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25.01.2005

11:24 Uhr

Im Wettmarkt kämpfen zwei Fronten mit allen Mitteln

FC Staatsmonopol gegen Tus Privatwette

VonThomas Knüwer

Ole wird nervös: "Komm Bookie, mach was auf", ruft der Zocker in den Internet-Diskussionsraum von Betandwin. Gerade hat Guillermo Coria ein Break geschafft gegen David Nalbandian. Und das im dritten Satz: Das Spiel der beiden Argentinier bei den Australian Open könnte kippen - und noch immer gibt es keine neue Quote vom Online-Buchmacher.

DÜSSELDORF. Tennis im Fernsehen schauen und im Internet wetten - Sportwetten in Deutschland haben sich verabschiedet vom Schmuddelimage vergangener Tage. Heute kann jeder online dabei sein, kann auf Meister und auf Ergebnisse tippen, aber genauso darauf, wer die erste gelbe Karte kassiert.

Tennis ist dabei nur etwas für hartgesottene Zocker oder Sportfans mit großer Langeweile. Es ist der Fußball, der die Kassen der Wettunternehmen füllt - 80 Prozent macht er aus. Und: In zwei Jahren steht in Deutschland das herausragende Fußball-Ereignis an: die Weltmeisterschaft - dann sollen noch viel mehr Fußballfans als bisher fleißig wetten.

Und nun das. Mit der Affäre um den unter Manipulationsverdacht stehenden Schiedsrichter Robert Hoyzer geraten nicht nur die Schiedsrichter, sondern auch die Wettanbieter in den Fokus der Öffentlichkeit.

Auf der einen Seite steht der Altmeister: Oddset heißt das, was früher das "Toto" in "Lotto, Toto, Renquintett" war. Die staatlichen Lottogesellschaften haben ihre Sportwetten unter der merkwürdigen Vokabel gebündelt.

Ihre Kontrahenten: die privaten Anbieter Betandwin, Sportwetten Gera, Digibet und Interwetten. Eigentlich dürfte es die gar nicht geben, denn in Deutschland gilt ein staatliches Monopol auf Sportwetten. Doch sie operieren mit Lizenzen, die noch aus DDR-Zeiten stammen und bei der Wiedervereinigung verlängert wurden.

Wie groß der Markt ist, um den sie kämpfen, weiß niemand exakt zu sagen. Oddset setzt rund 500 Mill. Euro um, ebenso viel dürften die Online-Anbieter erzielen. Hinzu kommen die klassischen Pferdewetten mit 350 Mill. Euro. "Das Potenzial des deutschen Marktes liegt bei drei Milliarden Euro", glaubt Norman Albers, Chef des Deutschen Buchmacherverbandes. Kein Vergleich mit England: Dort fließen heute schon umgerechnet 4,34 Mrd. Euro, die Hälfte davon bei Pferdewetten, Fußball macht nur zehn Prozent aus. 36 000 Arbeitsplätze hängen dort an der Branche.

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