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21.01.2016

14:12 Uhr

Handball-EM in Polen

Die junge deutsche Welle

VonThomas Schmitt

Sportlich läuft es super: Die Handball-Nationalmannschaft ist in die Hauptrunde der EM eingezogen. Die frische Spielweise des Teams überdeckt eine Liga-Pleite und sorgt für eine Aufbruchsstimmung. Eine Analyse.

Deutsche Fans feiern den Sieg gegen Slowenien. dpa

Handball-EM

Deutsche Fans feiern den Sieg gegen Slowenien.

DüsseldorfDas öffentlich-rechtliche Fernsehen macht den Handball wieder salonfähig. Rund vier Millionen sahen am Mittwoch zu, als eine vollkommen neu formierte Nationalmannschaft Slowenien unerwartet deutlich und sicher aus dem Europameisterschaftsturnier warf. Im Schnitt verfolgten 3,83 Millionen im ZDF das 25:21. Der Marktanteil betrug gute 18,3 Prozent.

Diese hohe Aufmerksamkeit hilft dem gesamten Handball in Deutschland. Erfolge bringen höhere Medienpräsenzen mit sich. Das wiederum lockt Sponsoren an. Für den Handball sind Geldgeber aus der Wirtschaft die wichtigste Einnahmequelle. Von den Umsätzen in der Handball-Bundesliga entfallen mehr als zwei Drittel auf das Sponsoring.

Die junge Nationalmannschaft, deren Durchschnittsalter knapp unter 25 Jahren liegt, hatte bereits bei der Weltmeisterschaft in Katar im vergangenen Jahr überraschend gut abgeschnitten. An diesen Aufwärtstrend knüpft das Team nun an, auch wenn es noch nichts gewonnen hat. Doch für Geldgeber ist auch wichtig, dass Fans mitfiebern und sich die Spiele gerne anschauen.

Sport: Die beliebtesten Aktivitäten der Deutschen

Platz 10

Handball: 10 Prozent (2013: 10,4 Prozent)

Quelle: Allensbach-Umfrage 2014 (Anteil der Befragten, der ganz besonders interessiert ist)

Platz 9

Schwimmen: 10,3 Prozent (2013: 10,4 Prozent)

Platz 8

Ski Alpin: 10,5 Prozent (2013: 10,5 Prozent)

Platz 7

Biathlon: 12,1 Prozent (2013: 12,7 Prozent)

Platz 6

Tanzen: 12,5 Prozent (2013: 12,5 Prozent)

Platz 5

Leichtathletik: 12,6 Prozent (2013: 12,5 Prozent)

Platz 4

Skispringen: 12,8 Prozent (2013: 12,8 Prozent)

Platz 3

Automobilrennsport: 15,2 Prozent (2013: 15,8 Prozent)

Platz 2

Boxen: 16,0 Prozent (2013: 16,7 Prozent)

Platz 1

Fußball: 34,6 Prozent (2013: 34,5 Prozent)

Die Basis dafür ist in Deutschland vorhanden. Umfragen bestätigten in den vergangenen Jahren regelmäßig, dass sich zwischen sechs und sieben Millionen Deutsche „ganz besonders“ für Handball interessieren. Weitere 17 bis 18 Millionen Deutsche gelten als Sympathisanten der Sportart, die zu den zehn beliebtesten im Lande zählt – vor Eishockey und Basketball.

Weil es an Top-Platzierungen der Nationalmannschaft in den vergangenen Jahren fehlte, ist das allgemeine Handballinteresse zwar leicht gesunken. Es verringerte sich von 36 Prozent im Jahr 2011 auf 30 Prozent im vergangenen Mai, weiß Branchenkenner Stephan Schröder, Geschäftsführer bei der auf Sportmarketing spezialisierten Repucom Deutschland.

Eingefleischte Fans des Sports lassen sich jedoch nicht abschrecken. So blieben die Zuschauerzahlen in der Liga in den Hallen und im TV konstant. Entscheidend für das weitere Interesse sei nun das sportliche Abschneiden der Nationalmannschaft bei großen Turnieren, sagt Schröder: „Jeder weitere Sieg der Nationalteams in Polen hilft dem Handball zu einem erneuten Aufschwung, wie er auch nach dem WM-Titel 2007 einige Jahre zu spüren war.“

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