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23.01.2009

16:32 Uhr

Handball

Adidas plant den großen Wurf

VonJoachim Hofer , Martin Buchenau

Als die deutsche Handball-Nationalmannschaft vor zwei Jahren vor heimischer Kulisse die Weltmeisterschaft gewann, trug sie Trikots des kleinen schwäbischen Sportausrüsters Uhlsport. Seitdem läuft das Geschäft mit Handball-Equipment wie geschmiert. Jedoch nicht mehr für den Sporartikelzwerg aus Balingen.

In Szene gesetzt: Die Tore des deutschen Nationalspielers Christian Schöne bei der Handball-Weltmeisterschaft bringen auch dem Ausrüster Aumerksamkeit. Foto: ap ap

In Szene gesetzt: Die Tore des deutschen Nationalspielers Christian Schöne bei der Handball-Weltmeisterschaft bringen auch dem Ausrüster Aumerksamkeit. Foto: ap

BALINGEN/MÜNCHEN. Es war ein Coup, vom dem Mittelständler eigentlich nur träumen können: Weil die Großen der Branche das Interesse am Handball schon lange verloren hatten, stand der Balinger Sportartikelhersteller Uhlsport, als Ausrüster der deutschen Handball-Nationalmannschaft, mit seiner Marke „Kempa“ auf einmal im Rampenlicht.

Der Erfolg wird sich dieses Jahr nicht wiederholen. Nach dem Wintermärchen der Heim-WM gab es ein böses Erwachen für die Schwaben. Die neue Popularität des Handballs lockte den Weltkonzern Adidas an. Als die Ausrüster-Lizenz vor den Olympischen Sommerspielen von Peking auslief, hatte der Sportartikelzwerg Uhlsport gegen den Riesen aus Herzogenaurach nicht den Hauch einer Chance. Adidas verdoppelte kurzerhand die bisher gezahlte Summe für den Ausrüstervertrag – auf 300 000 Euro pro Jahr. Deshalb treten die deutschen Spieler in diesen Tagen während der WM in Kroatien in Trikots mit den drei Streifen an.

850 000 Spieler in Deutschland, eine hochklassig besetzte Bundesliga und eine große öffentliche Aufmerksamkeit bei internationalen Turnieren: Handball ist für die Sportartikel-Branche wieder attraktiv geworden. „Besonders bei Jugendlichen ist seit dem Gewinn der WM im eigenen Land das Interesse für Handball gestiegen. Die Vereine bekommen mehr Zulauf“, heißt es bei Adidas. Das bedeutet auch: Mehr potenzielle Kunden für die Ausrüster.

Mit Fußball können die Hallenspezialisten dennoch nicht mithalten. Zum Vergleich: Während der Fußball-WM 2006 hat Europas führender Händlerverbund Intersport 300 000 Trikots des deutschen Nationalteams verkauft. Ein paar Monate später gingen während der Handball-WM lediglich 20 000 Leibchen über die Ladentheken. Doch auch das sei schon ein erhebliches Plus, heißt es bei Intersport. Experten gehen davon aus, dass in Deutschland im Jahr inzwischen für etwa 100 Mio. Euro Handball-Equipment verkauft wird. Das ist fast doppelt so viel wie noch vor fünf Jahren. Jeder zweite Handball-Spieler trägt dabei Adidas-Schuhe. Bei den Trikots hingegen liegen der dänische Anbieter Hummel und Kempa vorne.

Der durchschlagende mediale Erfolg vor zwei Jahren hat sich für Uhlsport ausgezahlt. „Wir konnten danach unseren Umsatz im Handball um ein Fünftel auf zwölf Mio. Euro erhöhen“, sagt Finanzchef Peter Kuhl. Der Gesamtumsatz der Gruppe, die unter Sportlern vornehmlich durch Bälle und Torwarthandschuhe bekannt wurde, stieg von zuvor 47 Mio. Euro auf 54 Mio. Euro im WM-Jahr 2007. Vergangenes Jahr stagnierten die Erlöse.

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