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10.09.2013

18:17 Uhr

IOC wählt Bach zum Präsidenten

Der Herr der Ringe

Der neue IOC-Präsident ist ein Deutscher: Thomas Bach hat die Wahl des Olympischen Komitees gewonnen. Und er könnte nicht der einzige deutsche Funktionär in einer Spitzenfunktion eines internationalen Verbands bleiben.

Neuer IOC-Präsident

Thomas Bach: „Ich möchte dem Sport etwas zurückgeben“

Neuer IOC-Präsident: Thomas Bach: „Ich möchte dem Sport etwas zurückgeben“

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Düsseldorf/Buenos AiresFranz Beckenbauer hatte angekündigt, für den Sieg von Thomas Bach zu beten. Die Bundesregierung wünschte in einer offiziellen Stellungnahme „alles Gute“. Und auch die deutschen Fechter drückten dem Olympiasieger von 1976 die Daumen.

Die Unterstützung hat offenbar geholfen: Thomas Bach ist am Dienstagabend zum Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) gewählt worden. Bei der Wahl erreichte er im zweiten Wahlgang die absolute Mehrheit. Bach setzte sich souverän mit 49 Stimmen vor Richard Carrion aus Puerto Rico (29), Ser Miang Ng aus Singapur (6), dem Schweizer Denis Oswald (5) und Sergej Bubka aus der Ukraine (4) durch. Wu Ching-Kuo aus Taiwan war bereits in der ersten Wahlrunde auf der Strecke geblieben.

Der Wirtschaftsanwalt ist damit der erste Deutsche, der die mächtigste Position im Weltsport übernimmt – und könnte damit einen Trend gesetzt haben. Denn auch für andere Positionen in den großen internationalen Sportverbänden sind deutsche Funktionäre im Gespräch.

Allen voran etwa DFB-Präsident Wolfgang Niersbach, der vor der Wahl seine „absolute Überzeugung“ darüber kundtat, dass Bach die „ideale Besetzung“ an der Spitze des IOC wäre. Auch Niersbach selbst wird für einen internationalen Posten gehandelt. Der bisherige Uefa-Präsident Michael Platini könnte 2015 an die Spitze des Fußballweltverbandes FIFA rücken. Dann würde der Chefposten auf europäischer Ebene frei – und Niersbach könnte kandidieren.

Die Karriere von Thomas Bach

1971

Als Schützling des Tauberbischofsheimer Erfolgstrainers Emil Beck Dritter bei der Junioren-WM im Florett – sein erster großer Erfolg.

1973

Studium der Rechts- und Politikwissenschaften.

1975

Erste Aktivensprecher-Rolle im Deutschen Fechter-Bund.

1976

Olympiasieger in Montreal mit der Mannschaft. Zudem Weltmeister, ebenfalls mit der Mannschaft.

1977

Zum zweiten Mal Weltmeister mit der Mannschaft. Mitgliedschaft in der Athleten-Kommission des Deutschen Sportbundes.

1979

Mit WM-Bronze im Team beendete er seine Athletenkarriere. Vorsitzender der Athleten-Kommission des Deutschen Sportbundes (bis 1981).

1980

Frontmann beim vergeblichen Kampf gegen den bundesdeutschen Olympia-Boykott der Moskau-Spiele 1980.

1981

Von NOK-Präsident Willi Daume nominierter Sprecher der Athleten beim 11. Olympischen Kongress in Baden-Baden. Bis 1988 Mitglied der dort gegründeten Athleten-Kommission des Internationalen Olympischen Komitees.

1982

Persönliches Mitglied des deutschen NOK (bis 1991).

1983

Promotion (summa cum laude). Im selben Jahr Gründung einer eigenen Rechtsanwaltskanzlei.

1985

Zweijährige Tätigkeit beim Sportartikel-Hersteller Adidas als Direktor für Promotion.

1988

Vorsitzender des mittelständischem Beraterkreises des Bundeswirtschaftsministeriums.

1991

Auf Vorschlag des aus dem IOC zurückgetretenen Daume Aufnahme in das IOC als persönliches Mitglied und bis 1995 bereits Mitglied in fünf Kommissionen.

1994

Vorsitzender der Berufungskammer des Internationalen Sportgerichtshofes CAS.

1996

Erste Wahl in das Exekutivkomitee des IOC.

1998

Erstes Aufsichtsrats-Mandat mit Vorsitz bei der Michael Weining AG, dem bis 2009 fünf weitere Mandate in Aufsichtsräten, Beiräten und Verwaltungsräten folgen.

2000

Weitere vier Jahre Mitgliedschaft in der IOC-Exekutive als Vizepräsident.

2001

Vorsitz der juristischen Kommission im IOC sowie Sport und Recht.

2002

Vorsitz der Evaluierungskommission für die Winterspiele 2002. Vorsitzender der Disziplinarkommission bei Olympia.

2004

Vorsitz der Evaluierungskommission für die Sommerspiele 2004. Chefverkäufer für europäische TV- und Medienrechte.

2006

Zweite Vizepräsidentschaft im IOC. Gründungspräsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) als Fusion aus DSB und NOK. Von 2006 an Präsident der deutsch-arabischen Industrie- und Handelskammer Ghorfa.

2010

Dritte Vizepräsidentschaft. Damit gehört Bach der IOC-Regierung mehr als 15 Jahre an, mit verantwortlicher Arbeit in insgesamt neun Kommissionen.

Der DFB-Präsident selbst reagiert auf die Frage zu einer möglichen Kandidatur stets ausweichend. In einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ im Juli sagte er, die Dinge müssten Schritt für Schritt gemacht werden. „Ich denke, wir erhalten im September beim Uefa-Meeting in Dubrovnik Klarheit, wie wir uns in Richtung FIFA aufstellen und auch, was Michels Ambitionen angeht. Danach sieht man klar und kann klarer reden“, so Niersbach. Es ehre ihn, wenn in diesem Zusammenhang sein Name falle. „Aber damit beschäftige ich mich derzeit keine Sekunde“, sagte der DFB-Präsident. Deutlich offensiver äußerten sich andere. Ligapräsident Reinhard Rauball empfahl Niersbach „dringend“, eine Bewerbung abzugeben, sofern der Posten frei würde. Niersbach habe definitiv die Qualitäten, das Amt zu erfüllen. Auch Franz Beckenbauer hält den DFB-Chef für einen „geeigneten Nachfolger“ Platinis.

Der Kaiser selbst wird auch immer wieder mit einer hohen Position im Weltfußball in Verbindung gebracht – ausgerechnet mit dem Chefposten bei der FIFA. Beckenbauer hat den Spekulationen allerdings eine klare Absage erteilt: In diesem Leben würde er definitiv nicht mehr FIFA-Präsident werden, sagte er dem Sportsender Sky.

Mit Karl-Heinz Rummenigge wurde zudem gerade erst ein Deutscher in einem Sportverband im Amt bestätigt. Die Generalversammlung der Europäischen Klub-Vereinigung (ECA) hat den Vorstandsvorsitzenden des FC Bayern München für weitere zwei Jahre wiedergewählt. Rummenigge hat das Amt seit 2008 inne. In den nächsten zwei Jahren will er den Stellenwert des Clubfußballs im Weltfußball erhalten.

Mit Thomas Bach steht nun ein Deutscher an der Spitze eines der mächtigsten Sportverbände der Welt. Doch die Erfüllung seines Ziels ist auch mit schweren Aufgaben verbunden.

Kommentare (9)

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VerySeriousSam

10.09.2013, 18:24 Uhr

Nachdem es keine Bundesregierung in den letzten paar Jahrzehnten geschafft hat, einen Deutschen in einer wirklich wichtigen internationalen Position zu installieren (ich meine damit EZB-Chef und/oder EU-Kommissionschef), muss man ja für solche kleinen Lichtblicke dankbar sein. Auch wenn die den Bürgern Deutschlands eher wenig nutzen.

bjarki

10.09.2013, 18:47 Uhr

Nichts ist so korrupt wie Deutsche, mal abgesehen von Blatter, der ist Schweizer. Daher werden sicher mehr deutsche internationale Aemter bekleiden. Wer ist hier besser geeignet...

Rechner

10.09.2013, 19:04 Uhr

'bjarki' äußert
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Nichts ist so korrupt wie Deutsche, mal abgesehen von Blatter, der ist Schweizer. Daher werden sicher mehr deutsche internationale Aemter bekleiden. Wer ist hier besser geeignet...
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Hund bellt, Deutschland zieht weiter.

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