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26.01.2015

14:59 Uhr

Handball-WM in Katar

Deutschland trifft auf aggressive Ägypter

Die deutschen Handballer starten nach ihrem Gruppensieg in die K.o.-Phase. Der Gegner: Ägypten. Ein machbare Aufgabe. Doch Nationaltrainer Dagur Sigurdsson warnt vor dem vermeintlichen „Wunschgegner“.

Die deutsche Handballnationalmannschaft ist auf einem Höhenflug. Achtelfinalgegner Ägypten dürfte für die Handballer um Matthias Musche ein machbare Aufgabe werden. dpa

Die deutsche Handballnationalmannschaft ist auf einem Höhenflug. Achtelfinalgegner Ägypten dürfte für die Handballer um Matthias Musche ein machbare Aufgabe werden.

DohaGruppensieg? Wüstenmärchen? WM-Euphorie? Dagur Sigurdsson schüttelte den Kopf. Die Glückwünsche von Fußball-Weltmeister Joachim Löw „ehrten“ den Bundestrainer zwar sehr, doch vor dem so wichtigen WM-Achtelfinale gegen Ägypten drückten die deutschen Handballer den Reset-Knopf.

„Wir stellen alles auf Null. Das ist wie nach einer guten Vorbereitung. Jetzt kommt das Pokalspiel, und es geht um alles oder nichts“, sagte Sigurdsson mit Blick auf die Partie am Montag (16.30 Uhr/Sky) und legte sein Pokerface auf, „mir gefällt das eigentlich ganz gut. Ich mag solche Spiele. Und die Mannschaft auch“.

Der Gegner aus Afrika dürfte für die Deutsche Nationalmannschaft eigentlich eine machbare Aufgabe sein. Denn die fetten Jahre des ägyptischen Handballs sind vorbei – und doch sollte das deutsche Team den fünfmaligen Afrikameister nicht unterschätzen. In der starken Vorrundengruppe C ließ die No-Name-Truppe von Trainer Marwan Ragab die erfahrenen Tschechen mit Superstar Filip Jicha hinter sich und machten mit einem Remis gegen Schweden (25:25) von sich Reden.

Fakten rund um die Handball-WM in Katar (2)

K.o.-Phase

Die Teams auf den Rängen zwei bis sieben qualifizieren sich für Ausscheidungsturniere. „Platz sieben wäre optimal. Einen olympischen Platz nehme ich immer“, sagte Bundestrainer Dagur Sigurdsson.

 

Deutsches Team

Nach den Querelen im Vorfeld sind die Ansprüche bescheiden. Offiziell heißt es, das Achtelfinale sei Pflicht. Doch intern ist auf jeden Fall der siebte Rang im Visier, um für Olympia in Rio nicht den vagen Weg über die EM 2016 in Polen einschlagen zu müssen.

Im TV

Der Bezahlsender Sky hat die Rechte erworben. Damit sind erstmals Handball-Spiele von einer WM oder EM nicht im frei empfangbaren TV zu sehen. Die Verhandlungen von ARD und ZDF mit Rechteinhaber beIN Sports waren gescheitert. Die Tochtergesellschaft des katarischen TV-Imperiums Al Jazeera hatte die Rechte für 80 Millionen Euro gekauft.

Modus

Die 24 Mannschaften spielen zunächst in den vier Gruppen A bis D die Vorrunde aus. Danach folgt die K.o.-Phase: Die jeweils ersten vier Teams erreichen das Achtelfinale. Dort geht es mit Überkreuzvergleichen der Staffeln A/B und C/D weiter. Das heißt: Der Erste der Gruppe A spielt gegen den Vierten der Gruppe B, der Dritte gegen den Zweiten.

Favoriten

Nach Experten-Meinungen kommt nur ein Quartett für Gold infrage: Titelverteidiger Spanien, Olympiasieger Frankreich, der WM-Zweite Dänemark und der WM-Dritte Kroatien. „Das sind die klassischen Favoriten. Und von diesen vieren... sage ich Dänemark“, meinte Bundestrainer Sigurdsson.

Besonderheiten

Zum ersten Mal seit 1958 wird bei den Männern eine WM in nur einer Stadt - Doha - ausgetragen. Zuletzt hatte es das bei den Frauen 2005 in St. Petersburg geben. Alle Spiele finden in nur drei Hallen statt: Ali Bin Hamad Al Attiya Arena (7700 Zuschauer), Lusail Multipurpose Hall (15 300) und Duhail Sports Hall (5500).

Baukosten

Alle Hallen wurden für die WM neu gebaut - die Kosten sollen geschätzte 228 Millionen Euro betragen haben. Bei der WM in Katar - der vierten außerhalb Europas nach 1997 (Japan), 1999 (Ägypten) und 2005 (Tunesien) - sind mit 15 so viele Teams aus Europa vertreten wie noch nie.

 

„Bei den Ägyptern sind einige sehr gute Individualisten in der Mannschaft“, sagte der frühere Weltmeistercoach Heiner Brand: „Es wird sicherlich keine einfache, aber eine lösbare Aufgabe für uns werden.“

Auch Bundestrainer Dagur Sigurdsson wollte nicht von einem „Wunschgegner“ sprechen. „Sie spielen sehr, sehr aggressiv, mit Wucht und Emotionen. „Sie haben sehr viele Zuschauer hier und spielen fast wie zu Hause“, sagte der Isländer und bezeichnete den WM-Vierten von 2001. „Sie kommen mit sehr viel Kraft und Power. Da müssen wir kühlen Kopf behalten.“. Die Statistik gibt ihm Recht. Mit 37 Zeitstrafen (mehr als sieben pro Spiel) belegt Ägypten nach der Vorrunde abgeschlagen den letzten Platz in der Fairplay-Rangliste. Die heißblütigen Fans dürften die Atmosphäre in der Lusail-Arena zusätzlich aufheizen.

Bei der WM 2013 in Spanien erreichten die Nordafrikaner, die keinen einzigen Europa-Legionär in ihren Reihen haben, ebenfalls die Runde der letzten 16. Dort scheiterten sie am späteren Halbfinalisten Slowenien – vielleicht ein gutes Omen für das deutsche Team.

Im Vorfeld der Begegnung war die Stimmung im deutschen Team-Hotel locker und entspannt, aber auch voll fokussiert. Nach der besten WM-Vorrunde seit sechs Jahren und dem souveränen Gruppensieg in der starken Gruppe D (9:1-Punkten) ist das Viertelfinale zum Greifen nah. Und angesichts der perfekten Ausgangsposition scheint plötzlich sogar eine Medaille möglich.

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