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17.01.2015

16:47 Uhr

Handball-Bundesliga

„Wir leisten in Katar Entwicklungshilfe“

VonThomas Mersch

Das deutsche Team ist in die umstrittene Handball-WM in Katar gestartet. Im Interview spricht Frank Bohmann, Geschäftsführer der Handball-Bundesliga, über Kritik am Austragungsort und die kuriose Wildcard.

Frank Bohmann ist Geschäftsführer der Handball-Bundesliga. Foto: Sandra Then

Frank Bohmann ist Geschäftsführer der Handball-Bundesliga.

Foto: Sandra Then

Am Freitag ging für die deutsche Nationalmannschaft mit dem Spiel gegen Polen die Handball-WM in Katar los – und das erfolgreich. Frank Bohmann, Geschäftsführer der DKB Handball-Bundesliga, war schon im vergangenen Herbst vor Ort und hat die Sportstätten besichtigt. Im Interview spricht er über Kritik am Austragungsort, die umstrittene Wildcard für das deutsche Team und Investitionen der Klubs in junge Talente.

Herr Bohmann, nur dank einer umstrittenen Wildcard darf die deutsche Nationalmannschaft bei der Handball-WM mitspielen. Wie wichtig ist der Auftritt für die Liga?
Wir sehen die Nationalmannschaft als Kohlenwagen, der uns den Stoff gibt, um voranzukommen. Wir können nie unsere Strategie allein auf deren Erfolg oder Misserfolg aufbauen. Aber das Nationalteam spielt dabei eine ganz wichtige Rolle. Und in den letzten Jahren wurden die Ziele zu oft verfehlt.

Australien wurde für die Deutschen einfach aus dem Turnier gekickt. Die zweifelhaften Umstände der Qualifikation spielen also keine Rolle?
Die Wildcard selber ist in vielen Sportarten verbreitet, im Basketball kann man sie sogar kaufen. Auch im Tennis gibt es das. Es wäre in Ordnung gewesen, wenn der Internationale Handballverband IHF gesagt hätte: Wir möchten gerne aus den Ländern, in denen wir die Hauptverbreitung haben, einen WM-Teilnehmer haben – also Deutschland, Frankreich und Spanien. Die sind gesetzt. Sportlich ist das zu rechtfertigen, zumal Australien keine WM-reife Mannschaft hat, sportlich hätten die in Katar nichts verloren. Laut IHF war diese Entscheidung ja offenbar schon vor den Qualifikationsspielen gegen Polen getroffen worden. Aber es wurde nicht kommuniziert. Das war der Fehler.

Fakten rund um die Handball-WM in Katar (1)

Das Turnier

Die deutschen Handballer haben bescheidene Ziele für die Handball-WM in Katar.

Vom 15. Januar bis 1. Februar wird der Nachfolger von Titelverteidiger Spanien gesucht.

Alle Informationen von dpa.

Qualifikation

Unter Bundestrainer Martin Heuberger verlor das deutsche Team beide Playoff-Spiele gegen Polen (24:25; 28:29). Doch der Weltverband IHF vergab eine Wildcard an die DHB-Auswahl als bestes Team der WM 2013, das sich nicht qualifizierte. Deutschland hatte in Spanien Platz fünf belegt.

Wildcard

Die IHF hat Australien ausgeschlossen. Dies tat sie mit der Begründung, dass Ozeanien keinen anerkannten Kontinentalverband hat. Dies sei den Australiern bereits vor den für ungültig erklärten Qualifikationsspielen mitgeteilt worden. Das Verfahren ist jedoch nicht nur wegen seiner Intransparenz umstritten. Schließlich hatte Australien zuvor an sieben WM teilgenommen (1999; 2001 bis 2013).

Streit

Es ist ein Novum, dass eine Wildcard vergeben wurde. Allerdings war es nicht das letzte Mal.

 

Noch mehr Nachrücker

Auch Island und Saudi-Arabien rückten auf Beschluss des Weltverbandes nach. Bahrain und die Vereinigten Arabischen Emirate hatten aus politischen Gründen zunächst zurückgezogen, nach Lösung der Probleme aber wieder teilnehmen wollen. Das ließ die IHF nicht zu.

Kuriosum

Warum aber der Sechste der Asienmeisterschaft und nicht Südkorea als Fünfter sowie Island als Nummer 1 einer Europa-Rangliste statt zum Beispiel Asiens Nummer sieben Kuwait nachrückten, ist unklar.

WM-Plätze

Neben dem Titelträger qualifizieren sich auch der Zweite und Dritte für die kommende WM 2017 in Frankreich. Sollten die Franzosen das Halbfinale erreichen, sind es gar die ersten Vier. Zudem steht Olympia auf dem Spiel. Der Weltmeister ist 2016 in Rio dabei.

Nun geht es nach Katar, das im Zusammenhang mit der Fußball-WM 2022 für viele Negativ-Schlagzeilen sorgt. Ist das ein guter Ort für eine Handball-WM?
Den Standort halte ich für nicht verkehrt. Ich war im Oktober da und habe die Spielstätten besichtigt. Die Hallen, die dort gebaut wurden, sind Weltklasse – in vielen Ländern wird man solche Arenen nicht finden. Wie Katar letztlich als Veranstalter rüberkommen wird, da will ich nicht vorgreifen. Das ist von vielen Faktoren abhängig – sicher auch davon, ob die Zuschauerränge in den schmucken Arenen gut gefüllt sein werden. Grundsätzlich ist es zu begrüßen, wenn wir in Regionen, in denen Interesse und die Mittel vorhanden sind, solche Events zu realisieren, für unsere Sportart Entwicklungshilfe leisten. Daran hat auch die Liga großes Interesse, so haben wir im letzten Jahr die U17-Nationalmannschaft aus Katar zum Liga-Rookie Cup nach Berlin eingeladen.

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