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09.07.2015

18:31 Uhr

Jagd auf den Graf-Rekord

Muguruza und Williams im Wimbledon-Finale

Garbiñe Muguruza gehörte in Wimbledon sicher nicht zu den Favoritinnen. Doch beim wichtigsten Tennisturnier der Welt steht sie nun plötzlich im Endspiel. Ihre prominente Gegnerin jedoch strebt nach weiteren Rekorden.

Sie kann es selbst kaum glauben: Nach ihrem Sieg über Agnieszka Radwanska steht Garbiñe Muguruza im Wimbledon-Finale. AFP

Garbiñe Muguruza in Wimbledon

Sie kann es selbst kaum glauben: Nach ihrem Sieg über Agnieszka Radwanska steht Garbiñe Muguruza im Wimbledon-Finale.

LondonBei ihrer Jagd nach dem Steffi-Graf-Rekord hat sich Serena Williams auch von Maria Scharapowa nicht aufhalten lassen. Die Weltranglisten-Erste feierte mit dem 6:2, 6:4 im 20. Duell mit der Russin den 18. Sieg und erreichte am Donnerstag nach ihrer besten Leistung im Turnier ohne Mühe das Wimbledon-Finale. Dort trifft die 33 Jahre alte Amerikanerin überraschenderweise auf die zwölf Jahre jüngere spanische Newcomerin Garbiñe Muguruza.

Nach ihrem märchenhaften Lauf in das wichtigste Tennis-Finale der Welt wenige Stunden zuvor ließ sich Muguruza einfach auf den Rasen fallen. Für einen kurzen Moment lag die 21-Jährige am Donnerstag mitten im berühmtesten aller Centre Courts auf dem Bauch, ehe sie sich aufrichtete, ungläubig Richtung Tribüne zu ihrem Trainer Alejo Mancisidor blickte und sich von den Zuschauern feiern ließ.

Nach knapp zwei Stunden besiegte Muguruza die frühere Wimbledon-Finalistin Agnieszka Radwanska mit 6:2, 3:6, 6:3 und zog zum ersten Mal in ihrer noch jungen Karriere bei einem Grand-Slam-Turnier in das Endspiel ein. „Dafür habe ich mein Leben lang gearbeitet. Ich habe keine Worte, um das zu erklären“, sagte die 1,82 Meter große Athletin, die in Venezuela geboren wurde, jetzt aber in Barcelona lebt und auch für Spanien im Fed Cup spielt.

Wimbledon-Sieger seit 1991

1991

Michael Stich (Deutschland)

6:4, 7:6, 6:4 gegen Boris Becker (Deutschland)

1992

Andre Agassi (USA)

6:7, 6:4, 6:4, 1:6, 6:4 gegen Goran Ivanisevic (Kroatien)

1993

Pete Sampras (USA)

7:6, 7:6, 3:6, 6:3 gegen Jim Courier (USA)

1994

Pete Sampras (USA)

7:6, 7:6, 6:0 gegen Goran Ivanisevic (Kroatien)

1995

Pete Sampras (USA)

6:7, 6:2, 6:4, 6:2 gegen Boris Becker (Deutschland)

1996

Richard Krajicek (Niederlande)

6:3, 6:4, 6:3 gegen MaliVai Washington (USA)

1997

Pete Sampras (USA)

6:4, 6:2, 6:4 gegen Cédric Pioline (Frankreich)

1998

Pete Sampras (USA)

6:7, 7:6, 6:4, 3:6, 6:2 gegen Goran Ivanisevic (Kroatien)

1999

Pete Sampras (USA)

6:3, 6:4, 7:5 gegen Andre Agassi (USA)

2000

Pete Sampras (USA)

6:7, 7:6, 6:4, 6:2 gegen Patrick Rafter (Australien)

2001

Goran Ivanisevic (Kroatien)

6:3, 3:6, 6:3, 2:6, 9:7 gegen Patrick Rafter (Australien)

2002

Lleyton Hewitt (Australien)

6:1, 6:3, 6:2 gegen David Nalbandian (Argentinien)

2003

Roger Federer (Schweiz)

7:6, 6:2, 7:6 gegen Mark Philippoussis (Australien)

2004

Roger Federer (Schweiz)

4:6, 7:5, 7:6, 6:4 gegen Andy Roddick (USA)

2005

Roger Federer (Schweiz)

6:2, 7:6, 6:4 gegen Andy Roddick (USA)

2006

Roger Federer (Schweiz)

6:0, 7:6, 6:7, 6:3 gegen Rafael Nadal (Spanien)

2007

Roger Federer (Schweiz)

7:6, 4:6, 7:6, 2:6, 6:2 gegen Rafael Nadal (Spanien)

2008

Rafael Nadal (Spanien)

6:4, 6:4, 6:7, 6:7, 9:7 gegen Roger Federer (Schweiz)

2009

Roger Federer (Schweiz)

5:7, 7:6, 7:6, 3:6, 16:14 gegen Andy Roddick (USA)

2010

Rafael Nadal (Spanien)

6:3, 7:5, 6:4 gegen Tomas Berdych (Tschechien)

2011

Novak Djokovic (Serbien)

6:4, 6:1, 1:6, 6:3 gegen Rafael Nadal (Spanien)

2012

Roger Federer (Schweiz)

4:6, 7:5, 6:3, 6:4 gegen Andy Murray (Großbritannien)

2013

Andy Murray (Großbritannien)

6:4, 7:5, 6:4 gegen Novak Djokovic (Serbien)

„Es ist großartig für sie und großartig für mich. Sie hat mich schon mal geschlagen. Es wird kein einfaches Match, ich werde kämpfen müssen“, sagte Williams beim Verlassen des Centre Courts über ihre Gegnerin. Vor einem Jahr unterlag sie Muguruza bei den French Open in Runde zwei 2:6, 2:6. Und die Spanierin will jetzt auch den Titel: „Ich bin im Finale von Wimbledon, aber jetzt will ich das Turnier auch gewinnen.“

In jedem Fall wird sie im neuen Ranking am kommenden Montag erstmals als Neunte in die Top Ten vorstoßen. Historisches für ihr Land hat sie bereits vollbracht: Muguruza ist die erste Spanierin im Wimbledon-Finale seit Arantxa Sanchez-Vicario im Jahr 1996.

Muguruza hatte auf dem Weg in ihr erstes großes Endspiel nicht nur in der dritten Runde Angelique Kerber aus dem Turnier geworfen und bei ihrem Sieg neun Satzbälle der deutschen Nummer eins im ersten Durchgang abgewehrt. Muguruza schlug auch die gefährliche Kroatin Mirjana Lucic-Baroni, die ehemalige Weltranglisten-Erste Caroline Wozniacki aus Dänemark und die zuletzt überragend aufspielende French-Open-Halbfinalistin Timea Bacsinszky aus der Schweiz.

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Gegen Radwanska startete Muguruza furios und entschied nach 34 Minuten den ersten Satz für sich. „Da habe ich richtig gut gespielt“, sagte sie. „Dann bin ich ein bisschen nervös geworden.“ Die Polin gewann den zweiten Satz, doch im dritten Durchgang zeigte sich Muguruza wieder kampf- und vor allem nervenstark.

Nach 1:56 Stunden endete das Match mit einer skurrilen Situation. Beim Stand von 30:30 stoppte die Wimbledon-Finalistin von 2012 mitten im Ballwechsel auf Anraten ihrer Box, die einen Ball im Aus gesehen hatte. Doch das Hawkeye zeigte, dass Muguruzas Ball knapp die Linie berührte. Die 26 Jahre alte Polin verlor die Challenge, der Punkt zum 40:30 ging an Muguruza, die anschließend auch ihren ersten Matchball verwandelte, den Schläger fallen ließ und auf den Rasen sank.

Von

dpa

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