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27.08.2012

16:12 Uhr

Lance Armstrong

Der Heldendarsteller ist gefallen

VonSteffen Dobbert
Quelle:Zeit Online

Der übermenschliche Radfahrer Lance Armstrong wollte zu seinen besten Zeiten US-Politiker werden. Nun ist der Held zum Antihelden geworden. Für den Radsport kann das ein Segen sein. Ein Kommentar.

Lance Armstrong im Jahr 2005 bei der Tour de France. dpa

Lance Armstrong im Jahr 2005 bei der Tour de France.

Lance Armstrong sah in sich mal den nächsten Gouverneur von Texas. Das ist nicht ewig her. Er meinte das ernst. Und viele Amerikaner unterstützten ihn, weil er für sie ein Held ist. Nun ist der Heldendarsteller gefallen. Armstrong werden seine Tour-de-France-Siege aberkannt werden. Weil er gedopt hat. Und weil er jahrelang gelogen hat. Eine verdammt gute Nachricht ist das.

In der Zeit, in der der Radsport seine Glaubwürdigkeit verlor, fuhr Lance Armstrong vorneweg. Die Tour de France gewann er von 1999 bis 2005 in Serie. "Übermenschlich", fiel vielen Beobachtern dazu ein. So sah das aus. So war das auch.

Wie die meisten Fahrer dopte sich auch der beste von ihnen. Vielleicht war es auch andersherum: Eben weil der beste aller Radfahrer dopte, machten es auch fast alle anderen, und jüngere Nachwuchsfahrer machten es ihm nach.

"Im Leben eines Mannes kommt irgendwann ein Punkt, an dem er sagt: Genug ist genug." Mit diesen Worten beginnt Armstrongs Stellungnahme zu seiner Niederlage im Dopingstreit. Natürlich ist das keine Einsicht. Das Ende der Verteidigung durch Armstrongs Anwälte kommt viele Jahre zu spät. Aber besser spät als nie. Wenn Lance Armstrong als Ikone seines Sports eine Vorbildfunktion erfüllte, ist es ein Segen, dass er nun – wenn auch indirekt – seine Dopingschuld eingesteht.

Armstrong: Wie geht es weiter?

Droht Armstrong die Aberkennung seiner sieben Tour-Gesamtsiege von 1999 bis 2005?

Die amerikanische Anti-Doping-Agentur USADA hat die Streichung aller Resultate seit 1998 verkündet - aber damit ihre Kompetenzen überschritten. Die Hoheit über eine Aberkennung der Tour-Siege liegt nicht bei der USADA, nicht mal beim Veranstalter ASO. Das zeigte der Fall Bjarne Riis. Nach seinem Doping-Geständnis im Jahr 2007 hatte der Tour-Organisator dem Dänen den Triumph von 1996 aberkannt. Daraufhin intervenierte die UCI und machte die Verjährungsregel von acht Jahren - im Code der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA geregelt - geltend.

Können sich Jan Ullrich und Andreas Klöden Hoffnungen auf nachträgliche Tour-Ehren machen?

Das hängt von der Entscheidung ab, ob und welche Toursiege Armstrong aberkannt werden. Theoretisch dürften die Chancen auf ein Aufrücken von Ullrich und Klöden vorhanden sein. Allerdings: Gegen beide wurde staatsanwaltschaftlich wegen Dopings ermittelt. Die drohenden Verfahren fanden nicht statt, weil beide Profis eine Geldsumme für wohltätige Zwecke gestiftet hatten. „Ich habe mit meiner Profikarriere abgeschlossen und immer gesagt, dass ich auch auf meine zweiten Plätze stolz bin“, hatte Ullrich der Nachrichtenagentur dpa erklärt. Möglicherweise nachgereichte Gelbe Trikots würden den Toursieger von 1997 „nicht interessieren“, erklärte er weiter.

Wie teuer kommt Armstrong der Schuldspruch?

Allein an Tour-Siegprämien strich Armstrong in seinen Erfolgsjahren knapp vier Millionen Euro ein. Traditionell lassen die Toursieger dieses Geld in die Mannschaftskasse wandern. Es wird aufgeteilt zwischen allen Tour-Startern des Teams und den Betreuern. Armstrong hatte sich an diese Abmachung - im Gegensatz zu manch anderen Toursiegern - immer gehalten. Dieses in viele Kanäle geflossene Geld zurückzufordern, dürfte unmöglich sein. 2007 musste die Versicherungsgesellschaft SCA-Promotion nach einem verlorenen Prozess Siegprämien in Höhe von 7,5 Millionen Dollar an Armstrong zahlen. Jetzt könnte das Geld unter Verweis auf das USADA-Urteil zurückgefordert werden.

Wenn man Armstrong und seinen Sport vergleicht, dann geht es dem Radsport in diesen Jahren so, wie es Armstrong vor seinen jahrelangen Tour-Siegen ging. Er ist am Ende. Der Radsport hat seine Glaubwürdigkeit und damit seine Bedeutung bei vielen Fans und Sponsoren verloren. Wie der Krebs den Ausnahmeathleten einst befallen hatte, haben die gedopten Fahrer das Ansehen des Sports zerfressen.

Armstrong besiegte einst auf wundersame Weise seine Krebskrankheit und schrieb ein Buch darüber, eines der meistbeachteten US-Bücher der vergangenen Jahre. Vermutlich konnte er dann nicht anders. Er musste wohl dopen, um der beste Radfahrer der Welt zu werden. Er tat das bewusst, er wollte den Erfolg, er klammerte sich bis jetzt ans Leugnen und Image-Retten. Nun ist sein Fall ein sehr tiefer.

Ein Held, der gedopt zum Helden wurde, ist ein Antiheld. Früher oder später fällt das auf. Das sollte der Weltradsportverband aus dem Fall Armstrong lernen, wenn er eine Zukunft haben will. Denn bislang hat er zur Überführung Armstrongs wenig beigetragen. Das Vorbild in dieser Geschichte ist nur der US-Antidopingverband.

Kommentare (7)

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Makrooekonom

27.08.2012, 16:44 Uhr

Die Selbstgerechtigkeit der deutschen Journalisten ist nervig. An Fußball trauen sie sich nicht heran. Von den statistischen Grundlagen der Tests haben sie zu wenig Ahnung. Also reagieren sie sich an anderen Sportarten ab und wiederholen seit Jahren die gleichen abgestandenen Parolen. Wo soll der Sinn darin liegen, 10 Jahre später sportliche Leistungen abzuerkennen? Wen, die schreibende Zunft ausgenommen, interessiert das? Es wäre ein Mindestmaß an Redlichkeit, auch die Schulterklopfer der damaligen Zeit aus Politik und Medien - auch die Journalisten -aufzuführen. Trotz aller Medienhatz teilt das Publikum die Ansichten der Journalistenmeute nicht. Die großen Rundfahrten genießen nach wie vor großes Interesse.

Andy

27.08.2012, 16:59 Uhr

Sehr schlechter und einseitiger Bericht. Guter Journalismus beleuchtet von allen Seiten und versucht das System Doping objektiv zu entlarven. Wer glaubt, dass nur im Radsport Doping eine große Rolle spielt, der hat nicht viel verstanden. Der Kern, der verfault ist, nennt sich Profisport. Hochleistungen werden gefordert und erbracht - und zwar zu jedem Preis. Verfolgt man willkürlich einzelne Personen, dann ist das in der Tat eine Hexenjagd und kommt dem Motto gleich: "Der Zweck heiligt die Mittel." Richtig unglaubwürdig wird es, wenn verantwortliche Sportfunktionäre und vor allen anderen die Mediziner(Dealer)nicht ebenfalls mit einem Berufsverbot und der Aberkennung ihres Titels abgestraft werden. Wer würde denn bei unserer Gesetzgebung den Drogensüchtigen lebenslang für seine Sucht einsperren und dem Dealer und Drogenproduzenten nur eine Drohung aussprechen? Da das bestehende System bereits fest besteht und einer Hydra gleicht, wird man den Kampf nicht gewinnen können und das führt ohnehin nur wieder dazu, dass gerade die Medien wieder ihren eigenen Kopf tief in den Sand stecken oder ihren Frust einseitig am Radsport ablassen.

aruba

27.08.2012, 17:45 Uhr

Guten Tag,... Ich bin 56 Jahre alt und fahre jeden ( echt jeden Tag,...ausser es schneit ) 90 Minuten Rad. Wenn Ich gut drauf bin, bringe Ich es auf 25 Kilometer pro Stunde. Ich fahre ( wenn moeglich ) nur an Fluessen entlang. Radwege mit kleineren Steigungen. Diese Kerle fahren mit 40 Kilometer Schnitt ueber die Alpen. Mal ehrlich;.... da ist doch was faul. Diesen Yankee kenne Ich nicht;.... aber einige Superstars sind mir persoenlich bekannt. Alle,.... aber auch Alle sind gedoppt;..... keiner wuerde es zugeben;.... ja es gibt sogar einige die " Anzeige auf Vergiftung gegen Unbekannt " erwaegen,.... nur weil sie beim Test-Pissen noch Reinigungsloesung in der Blase hatten. Tour de France ist ein Riesengeschaeft... nichts Anderes. Besten Dank

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