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22.08.2013

13:47 Uhr

Kampfsportart vor Rückkehr

Ultimate Fighting drängt zurück auf deutschen Markt

VonMalte Laub

Drei Jahre war sie abgetaucht, nun unternimmt die Ultimate Fighting Championship einen neuen Anlauf, in Deutschland Fuß zu fassen. Die Mittel dazu: Aufklärung, Kooperation mit den Behörden – und neue Großveranstaltungen.

Ein UFC-Kampf in Boston. Ultimate Fighting kämpft in Deutschland um Anerkennung. AFP

Ein UFC-Kampf in Boston. Ultimate Fighting kämpft in Deutschland um Anerkennung.

Die Kölner Lanxess Arena im Juni 2009: Statt Eishockey-Cracks, Karnevalisten, Musikern oder dressierten Pferden beherrschen halbnackte Kämpfer die Halle. In einem maschendrahtbegrenzten Achteck duellieren sie sich mit Tritten, Schlägen, Würfen und Griffen, Blut fließt, die Stimmung ist ohrenbetäubend. Die Ultimate Fighting Championship (UFC) ist zu Gast. Das Kampfsportspektakel, damals in den USA schon beliebter als Boxen, hatte zum ersten Mal den Weg nach Deutschland gefunden. 13.000 Menschen kamen und wollten für Eintrittspreise zwischen 35 und 285 Euro die Kämpfe im Mixed-Martial-Arts-Stil (MMA) sehen. Dabei werden verschiedenste Kampfsportarten wie Boxen, Taekwondo, Jiu Jitsu oder Ringen miteinander kombiniert.

Die Aufregung in Politik, Medien und Öffentlichkeit war groß: Die Kampfveranstaltung mit ihrem mit käfigähnlichen Ring, dem so genannten Octagon, war vielen zu brutal. Bei UFC-Kämpfen sind neben Ellbogen- und Knieattacken auch Angriffe auf am Boden liegende Gegner erlaubt und blutende Cuts oder Wunden sind nicht per se Grund für den Abbruch eines Kampfes. Die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde beklagte im Kölner Stadt-Anzeiger, die Kämpfe leisteten der Verharmlosung von Gewalt Vorschub, ein Boxreporter sprach sich offen gegen die UFC aus und sogar Arena-Sponsor Lanxess distanzierte sich von der Veranstaltung. Sie fand trotzdem statt. Nach der Premiere in Köln folgte 2010 ein zweites Kampfspektakel in Oberhausen.

Dann war es drei Jahre lang still um die hart kritisierten harten Jungs aus dem Maschendraht-Achteck.

Heute sitzt Garry Cook, Managing Director der UFC für das Geschäft in Europa, dem Nahen Osten und in Afrika, im Backstagebereich des Kölner Palladiums und ist ein bisschen aufgeregt. Gleich muss er auf die Bühne und zu einem Publikum sprechen, das er nicht kennt: Nerds. Der Videospielhersteller EA Games präsentiert im Rahmen der Kölner Branchenmesse Gamescom seine Neuheiten und darunter ist mit dem Spiel „EA Sports UFC“ auch so etwas wie eine neue Chance für Cooks Kämpfer.

„EA pickt sich nur ein paar Sportarten raus und wir sind nun dabei. Wir haben damit eine große Plattform dazugewonnen“, sagt Cook im Gespräch mit Handelsblatt Online. „Das Videospiel ist ein Teil unserer Strategie, den Sport bekannter zu machen.“ Das gilt besonders für Deutschland, ein Land, in dem die MMA-Veranstaltung nach eigenen Angaben zwar eine Fanbasis von 5,18 Millionen Menschen hat, aber immer noch auf breites Unverständnis stößt.

Das soll sich nun ändern. Deutschland soll neben den Kernmärkten USA, Brasilien und Kanada sowie europäischen Neulingen wie Schweden regelmäßiger Austragungsort von UFC-Kämpfen werden. Das Videospiel ist dabei nur ein kleiner Schritt. „2014 wird es eine UFC-Veranstaltung in Deutschland geben“, sagt Garry Cook. Es sei aber noch zu früh, einen Termin oder einen Ort bekanntzugeben. „Wir sind derzeit sowohl in Gesprächen mit Politik und Verwaltung als auch mit den Landesmedienanstalten. Den Ergebnissen möchte ich nicht vorgreifen“, sagt Cook. Er weiß, dass er vor allem die offiziellen Stellen besänftigen muss.

Kommentare (9)

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marcohaken

22.08.2013, 14:07 Uhr

Immer diese Heuchelei von wegen gewaltverherrlichend, wenn Kämpfe gezeigt würden, da sollten di Medienanstalten ersteinmal die sogenannte Kindersendungen unter die Lupe nehmen, darin ist Gewalt an der Tagesordnung.

Wird Zeit das wieder richtiger Kampfsport nach Deutschland kommt, Boxen mit Klitschko ist doch langweilig, wenn man vorher schon weiß wer gewinnt.

Account gelöscht!

22.08.2013, 15:04 Uhr

Die Fraktion der Weltverschlimmbesserer wollen uns natürlich erziehen, alles vorschreiben und uns vor uns beschützen, sodass wir den täglichen Frust, diese verkommene Zivilisationsscheiße bei vollem Bewusstsein bewältigen müssen und jedes Problem muss solange gewendet und bequatscht werden bis es zumindest scheintot ist.
Die wahren Mächtigen wissen aber, das Volk braucht Brot, Spiele und wenigstens eine legale Droge, denn nur so können sie ungeniert und einigermaßen ungestört handeln wie sie handeln. Das war bei den Römern schon so und das funktioniert auch heute noch genauso. Und für die Restrevoluzzer und Aufmüpfigen gibt es die Überwachung und gegebenenfalls eine brachiale Sonderbehandlung mit anschließender Therapie durch die Weltverschlimmbesserer.

Oh Gott, wir haben eine grauenhafte Welt geschaffen, bitte gib uns das Harmagedon, fege uns hinweg aus diesem Universum, Amen!

kampfsportfan

22.08.2013, 15:21 Uhr

Ein großes Lob für diesen sachlichen, objektiven und neutralen Artikel über das Thema UFC. Schön, einmal einen wertfreien Artikel darüber lesen zu können. Da sollten sich andere Kollegen eine dicke Schneide von abschneiden. Weiter so!

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