Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

12.10.2017

11:46 Uhr

Ironman in Hawaii

„Triathlon macht fitter, gesünder und athletischer“

VonThomas Schmitt

Der Ironman in Hawaii ist für viele Athleten ein Traum, obwohl die Belastung in diesem Triathlon überaus hoch ist. Ex-Leistungssportlerin Larissa Kleinmann über Motivation, Training und Einstellung von Extremsportlern.

Triathlon

Patrick Lange gewinnt Ironman mit Rekordzeit

Triathlon: Patrick Lange gewinnt Ironman mit Rekordzeit

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Mehr als 200 Starter aus Deutschland nehmen am Samstag am berühmten Triathlon Ironman statt. Dazu gehören Profis wie der Supersportler und Favorit Jan Frodeno. Die meisten Teilnehmer sind jedoch Hobbyathleten, die sich einen Lebenstraum erfüllen. Einmal Dreikampf in Hawaii: Schwimmen, Radfahren und Laufen. Die Unternehmerin (Flugphase.ch), Lauftrainerin und ehemalige Hochleistungssportlerin Larissa Kleinmann über Training, Ernährung und Einstellung beim Triathlon.

Frau Kleinmann, 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren, 42,194 Kilometer Laufen – und alles das mindestens acht Stunden lang ohne Unterbrechung. Ist so ein Ironman Hawaii nicht völlig verrückt?
Zu jedem Exzess gehört eine gewisse Verrücktheit. Und Leidenschaft, die freiwillige Leiden schafft, jedoch im Ziel umso mehr Endorphine ausschüttet, die einen schnell wiederbeleben. Die Langdistanz im Triathlon gehört mit zu diesen leidenschaftlichen Exzessen im Sport.

Die Trainerin von Flugphase.ch erklärte und übte auf dem Gesundheitstag des Handelsblatt in einem Seminar, wie man effizienter und gesünder läuft. Handelsblatt Online / Thomas Schmitt

Larissa Kleinmann

Die Trainerin von Flugphase.ch erklärte und übte auf dem Gesundheitstag des Handelsblatt in einem Seminar, wie man effizienter und gesünder läuft.

Was treibt die Teilnehmer an, sich so extrem zu belasten?
Eigentlich sollte man annehmen, dass man Jahrzehnte trainieren muss, um einen Ironman zu absolvieren. Um bei den Profis vorne mitzumischen, ist dies mit Sicherheit auch notwendig. In den verschiedenen Altersklassen haben die Athleten aber oft erst mit 30 oder sogar 40 mit Sport begonnen. Viele wollen es sich in diesem Alter nochmal beweisen, sich austesten und Dinge nachholen, die sie vorher „verpasst“ oder einfach nicht ausprobiert haben.

Spannende Fakten zum Mythos Triathlon

Vergleich der Weltmeisterräder

1987: Schaltung = 7-fach, Gewicht: 12kg, Preis: 650 Dollar.
2016: Schaltung = 11-fach, Gewicht: 8,1kg, Preis: 8.200 Euro.

Carbon oder Stahl?

Jeder Profi aus den 80er- und 90er Jahren würde ohne zu zögern seinen Stahlrenner gegen ein heute handelsübliches Einsteigerrad eintauschen. Denn nicht nur die Anzahl der möglichen Gänge und das Gewicht der Rennmaschine haben sich seit den Anfangstagen dieser Sportart stark verbessert. Auch in Sachen Luftwiederstand und Qualität der Komponenten sind moderne Räder weit überlegen. Nur in einem Punkt ist es nicht besser geworden: Für ein Top-Triathlonrad muss man heute tiefer in die Tasche greifen als noch vor 20 Jahren.

Extremsport für alle

Dass sich Triathlon einmal zur olympischen Sportart und zum Massenphänomen entwickeln würde, hätten sich die mutigen Pioniere aus San Diego 1974 wohl nicht träumen lassen. Den medialen Durchbruch schaffte die junge Sportart mit dem Ironman Hawaii, der erstmals 1978 stattfand.

Preisgelder Ironman Hawaii

1986: 12.000 Dollar.
2016: 120.000 Dollar.

Schuhe: Dämpfung

EVA-Material zur Abfederung wurde erstmals 1975 eingesetzt. 1979 setzt Nike mit "Air" auf Luft-Dämpfungskissen, Asics "Gel" folgte 1985.

Schuhe: Stabilisierung

Bereits in den 1980er-Jahren kamen die ersten Schuhe mit Pronationsstütze auf den Markt. In den 1990er-Jahren war die Hochzeit der Stabilschuhe, ehe Mitte der 2000er der Trend zum Natural Running entstand.

Schuhe: Obermaterial

Atmungsaktives Meshmaterial oder Gore-Tex-Membran? Fehlanzeige. Laufschuhe aus den 1980er-Jahren waren aus Leder, und das Gewicht lag meist über 400g.

Startgeld Langdistanz Roth

1988: > 105 DM.
2017: > 470 Euro.

Teilnehmer Allgäu-Triathlon

Der Allgäu-Triathlon ist eine der ältesten Veranstaltungen in Deutschland und feierte 2017 seine 35. Ausgabe.
Teilnehmer 1983: > 225.
2016: > 1.600 Teilnehmer.

Innovationen der 80er

1986: Erstes Wattmesssystem von SRM.
1987: Erster Schwimm-Neoprenanzug von Quintana Roo.
1987: Der "Scott-Lenker" kommt zum Einsatz.
1988: Erste Aero-Scheibe von Zipp.
1989: Erstes Triathlon-Rad von Quintana Roo.

Quelle

tri-mag.de Magazin, Ausgabe Nr. 147 Februar 2017

Ist das eine Form von später Torschlusspanik?
Ja, viele spätberufene Ausdauersportler haben das Gefühl, dass noch etwas fehlt, dass ihr Leben vielleicht nicht ganz so ausgefüllt und leidenschaftlich war, wie es sein könnte. Der Triathlon füllt diese Lücke sehr gut.

Warum gerade Triathlon?
Triathlon ist sehr vielseitig, weil drei völlig unterschiedliche Sportarten kombiniert werden, die sich gegenseitig sehr gut ergänzen und den Körper athletisch rundum ausbilden und fit machen. Von dem Körpergefühl, was durch das Training entsteht, profitiert man auch im Alltag. Man fühlt sich einfach besser, fitter, gesünder, athletischer, kraftvoller.

Wie lange bräuchte ein gut trainierter Leistungssportler, um einen Ironman zu absolvieren?
Das hängt vom Ehrgeiz und dem Talent ab. Wenn man „nur“ das Ziel erreichen möchte, braucht man viel weniger Vorbereitungszeit als jemand, der unter zehn Stunden bleiben will. Manche Typen, die ich als robustere Dieselmotoren beschreiben würde, tun sich leicht mit derartigen Distanzen. Andere verletzen sich dagegen leicht und werden im Aufbau immer wieder behindert. Sportler sollten vielleicht testen, wie gut sie die Hälfte der Langdistanz überstehen. Klappt das gut, macht es definitiv Sinn, nochmals zwei Jahre lang kontinuierlich auf den vollen Ironman hin zu trainieren.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr S. Krautinger

12.10.2017, 12:46 Uhr

..."man fühlt sich gesunder".

Das ist wirklich eine ehrliche Antwort, "man fühlt sich gesunder" und nicht, "man ist gesunder", denn Extremsport und Leistungssport macht Spaß, ist aber nicht gesundheitsfördernd.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×