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07.01.2007

15:44 Uhr

Langlauf Weltcup

Angerer läuft bei Tour de Ski zum Gesamtsieg

Auf der Schlussetappe der Tour de Ski hat sich Tobias Angerer den Gesamtsieg nicht mehr nehmen lassen. In Valle di Fiemme baute der Deutsche seinen Vorsprung auf die Verfolger im Bergrennen noch aus.

Tobias Angerer hüpfte wie eine Bergziege die steilen Serpentinen hoch, fuhr mit der deutschen Fahne über die Ziellinie und brach als erster Gesamtsieger der Tour de Ski völlig erschöft zusammen. Franz Göring und Jens Filbrich trugen den Triumphator im goldenen Trikot nach dem steilsten Berglauf der Langlauf-Geschichte auf den Schultern durch den Zielraum am Alpinhang Alpe Bermis, dann wurden die Sektflaschen im Schnee geköpft. Die 112 500 Schweizer Franken Siegprämie nach sechs Etappen der "Tour de France des Winters" will Angerer wahrscheinlich im deutschen Team teilen.

"Ich bin überwältigt von meinen Gefühlen. Es war unbeschreiblich, mit der deutschen Fahne die letzten Meter zu laufen. Ich habe es genossen", erklärte Angerer mit feuchten Augen: "Das ist ein Sieg der Mannschaft. Ich bin unheimlich stolz auf das deutsche Team."

Göring und Filbrich unter den Top Ten

In der Stunde des wohl größten Triumphs seiner Karriere dachte der 29-Jährige an Axel Teichmann, der ihn auf der dritten Etappe in Oberstdorf nach einem Sturz in die Spitze zurückgeführt hatte und anschließend krank ausgeschieden war: "Ohne Axel hätte ich nie ganz oben gestanden."

Im Ziel des Berglaufs mit unglaublichen 400 Metern Höhenunterschied auf den letzten 4 000 Metern hatte Angerer 46,3 Sekunden auf den Russen Alexander Legkow. Der Norweger Simon Östensen belegte Rang drei, Göring als mit 11 250 Schweizer Franken belohnter Sechster und Filbrich als Neunter schafften ebenfalls den Sprung unter die Top Ten.

Angerer hatte das goldene Trikot nach der dritten Etappe übernommen und auch am Samstag im brutal schweren 30-km-Massenstartrennen mit einem fünften Platz beim Sieg des Norwegers Eldar Rönning souverän verteidigt.

Behle: "Der Tobi ist halt die Nummer eins der Welt"

Die 15,3 Sekunden Vorsprung auf den Norweger Östensen vor der letzten Etappe waren vor dem finalen Schlussanstieg mit unglaublichen 400 Metern aufgebraucht. Beim Steilstück mit 34 Prozent Steigung startete Angerer jedoch eine Attacke und hatte den jungen Norweger auf der Serpentinenstrecke auf dem Alpin-Skihang schnell abgehängt.

"Das war die Vorentscheidung. Ich habe mich nicht verrücktmachen lassen und bin meinen Rhythmus durchgelaufen", meinte Angerer: "Es war hart, aber ich habe es mir schlimmer vorgestellt." Jochen Behle jubelte wie entfesselt über den Sieg und setzte für den Abend eine Party in Val die Fiemme an: "Der Tobi ist halt die Nummer eins der Welt. Ich bin stolz auf meine Mannschaft."

Kurz vor dem Rennen hatte der Internationale Skiverband FIS noch den vom deutschen Team erwogenen Einsatz von Fellen unter dem Ski - verwendet wird dafür unter anderem die Wolle der Angoraziege - als Aufstiegshilfe verboten. Goldtrikotgewinner Angerer fand die Suche nach dem komplettesten Langläufer der Welt aber auch so spannend: "Irgendwann kann das mal zur Kultveranstaltung wie die Tour de France werden." Er steht an Numer 1 der Siegerliste.

© SID

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