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12.10.2014

08:24 Uhr

Kienle gewinnt Ironman Hawaii

Der König von Kona

Triathlet Sebastian gewinnt als vierter Deutscher den Ironman auf Hawaii. Das Duell mit Debütant Jan Frodeno fällt aus. Der Olympiasieger feiert mit Rang drei dennoch die gelungene Premiere. Auch die Frauen überzeugen.

Härtester Triathlon

Deutscher Athlet gewinnt „Ironman“

Härtester Triathlon: Deutscher Athlet gewinnt „Ironman“

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Kailua KonaSebastian Kienle hat im dritten Versuch den Ironman auf Hawaii gewonnen. In souveräner Manier holte sich der 30-Jährige aus Mühlacker am Samstag (Ortszeit) als vierter deutscher Triathlet den WM-Titel bei dem Klassiker auf Big Island. „Ich kann das nicht glauben“, sagte er einige Minuten, nachdem er nach 3,86 Kilometern Schwimmen, 180,2 Kilometern Radfahren und einem Marathon-Lauf im Ziel auf dem Alii Drive in Kailua Kona den Siegerkranz aufgesetzt bekommen hatte. „So tief und schön, wie ich jetzt träume, braucht es schon ein Erdbeben, damit ich wieder aufwache“, meinte Kienle wenig später im hr3-Fernsehen.

Am Ende der Tortur lag er mit 8:14:18 Stunden mehr als fünf Minuten vor dem US-Amerikaner Ben Hoffman (8:19:23). Dritter wurde bei seinem Hawaii-Debüt der mitfavorisierte Olympiasieger Jan Frodeno (8:20:32) aus Saarbrücken - trotz eines Platten auf der Radstrecke und einer Zeitstrafe.

Marathon: Was auf 42,195 Kilometern im Körper passiert

Puls

Ein Marathon ist eine Extrem-Belastung für den Körper. Sportmediziner Dr. med. Albert Fromme erklärt, was auf den 42,195 Kilometern im Körper des Läufers passiert.

Puls

Auf den ersten fünf Kilometern schießt der Puls in die Höhe – wenn der Läufer die Strecke im Übereifer zu schnell angeht, auf bis zu 180 Schläge pro Minute.

Herz

Die Herzfrequenz pendelt sich dann konstant bei etwa 140 Schlägen pro Minute ein. Das ist auf der langen Strecke eine Belastungsprobe für das Herz.

Körpertemperatur

Etwa bei der Hälfte der Strecke hat sich die Körpertemperatur auf 38 Grad erhöht. Je nach dem wie verbissen sich der Läufer voran treibt, kann seine Körpertemperatur nach der kompletten Distanz auf bis zu 40 Grad steigen.

Krämpfe

Bei der Anstrengung und beim Schwitzen verliert der Körper Elektrolyte und Salze. Viele Läufer plagen daher Krämpfe in den Beinen. Beim Berlin-Marathon sind an den Versorgungspunkten Erst-Hilfe-Stationen eingerichtet, wo Physiotherapeuten betroffenen Läufern helfen.

Immunsystem

Während des Marathons steigt der Cortisol-Wert, ein Hormon, das die Produktion von Immunzellen hemmt. Gut drei Tage braucht das geschwächte Immunsystem, um sich von dem Marathon zu erholen.

Fettverbrennung

Die Verbrennung von Kohlenhydraten und Fetten beginnt mit dem Start, da die Beinmuskulatur viel Energie verbraucht. „Das Fett verbrennt im Feuer der Kohlenhydrate“, sagt der Volksmund.

Kritische Phase

Hobby-Läufer laufen im Training in der Regel keinen kompletten Marathon, die Anstrengung auf den letzten Kilometer trifft sie hart. Kritisch ist es für viele bei Kilometer 30 bis 32.

Der Mann mit dem Hammer

Etwa 30 Kilometern sind die Kohlenhydrate-Vorräte verbraucht, der Körper zieht die Energie allein aus den Fettvorräten. Diese Umstellung beschreiben Läufer als die Begegnung mit dem Mann mit dem Hammer.

Vorbeugung

Um dem Kollaps vorzubeugen, nehmen Läufer vor dem Wettkampf und während des Laufs besonders viele Kohlenhydrate zu sich.

Schwitzen

Im Ziel hat der Läufer rund vier Liter Flüssigkeit verloren und etwa drei Kilo abgenommen.

Muskelkater

Während des Laufs kommt es zu Umbauvorgängen in der Muskulatur und leichten Zerstörungen innerhalb der Muskelzellen, die folgenlos wieder ausheilen. Wenn Dr. Fromme von diesen Mikrotraumen spricht, beklagt sich der Läufer einfach über Muskelkater.

„Ich bin extrem glücklich mit der Leistung“, meinte der 33-Jährige, auch wenn das erwartete Duell mit Kienle ausfiel. „Ich kann sagen, dass es eines der besten Rennen war, die ich jemals gemacht habe.“ Zuletzt hatten 2006 in Sieger Normann Stadler und dem Dritten Faris Al-Sultan zwei Deutsche gemeinsam auf dem Podest gestanden.

Der Berliner Nils Frommhold, der ebenfalls zum ersten Mal bei dem WM-Klassiker dabei war, kam als Sechster ins Ziel. Titelverteidiger Frederik van Lierde aus Belgien wurde Achter. Der gebürtige Lemgoer Maik Twelsiek verpasste als Elfter nur knapp die Top Ten.

Nach seinem vierten Platz 2012 und Rang drei 2013 erlebte Kienle bei der Ausgabe 2014 endlich seinen perfekten Tag. Nach dem Schwimmen stieg er mit einem Rückstand von weniger als vier Minuten aus dem Pazifischen Ozean. Auf dem Rad setzte er wie gewohnt zur Aufholjagd an und schaffte schon bald den Sprung an die Spitze. Dort fuhr er eine Zeit lang mit Twelsiek zusammen. Bei Rad-Kilometer 140 übernahm er endgültig die Führung. Auch auf der Laufstrecke geriet sein Erfolg nicht mehr in Gefahr.

Kienle ist der vier deutsche Triathlet, der bei dem Klassiker auf Big Island gewann. Vor ihm hatten Thomas Hellriegel (1997), Stadler (2004 und 2006) sowie Al-Sultan 2005 den WM-Titel geholt. Kienle ist zudem der erste Triathlet, der in einem Jahr die Europa- und Weltmeisterschaft für sich entscheiden konnte.

Ein gelungenes Debüt einer deutschen Triathletin gab es auch im Frauen-Rennen. Julia Gajer aus Ditzingen wurde starke Sechste. Den Sieg holte sich zum dritten Mal nach 2010 und 2013 Mirinda Carfrae. Die Australierin fing wenige Kilometer vor dem Ziel die Schweizer Debütantin Daniela Ryf noch ab. Dritte wurde die Britin Rachel Joyce.

Die 33-jährige Carfrae gewann in 9:00:55 Stunden. Im Marathon verbesserte sie ihren eigenen Streckenrekord aus dem Vorjahr mit 2:50:27 Stunden um elf Sekunden. Zum Vergleich: Jan Frodeno lief die 42,195 Kilometer als schnellster Mann in 2:47:47 Stunden.

Von

dpa

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