSV Hamburg war deutscher Meister und Champions-League-Gewinner. Für Mäzen Andreas Rudolph wird der Verein zum schwarzen Loch. Der HSV verschlingt mit seiner Top-Mannschaft Millionen an Euro, wirft aber keinen Gewinn ab. Rudolph dreht den Geldhahn zu: Insolvenz. Die Mannschaft des mit rund vier Millionen Euro verschuldeten Vereins zerfällt. Die bisherigen Saisonspiele des HSV werden annulliert. Der Grundstein für den Neubeginn ist gelegt: In der 3. Liga startet die U23 des HSV.

Volleyball-Frauen gehen in Liga 2

1. April 2016: Nein, es ist leider kein Aprilscherz, der VTA Aurubis Hamburg lässt die Frist zur Beantragung der Lizenz für die Frauen-Bundesliga verstreichen. Im Etat fehlen 370.000 Euro, weil Namensgeber Aurubis (zahlte geschätzte 450.000 Euro im Jahr) wie angekündigt aussteigt. Die zweijährige Sponsorensuche bleibt erfolglos. Am 22. April wird das komplette Aus doch noch verhindert: Das Team fängt in der nächsten Zweitliga-Saison als Volleyball-Team Hamburg neu an. Präsident Volker Stuhrmann bringt sich mit 50 000 Euro ein. Etat-Kalkulation: Mindestens 200.000 Euro.

Drohender Verlust der Cyclassics

11. Mai 2016: Hamburg droht der Verlust der traditionellen Cyclassics. Sollte nach dem Rückzug von Energie-Versorger Vattenfall (zahlte zuletzt 750.000 Euro) kein neuer Titelsponsor gefunden werden, könnte das Radrennen am 21. August das letzte in der Hansestadt sein. Der Veranstalter hofft, bis zum Herbst fündig zu werden. Es gibt einen Plan B. Dem Veranstalter liegen zwei unterschriftsreife Angebote von Unternehmen vor, die das Konzept in anderen Städten umsetzen wollen. Grund: Sie haben ihren Firmensitz dort, aber nicht in der Hansestadt.

Rückzug der Hamburg Freezers

18. Mai 2016: Der Besitzer des Eishockey-Erstligisten Hamburg Freezers, die Anschutz Entertainment Group (AEG) erklärt sich aus Hamburg zurückzuziehen und künftig nur noch die sportlich erfolgreicheren Eisbären Berlin zu unterstützen. Bis zum 24. Mai bekommen Unterstützer Gelegenheit einen neuen Geldgeber zu finden – vergeblich. Zwar kommen 1,2 Millionen Euro zusammen, davon 560.000 Euro durch Crowdfunding, doch die Summe reicht nicht. Nach 14 Jahren kommt so das Aus für die Hamburger Puckjäger.

Mehr als 340.000 Euro hat Freezers-Mannschaftskapitän Christoph Schubert bis Dienstagvormittag an Spenden via Internet eingesammelt. Bis Dienstagnacht 24:00 Uhr hat der Verein Zeit, doch noch die Lizenz für die nächste Saison bei der DEL zu beantragen. Das müsste Geschäftsführer Uwe Frommhold erledigen, wenn ihn denn sein Arbeitgeber Anschutz Entertainment Group (AEG) lässt.

Denn das weltweit tätige amerikanische Großunternehmen aus der Sport- und Unterhaltungsbranche will die Freezers abwickeln. Grund: Die Kufenflitzer schreiben Jahr für Jahr rote Zahlen. Rund 2,5 Millionen Euro beträgt das Loch im Etat pro Saison. Das stopft AEG, indem es das Geld von gewinnbringenden Unternehmungen umverteilt. Die Amerikaner finanzieren auch die Eisbären Berlin und wollen diese als einzige Mannschaft in der deutschen Liga behalten.

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