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29.01.2010

13:35 Uhr

Handball EM

Zukunftssorgen nach EM-Desaster

Nach dem EM-Desaster der deutschen Herrenauswahl wird harte Kritik von den Beteiligten geübt. "Nicht das Niveau der Top-Nationen", so der enttäuschte Trainer Heiner Brand.

Enttäuschter Heiner Brand. Foto: Bongarts/Getty Images SID

Enttäuschter Heiner Brand. Foto: Bongarts/Getty Images

Nach der Schmach von Österreich herrscht im deutschen Handball Sorge um die Zukunft. Zwischen harscher Kritik, entschlossener Kampfansage und bitterer Enttäuschung suchten Spieler, Trainer, frühere Leistungsträger und Ligavertreter nach Erklärungen für das schlechteste EM-Ergebnis einer deutschen Mannschaft aller Zeiten.

"Das Turnier hat gezeigt, dass wir derzeit nicht das Niveau der Top-Nationen haben. Der Anspruch einer deutschen Nationalmannschaft muss einfach höher sein", sagte Bundestrainer Heiner Brand, nachdem sich seine erste Wut über den vertändelten Sieg im letzten Hauptrundenspiel gegen Tschechien (26:26) gelegt hatte. Sogar Gastgeber Österreich musste sein Team am Ende als Zehnter noch um einen Rang den Vortritt lassen.

"Ich hatte nicht das Gefühl, dass jeder alles gibt"

Für Torwart Johannes Bitter irgendwie kaum zu entschuldigen. "Ich hatte bei dieser EM nicht das Gefühl, dass jeder alles gibt, wirklich alles versucht, um weiterzukommen", sagte er der Hamburger Morgenpost. Einige seien nach Niederlagen viel zu schnell zur Tagesordnung übergegangen und hätten Konzentration und Fokussierung vermissen lassen.

Laut Bitter, einer der wenigen Lichtblicke im deutschen Team bei der Europameisterschaft, fehle es einigen Mitspielern an "grundlegenden Dingen". Bitter: "Da sind teilweise Dinge passiert, die einem Nationalspieler nicht passieren dürfen. Das hat nichts mit mangelnder Erfahrung zu tun."

Dennoch versprach der enttäuschende Kapitän Michael Kraus, es in Zukunft besser zu machen. "Wir haben phasenweise angedeutet, dass wir mehr können, und müssen künftig einfach wieder konstanter spielen", sagte der Lemgoer. Die erste Gelegenheit zur Wiedergutmachung ist allerdings eine ganz heikle Aufgabe: Im Juni stehen die beiden Play-off-Spiele zur WM 2011 in Schweden an, die am Sonntag in Wien ausgelost werden.

"Man muss gemeinsam eine Lösung finden"

Bis dahin will auch die Handball-Bundesliga helfen, das Aushängeschild Nationalmannschaft wieder auf Kurs zu bringen. "Wir werden uns alle an einem Tisch zusammensetzen und überlegen, wie man wieder dauerhaft vorne dabei sein kann. Man muss gemeinsam eine Lösung finden und nicht aufeinander draufhauen", sagte HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann dem SID. Imageschaden sei aber ein zu großes Wort nach nur einem Sieg in sechs Spielen in Innsbruck.

Dass ein Haufen Arbeit auf ihn wartet, weiß auch Heiner Brand. Er hoffe aber, "dass wir bis zum nächsten Jahr einen Schritt weiter sind. Auch wenn die Mannschaft vor allem Richtung Olympia 2012 aufgebaut wird, können wir die WM und die EM vorher nicht als Übergangsturniere ansehen." Und Brand ist sicher: "Man hat auch gesehen, dass wir nicht weit von den anderen weg sind."

"Die elementarsten Sachen sind abhanden gekommen"

Wesentlich mehr Sorgen um die Zukunft macht sich der frühere Nationalspieler Stefan Kretzschmar. Die deutsche Mannschaft müsse "spielerisch das Grundlegende neu erlernen. Die elementarsten Sachen sind dieser Mannschaft abhanden gekommen", sagte er der Süddeutschen Zeitung. Er habe ein Angriffsspiel gesehen, das überhaupt nicht funktioniert hat. Zwar habe die aktuelle deutsche Mannschaft Talent, "aber den Rest muss sie sich antrainieren".

Zudem fehle es dem Team an Führungsspielern wie zu seiner Zeit Christian Schwarzer, Markus Baur oder Daniel Stephan. Kretzschmar: "Jeder vergräbt sich ein bisschen und kocht sein eigenes Süppchen." Kapitän Kraus sei zwar "der vielleicht talentierteste Spieler der Welt", aber er habe das Spiel noch nicht so ganz verstanden und stehe sich teilweise selbst im Weg.

© SID

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