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17.01.2007

16:38 Uhr

Im Eröffnungsspiel der Handball-WM

Brasilien sieht sich als krasser Außenseiter

Bruno Souza ist Brasiliens bekanntester Handballer und hätte bei der WM in Deutschland so etwas wie einen persönlichen Heimvorteil. Doch sein Nationaltrainer hat ihn überraschend ausgebootet. Für seine Landsleute sieht er beim Auftakt am Freitag gegen den Gastgeber keine echte Siegchance.

dpa HAMBURG. Brasiliens bekanntester Handballer ist derzeit ein gefragter Mann - allerdings nicht bei seinem Nationaltrainer. Fast jeden Tag wird Bruno Souza vor dem Eröffnungsspiel gegen Deutschland von Journalisten aus der Heimat angerufen, dabei ist er bei der WM in seiner Wahlheimat nur Zuschauer. "Es ist sehr schwierig, das zu verstehen", sagt der Rückraumspieler vom HSV Hamburg über die Entscheidung von Trainer Jordi Ribera, ausgerechnet in Deutschland auf ihn zu verzichten. Für seine Landsleute sieht er beim Auftakt am Freitag gegen den Gastgeber keine echte Siegchance. "Natürlich hoffe ich, dass es irgendwie eine Überraschung gibt", sagt er, "aber das wird sehr schwer".

Souza, eigentlich ein offener und fröhlicher Typ, verdreht die Augen und holt tief Luft, wenn er auf seine Ausmusterung angesprochen wird. "Ich bin kein Problemmensch, der sich jetzt die ganze Zeit darüber Gedanken macht. Wenn ich zu viel darüber nachdenke, werde ich verrückt", sagt der 29-Jährige. Doch abgehakt ist das Telefonat mit Ribera vom vergangenen Dezember noch lange nicht. "Es ist schwierig zu verdauen." Damals erfuhr der 95-malige Nationalspieler, dass die WM ohne ihn stattfinden wird, weil er im Sommer bei der Qualifikation, den Panamerikanischen Meisterschaften, gefehlt hatte.

Nach seinem Wechsel aus Göppingen kümmerte sich Souza damals um seinen Umzug nach Hamburg und wird nun von Ribera links liegen gelassen. Sportlich gibt es keinen Zweifel, dass der viermalige WM-Teilnehmer noch immer zu den Besten seines Landes gehört. 1999, als Brasilien mit dem 16. Platz sein bisher bestes Ergebnis erzielte, wurde er Zweiter der Torschützen-Liste. An eine ähnliche Platzierung glaubt er diesmal nicht. "Es ist schwer, weil man entweder gegen Polen oder Deutschland gewinnen muss", sagt er. Zwar habe Brasilien bei einem Turnier in Spanien nur mit einem Tor gegen Polen verloren. "Die Realität bei einer WM sieht aber anders aus", sagt Souza.

Einen eigenen Stil habe das Team nicht. "Unsere Handballgeschichte ist noch sehr jung. Wir versuchen, ein bisschen von allem zu sammeln." Dem aktuellen Kader würde er in der Bundesliga aber immerhin einen Mittelfeldplatz zutrauen. "So lange wir diszipliniert spielen, sind wir gut. Wenn wir versuchen, schnell zu spielen, machen wir noch viele technische Fehler."

Aus dem WM-Team ist nur ein Profi außerhalb Brasiliens aktiv: Renato Rui vom Bundesligisten Wilhelmshavener HV. "Renato ist ein ruhiger Typ, sehr cool, konzentriert, diszipliniert - eigentlich ganz untypisch für einen Brasilianer", sagt Souza über den Rechtsaußen. In der Heimat gebe es aber durchaus Talente, die reif für die europäischen Top-Ligen wären. Aber: "Es ist schwer, weil die Spieler nebenbei zur Uni gehen oder arbeiten. Da überlegen sie schon zwei Mal, ob sie nach Europa kommen." Außerdem genieße der brasilianische Handball noch nicht das Renommee wie etwa die Spieler aus dem früheren Jugoslawien.

In der Heimat werde die WM mit mittelgroßem Interesse verfolgt, berichtet Souza. Immerhin aber überträgt der Kabelsender ESPN Brasil die brasilianischen Spiele live. Die höchsten Quoten dürfte es jedoch nicht beim Eröffnungsspiel gegen Deutschland geben, sondern am Montag bei der letzten Gruppenpartie gegen Argentinien. "Die Rivalität ist unglaublich, es gibt überhaupt nichts Vergleichbares in Europa", sagt Souza.

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