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20.01.2005

07:08 Uhr

Kevin Kuranyi dagegen äußerte leise Kritik an Hildebrand

Die Zukunft verspielt

VonO. Trust (M. Rosentritt; Handelsblatt)

Der VfB und Torhüter Timo Hildebrand trennen sich - Hildebrands Abgang ist für den Klub ein Rückschlag. Scheitert nun auch das Stuttgarter Modell?

Selbst der hausgemachte "Ofenschlupfer" zum Nachtisch konnte in dieser Nacht im Kellergewölbe der Weinstube "Alt Eltingen" die Stimmung des Klubpräsidenten des VfB Stuttgart nicht verbessern. Erwin Staudt redete sich nach dem Apfelkuchen mit Rosinen seinen Frust von der Seele. "Den Tag kannst du streichen", sagte er. Stunden nachdem die Trennung von Torwart Timo Hildebrand nach zehn Jahren zum Sommer bekannt gegeben worden war, erzählte Staudt, "dass wir alles getan haben, was möglich war".

Hildebrands Abgang ist für den Klub ein Rückschlag. Obwohl Staudt von Marketingerfolgen, der "heilen VfB-Welt" und steigenden Mitgliederzahlen spricht, keimt im Schwäbischen die Angst, das "Stuttgarter Modell" der jungen aufstrebenden Mannschaft könnte bald zerbrechen. "Man sollte sich auch fragen, warum der Verein ihn nicht halten konnte", sagte Mittelfeldspieler Horst Heldt. Kevin Kuranyi dagegen äußerte leise Kritik an Hildebrand. "Als ich verlängern sollte, war Timo einer derjenigen, der gesagt hat, ich soll mich beeilen", sagte Kuranyi. Aber auch der Nationalstürmer hatte sich mit dem VfB-Präsidium angelegt und Staudt angegriffen, weil der über seinen Verkauf spekuliert haben soll, wenn die Schwaben die Champions League nicht erreichen. Für diesen Fall könne Kuranyi laut einer Ausstiegsklausel für 7,5 Millionen Euro gehen.

Wegen des Konsolidierungskurses, den Staudt unbedingt fortsetzen will, soll Hildebrand um die sportlichen Perspektiven gefürchtet haben. Sein Weg könnte nun ins Ausland führen. So sucht Manchester United einen Torwart. Gerüchteweise wird auch ein Tausch Hildebrand gegen Jens Lehmann gehandelt. Lehmann sitzt bei Arsenal London nur auf der Bank. "Wenn Timo geht, müssen wir auch über Lehmann nachdenken", hatte VfB-Trainer Sammer gesagt.

Dieter Hoeneß, Manager von Hertha BSC, bestätigte gestern, dass er im vergangenen Sommer mit Hildebrand gesprochen habe. Aber nach der Unterhaltung mit dessen Berater Dusan Bukovac habe er den Eindruck gehabt, dass es "um andere, um finanzielle Dinge" geht. Darin sieht sich Hoeneß jetzt bestätigt. "Für uns stand fest, dass wir einen Transfer nur übers Geld nicht mitmachen werden", sagt er. Und daran hat sich für Hoeneß nichts geändert.

Hildebrand sollte sich am Dienstag im Büro von Staudt erklären. Der 25-Jährige will vom Termin, den Staudt mit Bukovac vereinbarte, nichts gewusst haben. Bukovac teilte dem VfB mit, er habe seinen Klienten nicht über den Termin informiert. Hildebrand musste aus dem Kraftraum nach oben zitiert werden. Dort aber wollte er keine klare Aussage treffen, ob er das mit jährlich 1,8 Millionen Euro dotierte Angebot - 500 000 Euro mehr als bisher - bis 2010 annimmt oder nicht. "Dann", sagt Staudt, "habe ich ihm gesagt, dass wir es lassen." Trotz grundsätzlicher Einigung seien plötzlich von Bukovac Nebensächlichkeiten aufgebauscht worden. "Kritik an uns wegen der Verhandlungsführung ist lächerlich. Wir haben alles gegeben. Irgendwann aber merkt man, dass die andere Seite nicht will", sagt Staudt.

Geärgert haben sich die Stuttgarter vor allem über den Verhandlungsstil des Serben Bukovac, der als an der Grenze zur "Unverschämtheit" beschrieben wird. "Da sind unglaubliche Dinge abgelaufen", sagte Sammer. Aus Respekt vor Hildebrand werde er darüber aber noch nicht sprechen. Präsident Staudt bleibt derweil nur die Erkenntnis, dass "wir seit 1893 immer mit einem Torwart gespielt haben und dies auch in Zukunft tun werden."

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