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20.01.2005

11:17 Uhr

Längst die populärste Sportart in der fußballarmen Zeit

Die Biathleten schießen nach oben

VonDetlef Dresslein (News)

Die Kombination aus Schießen und Ski-Langlauf ist das neue Skispringen - findet auch der Fernsehsender RTL.

Biathlon ist bei den Fernsehzuschauern "in". Foto: dpa

Biathlon ist bei den Fernsehzuschauern "in". Foto: dpa

FRANKFURT. Was waren das für Zeiten, als "Schmitti" und "Hanni" sehr, sehr weit auf ihren Ski von einer Schanze flogen und unten tausende Fans plärrten, als sei eine pubertäre Gesangsgruppe aufgetreten? Skispringen war mal irrsinnig "in", und viele schauten zu, auch und gerade im Fernsehen. Aber seit Sven Hannawald pausiert, ist es damit vorbei. "Die Vierschanzentournee hat durch Martin Schmitt und Sven Hannawald geboomt. Jetzt entwickelt sie sich auf ein normales Maß zurück", sagt Iris Lohrer von Institut "Sport + Markt" in Köln.

Normal heißt: Uninteressant für die Masse. Die wendet sich im Winter nun anderem zu. Der populärste Sport in der fußballarmen Zeit ist längst Biathlon geworden. Die Gründe liegen auf der Hand: Erstens bietet es Spannung und Abwechslung durch zwei unterschiedliche Betätigungen. Zweitens ist es sowohl vor Ort gut zu verfolgen, durch die Kompaktheit der Wettkampfstätte und lässt sich auch gut im TV präsentieren. Die 85 000 Zuschauer, die Anfang Januar beim Weltcup in Oberhof vor Ort waren, hätte mancher Fußballbundesligist gerne auch mal. Drittens könnte es theoretisch jedermann schnell erlernen und ist damit wie der Fußball dem herkömmlichen Couch-Sportler irgendwie nahe. Beweis dafür ist der eigentümliche Erfolg des "Star-Biathlon" von Ruhpolding, als sich die unvermeidliche B-Promi-Clique durch Loipe und Schießstand tölpelte, was aber stolze 5,7 Millionen Menschen sehen wollten. Und viertens gibt es nationale Heroen, die erfolgreich und auch gut vermarktbar sind. Wie der Modelathlet Ricco Groß oder die lustige Kati Wilhelm mit den pumucklroten Haaren.

Diese Mischung funktioniert. Wie gestern beim Weltcup in Antholz, wo allerdings die deutschen Männer nicht glänzen konnten. Sven Fischer landete nur auf Platz 18, einen Rang vor Ricco Groß. "Alles ist gestiegen: die Leistung, die Einschaltquoten, der finanzielle Rahmen, auch das Prestige und die Anerkennung", sagt Ricco Groß. Es dürfte wohl bald auch etwas mehr zu verdienen sein im Biathlon. Und RTL hat auch wieder Interesse angemeldet: Ab 2006 will man Biathlon übertragen. Skispringen wird dann wohl nicht mehr im Programm sein.

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