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04.04.2006

10:19 Uhr

KEC gegen DEG

Der größte anzunehmende Glücksfall

VonDaniel Stolpe

Das Derby zwischen Köln und Düsseldorf im Halbfinale der Eishockey-Playoffs trägt zum Aufschwung der Sportart bei.

HB KÖLN. Mit seinen 18 Jahren ist Philipp Gogulla zu jung, um die erfolgreichste Phase der Düsseldorfer EG bewusst miterlebt zu haben. Zwischen 1990 und ’93 war der Klub viermal in Serie deutscher Eishockey-Meister und im Jahr davor und danach immerhin Finalist. Selbst beim bislang letzten von insgesamt acht Titel-Triumphen, im Frühjahr 1996, war Gogulla noch nicht mal im Teenager-Alter angekommen.

Die bei solchen Erfolgen großartige Stimmung im Eisstadion an der Brehmstraße kennt der Jungprofi also nur aus Erzählungen, er legt aber auch keinen großen Wert darauf, sie nun noch kennen zu lernen. Stattdessen ist Gogulla bestrebt, das mehr als 70 Jahre alte Gemäuer in seinem letzten Betriebsjahr für die Düsseldorfer Profi-Mannschaft möglichst rasch in den Ruhestand zu schießen.

Denn Gogulla lernte dort zwar das Eishockeyspielen, professionell geht er der Sportart inzwischen aber im Trikot des größten Düsseldorfer Konkurrenten nach – dem der Kölner Haie. Mangels ausreichender Eiszeiten für den Nachwuchs schloss er sich zunächst Krefeld, später den in dieser Hinsicht vorbildlich arbeitenden Kölnern an. Die ernteten am Sonntag den Lohn für ihre Ausbildungsarbeit, denn ausgerechnet ein Tor von Gogulla trug dazu bei, dass Düsseldorf nicht wie erhofft schon heute die Endspielserie im Play-off der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) erreichen kann.

Vorbereitet hatte das Tor zum zwischenzeitlichen 3:3, das den Kölner 5:3-Sieg in die Bahnen lenkte, mit Tino Boos zu allem Übel ein weiterer Düsseldorfer. Der hatte schon vor dem Spiel gesagt: „Wenn wir ausscheiden, kann ich mich in meiner Heimatstadt nicht mehr blicken lassen.“ Denn: Der Spott wäre immens. Kölns verletzter Stürmer Sebastian Furchner vermutete gar dies als Auslöser für den besonderen Ehrgeiz der Düsseldorfer im Haie-Trikot: „Sie werden Wert darauf legen, dass sie im Sommer die größere Klappe haben können.“

Wie wichtig das Derby zwischen Köln und Düsseldorf ist, wissen nicht nur die einheimischen Spieler. Auch ihre ausländischen Kollegen, die schon eine Weile in der DEL tätig sind, haben längst verinnerlicht, worum es über das sportliche Weiterkommen hinaus geht. „Nach fünf Jahren, in denen ich inzwischen in Düsseldorf spiele, ist die Atmosphäre bei Derby-Spielen längst auch auf mich übergegangen“, sagt DEG-Sturmführer Tore Vikingstad. Der zum „Spieler des Jahres“ gewählte Norweger nennt das Duell Haie gegen Metro Stars „nicht nur geographisch gesehen sicherlich eines der engsten Derbys in Europa“. Kölns Topscorer Dave McLlwain, der seit sechs Jahren das Trikot der Haie trägt, zieht sogar einen Vergleich zu den traditionsreichen Rivalitäten, die die sechs Gründungsmitglieder der nordamerikanischen Profiliga NHL (Chicago, Detroit, Boston, Montreal, Toronto und New York) untereinander pflegen.

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