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21.09.2014

15:01 Uhr

Interview mit DGV-Präsident Nothelfer

„Wenn die Murmel fliegt, schlägt der Golfvirus zu“

VonJessica Schwarzer

Weniger Neumitglieder, Nachwuchssorgen, viele Vorurteile – der Golfsport hat zu kämpfen. Zu Unrecht , findet Hans Joachim Nothelfer. Der Verbandschef über den Reiz der kleinen weißen Kugel, Demut und den Ryder Cup.

Deutschlands bester Golfer: Martin Kaymer tritt für das europäische Team im Ryder Cup 2014 an. AFP

Deutschlands bester Golfer: Martin Kaymer tritt für das europäische Team im Ryder Cup 2014 an.

Vor mehr als 20 Jahren ist Hans Joachim Nothelfer dem Golfvirus erlegen. Heute ist er Deutschlands oberster Golfer. Der Präsident des Deutschen Golf Verbands (DGV) freut sich auf den Ryder Cup und die Olympischen Spiele 2016, die hoffentlich mehr Menschen für seinen Sport begeistern. Wie er das Nachwuchsproblem im Golf lösen will und welche Vorurteile endgültig überholt sind.

Herr Nothelfer, der Ryder Cup beginnt in einigen Tagen. Werden Sie als Zuschauer dabei sein?
Ich wäre sehr gerne dabei, aber leider schaffe ich es nicht. Ich habe zu viele geschäftliche Termine und wir veranstalten zur gleichen Zeit den DGV Golf Cup, ein Charity-Turnier in Berlin. Natürlich werden wir das mit dem Ryder Cup verbinden und die Spitzenleistungen der Profis bei einem Public Viewing genießen.

Hans Joachim Nothelfer, Präsident des Deutschen Golf Verbands.

Hans Joachim Nothelfer, Präsident des Deutschen Golf Verbands.

Wer holt den Pokal?
Ich drücke natürlich dem europäischen Team und Martin Kaymer kräftig die Daumen. Die Europäer sind meine Favoriten, immerhin starten mit Rory McIlroy, Sergio Garcia, Henrik Stenson und Justin Rose vier der ersten fünf der Golfweltrangliste für uns. Das ist sicher ein leichter Vorteil. Allerdings hat der Ryder Cup seine eigenen Regeln. Trotzdem bin ich optimistisch.

Der Ryder Cup ist für viele alle zwei Jahre der Höhepunkt der Golfsaison. Was macht seinen Reiz aus?
Der Ryder Cup ist einzigartig und er hat eine unglaubliche Historie. Immerhin gibt es das Turnier seit den 1920er-Jahren. Die Emotionen – eher untypisch auf dem Platz – kochen hoch, Spieler und Fans tun ihre Euphorie lautstark kund. Erinnern Sie sich an Bernhard Langers Explosionen beim Ryder Cup? Er war auf der Tour immer hoch konzentriert, ließ sich auch nach Fehlschlägen nichts anmerken. Beim Ryder Cup war dies ganz anders, er zeigte seine Freude über gute Schläge ganz offen.

Zehn Fakten zum Golfsport

Immer mehr Spieler

Die Zahl der organisierten Golfspieler nimmt stetig zu und erreichte dem Deutschen Golf Verband (DGV) zufolge Anfang 2014 mit insgesamt 637.735 Aktiven einen neuen Höchststand. 2004 waren es noch 483.172 Golfspieler. Die meisten von ihnen sind in Bayern aktiv (139.547 Spieler), gefolgt von NRW (131.890).

Geringere Zuwächse

Zwar spielen immer mehr Menschen Golf, das Wachstum ist allerdings rückläufig. Lag der Anstieg nach DGV-Angaben 2011 noch bei 2,4 Prozent, waren es 2012 1,7 Prozent und 2013 nur noch 0,4 Prozent.

Ältere spielen lieber

Golfsport ist vor allem bei der älteren Generation beliebt. 234.068 Mitglieder – und damit mehr als ein Drittel der Spieler – sind nach Angaben des DGV über 61 Jahre alt. In der Altersgruppe der Sechs- bis 20-Jährigen greifen dagegen nur 56.119 Menschen zum Schläger.

Weniger Kinder

Die Mitgliederzahl in der Altersgruppe der Sechs- bis 18-Jährigen ist im dritten Jahr in Folge auf nunmehr 49.073 gesunken.

Mehr männliche Spieler

Männliche Golfspieler sind deutlich in der Überzahl. Insgesamt spielen 399.664 Männer Golf, bei den Frauen sind es nur 238.071.

Schönwetter-Sportler

Ist das Wetter schlecht, zieht es offensichtlich nur hartgesottene Golfer auf die Plätze. Modische Outfits und neue Schläger verkaufen sich dann jedenfalls nur schleppend. Der Sportartikelkonzern Adidas beklagte mit seinen wichtigen Marken Taylormade und Adidas Golf wegen des schlechten Wetters im dritten Quartal des Jahres 2013 einen Rückgang des Golfgeschäfts um 16 Prozent.

Olympische Spitzenverbände

Golf befindet sich in Bezug auf die absolute Mitgliederzahl im Vergleich mit anderen im Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) organisierten Verbänden auf Platz acht. Spitzenreiter ist der Deutsche Fußball-Bund (6.822.233 Mitglieder), gefolgt vom Deutschen Turner-Bund (5.008.966) und dem Deutschen Tennis-Bund (1.472.197).

Viele Zugänge im Vergleich

Hinsichtlich der absoluten Zuwächse der olympischen Verbände liegt Golf hinter dem Deutschen Turner-Bund und dem Deutschen Fußball-Bund auf Platz drei.

Viele Anlagen in Bayern

In Deutschland existierten Angang 2014 insgesamt 724 Golfanlagen. Die meisten befinden sich in Bayern (172) und NRW (159), mit großem Abstand folgt Baden-Württemberg (88) auf Rang drei.

Hohe Kosten

Die Webseite golfsportmagazin.de hat errechnet, dass Einsteiger für eine vernünftige Ausrüstung etwa 650 Euro einplanen müssen. Dafür gibt eine Vereinigung erwerbsloser Golfer (VEGD), die erwerbslosen Golfern trotz Arbeitslosigkeit die Möglichkeit bietet, ihrem Hobby nachzugehen.

Der Ryder Cup ist also nicht nur für die Fans etwas ganz Besonderes?
Für die europäischen Spieler ist das Turnier eine besondere Herausforderung. Golfspieler sind Ein-Mann-Unternehmen. Beim Ryder Cup spielen sie im Team und die Europäer spielen gleich für einen ganzen Kontinent, nicht nur für ihr Land wie die Amerikaner. Engländer, Dänen, Deutsche und alle anderen kämpfen gemeinsam um den Sieg, ihre Fans jubeln gemeinsam. Ich erinnere mich noch, wie britische Zuschauer die italienischen Golfprofis und Brüder Francesco und Edoardo Molinari mit lautenstarken Gesängen „Only two Molinaris“ feierten.

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