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21.01.2005

09:00 Uhr

„He, da spiel ich auch“

Späte Ankunft auf der großen Bühne

VonAlexander Hofmann

Philipp Kohlschreiber hat in Melbourne die dritte Runde erreicht. Kohlschreiber profitierte beim Stand von 6:0, 2:0 von der Aufgabe des Chilenen Nicolas Massu, der eine Knöchelverletzung hatte.

MELBOURNE. Manchmal kann Philipp Kohlschreiber es kaum glauben. Wenn er im Hotel die Australian Open im Fernsehen verfolgt, erinnert er sich gelegentlich selbst: "He, da spiel ich auch." Am Donnerstag stellte der Bayer sicher, dass diese Verwunderung noch ein wenig anhält. Kohlschreiber profitierte beim Stand von 6:0, 2:0 von der Aufgabe des Chilenen Nicolas Massu, der eine Knöchelverletzung hatte. Kohlschreiber hat nun in der Runde der letzten 32 am Samstag in seinem Spiel gegen den französischen Qualifikanten Jean-Rene Lisnard sogar gute Chancen, das Achtelfinale zu erreichen.

Kohlschreibers Ankunft auf der großen Tennisbühne war früher erwartet worden. Schon vor seinem 15. Geburtstag debütierte er 1998 im Profitennis, aber erst im vergangenen Jahr stieß er unter die Top 100 vor. "Bei mir dauert halt alles etwas länger", sagt der in München lebende gebürtige Augsburger, ohne dass ihn das groß zu stören scheint. Inzwischen sei er gereift, versichert er mit ernster Miene, was bei seiner jungenhaften Art etwas lustig wirkt. Was die Technik angehe, habe er ohnehin immer schon gute Voraussetzungen gehabt, und außerhalb des Courts sei er auch schon immer sehr selbstbewusst gewesen. "Nur auf dem Platz habe ich mich verkrochen." Das sei anders geworden, inzwischen habe er gelernt, dass man auch mal schauspielern müsse, wenn man sich nicht so gut fühle.

Ob er bei der nächsten Aussage von seiner neugewonnen Fähigkeit profitierte, war schwer einzuschätzen: "Jeder ist zu besiegen, wenn ich gut spiele." Sein gewachsenes Selbstbewusstsein auf dem Platz stellte er auch gegen den Massu, den zweifachen Olympiasieger von Athen, unter Beweis. Der Südamerikaner war zwar ein Schatten seiner selbst, aber gegen verletzte Gegner zu spielen, ohne sich aus dem Rhythmus bringen zu lassen, ist nicht einfach. "Das hat er cool ausgenutzt", lobte Daviscup-Kapitän Patrik Kühnen, der Kohlschreiber in diesem Jahr einen ähnlichen Sprung zutraut wie er dessen Trainingspartner im Leistungszentrum in Oberhaching, Florian Mayer, 2004 gelang.

Kohlschreibers Ziel für dieses Jahr ist der Sprung unter die Top 50, denen er in Australien schon ein Stück näher gekommen ist. Danach sei "nach oben alles offen", denn mit einer hohen Platzierung auf der Weltrangliste könne er bei allen guten, großen Turnieren mitspielen, ohne sich qualifizieren zu müssen.

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