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04.01.2010

10:01 Uhr

Langlauf International

Behle schickt die Frauen nach Hause

Nach den schwachen Leistungen in der Tour de Ski hat Bundestrainer Jochen Behle fast das komplette Frauenteam abgezogen. Nur "Alibistarterin" Katrin Zeller ist weiter dabei.

Für Claudia Nystad ist die Tour de Ski bereits nach drei Etappen beendet. Foto: Bongarts/Getty Images SID

Für Claudia Nystad ist die Tour de Ski bereits nach drei Etappen beendet. Foto: Bongarts/Getty Images

Jochen Behle hat mit den deutschen Lang(sam)läuferinnen abgerechnet und bis auf "Alibistarterin" Katrin Zeller alle von der Tour des Ski nach Hause geschickt. Nach der kranken Steffi Böhler reisten nach dem größten Debakel der Geschichte in Claudia Nystad und Evi Sachenbacher-Stehle auch die anderen Leistungsträgerinnen vorzeitig ab. Nach den Sprintrennen am Montagabend in Prag musste auch Frauencoach Janko Neuber heim - es brodelt zwischen dem in der Kritik stehenden Mann und den Sportlerinnen.

Biathletin Gössner überzeugt

"Man braucht nur auf die Ergebnisliste zu schauen, die Resultate der Frauen sind einfach schlecht", sagte Behle dem SID: "Irgendwann müssen sie aber Leistung zeigen. Deshalb werde ich die Mannschaft mit Blick auf Olympia bis auf Katrin komplett aus der Tour rausnehmen." Nur Biathletin Miriam Gössner hatte als Fünfte bei ihrem einzigen Tour-Einsatz in Oberhof mit der Weltspitze mitgehalten. In der Gesamtwertung lagen Olympiasiegerin Evi Sachenbacher-Stehle und Co. mit mindestens drei Minuten Rückstand schon chancenlos zurück.

"Bei Evi Sachenbacher-Stehle war bis Montagmittag geplant, bis zum Ende durchzulaufen, aber die Ergebnisse zwangen zu dieser Entscheidung", sagte Behle: "Auch Janko Neuber steigt aus der Tour aus, ab Freitag wird noch einmal versucht, mit intensivem Training Form aufzubauen."

Harter Hund statt Frauenversteher

Nach dem letzten Winter, in dem es immerhin WM-Silber gegeben hatte, war der von den Sportlerinnen geliebte "Frauenversteher" Ismo Hämäläinen als Frauen-Coach abgelöst worden. Es folgte der Oberwiesenthaler Neuber, ein Vertreter der harten Schule, der zum Beispiel auch den ehemaligen Gesamtweltcupsieger Rene Sommerfeldt auf Höchstleistungen trimmt. Die Chemie im Team stimmt ganz offenbar nicht, immer wieder beklagten sich Sachenbacher-Stehle oder andere Sportlerinnen über "das harte Training und die Müdigkeit in den Knochen".

Offenbar werden auch die Anweisungen von Neuber nicht komplett umgesetzt. "Die Sportlerinnen müssen schon mitziehen. Wenn sie nicht wollen, müssen sie dann auch die Verantwortung für ihre schlechten Leistungen übernehmen", sagt Behle. Man müsse die Situation wie so oft nach der Saison analysieren, aber Neuber soll nach seiner Meinung Frauenchef bleiben: "Es liegt nicht am Trainer. Die Sportler müssen halt umsetzen, was er ihnen vorgibt."

Falsches Training von Nystad

Claudia Nystad zum Beispiel, die bei der WM mit einem "Stinkefinger" gegen Behle für Wirbel gesorgt hatte, hielt sich zwischen Weihnachten und Neujahr ganz offensichtlich nicht an ihre Trainingspläne. "Sie sollte mittelviel trainieren, aber sie hat wohl mehr gemacht", sagte Behle mit Blick auf die Plätze 41 und 55: "Sie hatte muskuläre Probleme, außerdem ist da eine Blockade im Kopf." Mit einem durch den Tour-Ausstieg möglichen Spezialtraining will er zumindest Nystad, Böhler und Sachenbacher-Stehle für die in gut einem Monat beginnenden Winterspiele fit kriegen.

Zudem ist Biathletin Gössner fest eingeplant, und auch die anvisierte Staffel-Olympiamedaille soll laut Behle eine sechsmalige Weltmeisterin der Skijägerinnen retten: "Wir hoffen auf den Einsatz von Magdalena Neuner."

© SID

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