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13.01.2005

13:05 Uhr

In den vergangenen drei Jahren war Thomas Ulrich nur sechsmal im Boxring zu sehen

Harte Fäuste hinter der Schutzmauer

VonMichael Rosentritt

Der Berliner Bär ist tot. Erlegt wurde er still und heimlich. An einem Schreibtisch! Entweder in Hamburg bei der Universum Box-Promotion, oder aber in Mainz beim ZDF, dem TV-Partner des Boxstalls.

BERLIN. Doch sie alle werden wohl nicht verhindern, dass wieder die Rede ist vom sensiblen Bären, der Reißaus nimmt vor einem Gegner. Thomas Ulrich, einst bekannt unter dem Kampfnamen "Berliner Bär", tritt mal wieder nicht zu einem Kampf an, zum fünften Mal in seiner Karriere. Am Samstag sollte der 29-Jährige in der Magdeburger Bördelandhalle seinen Europameistertitel gegen den Briten Matthew Barney verteidigen. Doch Thomas Ulrich ist unpässlich, schwere Erkältung, keine Chance. "Die Gesundheit geht vor", sagte Jean-Marcel Nartz, Universums Matchmaker. Herausforderer Barney fand andere Worte: "Kein Kampf, kein Geld", fluchte der Engländer. "Ich bin verdammt sauer!" Schon einmal, im vergangenen Oktober, hatte Ulrich einen Kampf gegen ihn abgesagt.

In den vergangenen drei Jahren war Thomas Ulrich nur sechsmal im Boxring zu sehen. Das ist wenig für einen, der erst noch Weltmeister werden will. In seinen ersten Profijahren boxte Ulrich viel, von 1997 bis 98 14-mal. Er gewann immer. Das war die Zeit, als er als größtes deutsches Boxtalent gehandelt wurde. Später sagte er viele Kämpfe ab. Mal konnte sein Gegner keinen gültigen Aidstest vorlegen, mal spielte Ulrichs Magen nicht mit, dann war es der Kreislauf oder ein Backenzahn. "Da war nie etwas krumm", sagt sein Trainer Torsten Schmitz. "Wenn er krank war, war er krank."

Sauer waren Ulrichs Management und das ZDF besonders im Sommer 2003. Ulrich hatte den früheren Weltmeister Graciano Rocchigiani geschlagen und in Rente geschickt. Sieben Millionen Menschen saßen damals vor den Fernsehschirmen. Das war eine Aufmerksamkeit, wie sie seit Henry Maske und Sven Ottke kein deutscher Boxer mehr hatte. Ulrich standen alle Türen offen. Er hätte nur in die Kameras lächeln und ein paar nette Sätze zu sagen brauchen. Doch er packte seine Boxhandschuhe ein und verschwand.

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