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28.01.2008

11:28 Uhr

Handball Nationalmannschaft

Brand verordnet drei Nationalspielern "Denkpause"

Nach der schwachen Leistung im EM-Spiel um Platz drei gegen Frankreich hat Bundestrainer Heiner Brand reagiert. Rolf Hermann, Lars Kaufmann und Michael Kraus vom TBV Lemgo wurden vorläufig aus dem Kader gestrichen.

Wie sehr sich Handball-Bundestrainer Heiner Brand über den schwachen Auftritt seiner Mannschaft im Spiel um Platz drei gegen Frankreich bei der EM in Norwegen geärgert hat, macht seine Maßnahme nur einen Tag nach dem Desaster deutlich. Mit sofortiger Wirkung wurden drei Spieler aus dem Kader des Weltmeisters gestrichen. Rolf Hermann, Lars Kaufmann und Michael Kraus vom Bundesligisten TBV Lemgo erhalten laut Brand eine "Denkpause".

"Das war einfach zu wenig. Ich habe bei ihren Einsätzen nicht erkennen können, dass sie ihre Chance beim Schopf packen wollen", begründete Brand auf der Homepage des Deutschen Handball-Bundes (www.dhb.de) seine Maßnahme.

Deutschland hatte zunächst am Samstag im spannenden Halbfinale gegen Dänemark (25:26) den Finaleinzug bei der EM in Norwegen knapp verpasst. Tags darauf blamierte sich das Team im Spiel um Bronze und verlor gegen Titelverteidiger Frankreich 26:36. Dänemark sicherte sich anschließend den EM-Titel durch einen 24:20-Finalerfolg gegen Olympiasieger Kroatien.

Was einige Spieler geleistet haben, würde laut Brand für ein so großes Ziel nicht reichen. Deshalb könne und wolle er das Auftreten im letzten Spiel nicht akzeptieren. "Bei aller Müdigkeit und der hohen Belastung verlange ich hundertprozentige Konzentration und Leidenschaft. Dabei sind einzelne Fehler durchaus verzeihbar, aber wenn nicht um jeden Ball bedingungslos gekämpft wird, dann ist das nicht in Ordnung', schimpfte der ehemalige Gummersbacher Nationalspieler.

Kraus hat seinen WM-Bonus verspielt

Brand hatte das deutsche Team in den vergangenen zehn Jahren immerhin siebenmal in ein Halbfinale bei einem großen Turnier geführt. Die Pleite gegen Frankreich war die höchste Niederlage einer deutschen Mannschaft bei einer EM.

Nach einer unruhigen Nacht war Brand am Montagmorgen bereits um 4.45 Uhr aufgestanden und hatte sich 45 Minuten später auf den Weg zum Flughafen in Oslo gemacht. Die personellen Konsequenzen sind ihm ganz sicher nicht leicht gefallen, speziell im Fall Kraus. Doch letztlich hatte er keine andere Wahl, meint Brand: "Er zeigt derzeit nicht einmal 30 Prozent seines Könnens, muss lernen, sich voll und ganz auf den Handball zu konzentrieren. Da gilt auch kein WM-Bonus mehr."

Erst, wenn sich diese drei Spieler mit guten Leistungen in ihrem Verein TBV Lemgo erneut empfehlen, könne sich die Tür zur Nationalmannschaft wieder öffnen, sagt der Bundestrainer.

Lemgo-Manager Zerbe hat kein Verständnis für Brand

Mit Unverständnis haben langjährige Wegbegleiter von Handball-Bundestrainer Heiner Brand auf dessen Personalmaßnahmen nach dem EM-Debakel gegen Frankreich in Norwegen reagiert. "Ich bin konsterniert darüber, dass da drei Sündenböcke ausgesucht und an den Pranger gestellt werden", sagte Lemgos Manager Volker Zerbe der Welt.

Brand hatte als erste Konsequenz aus der höchsten EM-Niederlage einer deutschen Handball-Nationalmannschaft im Spiel um Bronze gegen Titelverteidiger Frankreich (26:36) Lars Kaufmann, Rolf Hermann und Michael Kraus vom Bundesligisten TBV Lemgo mit sofortiger Wirkung aus dem Kader des Weltmeisters gestrichen.

Stephan glaubt nicht an Undiszipliniertheiten

"Nach so einem Spiel wie gegen Frankreich, wo gar nichts läuft, drei Leute rauszupicken, halte ich für nicht okay", kritisierte Zerbe. Zudem sei Kaufmann vor der EM fünf Monate verletzt gewesen. "Das wusste der Bundestrainer, und er hat ihn trotzdem mitgenommen. Da hätte er ihn ja auch gleich zu Hause lassen können", sagte der ehemalige Nationalspieler, der vor vier Jahren in Slowenien mit dem Trainer Brand EM-Gold gewonnen hatte.

Dass Undiszipliniertheiten abseits des Feldes zu den Sanktionen geführt haben könnten, glaubt Zerbe allerdings nicht. Auch Lemgos Sportdirektor Daniel Stephan, der noch am Sonntagabend mit dem jetzt ausgemusterten Spieler-Trio gesprochen hatte, glaubt an rein sportliche Gründe. "Alle drei waren ziemlich enttäuscht", sagte Stephan der Welt: "Aber ich lege meine Hand dafür ins Feuer, dass sich keiner von ihnen neben dem Spielfeld etwas zu schulden hat kommen lassen."

© SID

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