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12.01.2007

12:18 Uhr

Leichtathletik Doping

Dopingermittlungen gegen Schumann eingestellt

Der Disziplinarausschuss des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) hat die Dopingermittlungen gegen 800m-Olympiasieger Nils Schumann beendet. Gegen Grit Breuer wurde das Verfahren nur vorläufig eingestellt.

Sydney-Olympiasieger Nils Schumann und die ehemalige U20-Weltmeisterin Ulrike Urbansky stehen nicht mehr im Zentrum von Dopingermittlungen des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV). Der Disziplinarausschuss des Verbandes beendete das Überprüfungsverfahren gegen die beiden Athleten wegen des Verdachts auf einen Verstoß gegen die Dopingbestimmungen, teilte der DLV am Freitag mit.

Dagegen sind die Ermittlungen gegen die ehemalige 400-m-Weltklasseläuferin Grit Breuer nur vorübergehend eingestellt, weil die nicht mehr aktive 34-Jährige durch ihren Vereinsaustritt aus dem SC Potsdam nicht mehr der "Entscheidungskompetenz des Disziplinarausschusses" unterliege. "Sollte die Athletin ihre Teilnahme am organisierten Sport wieder aufnehmen, sei das Verfahren fortzusetzen", so der DLV in seiner Pressemitteilung.

Positive Dopingprobe lag nicht vor

Von keinem der drei Athleten lag eine positive Dopingprobe vor. Die Verdachtsmomente waren bei der Auswertung der Akten des Strafverfahrens gegen Trainer Thomas Springstein aufgekommen. Dieser war im vergangenen Frühjahr vom Amtsgericht Magdeburg wegen Minderjährigen-Dopings zu einer 16-monatigen Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt worden. Alle drei Athleten trainierten einst unter ihm.

Im Fall von 800-m-Läufer Schumann (28), der jetzt für die LG Eintracht Frankfurt startet, entschied der Disziplinarausschuss, "dass die vorliegenden Unterlagen nicht ausreichen, um die umfangreichen Einlassungen des Athleten zu widerlegen". Bei 400-m-Hürden-Läuferin Urbansky (Team Erfurt/29) sei der sich "aus den Unterlagen möglicherweise ergebende Dopingverstoß Ende August 2006 verjährt" gewesen.

Jedem Anhaltspunkt nachgehen

DLV-Präsident Clemens Prokop wollte die Entscheidungen des Disziplinarausschusses aus grundsätzlichen Erwägungen nicht kommentieren, betonte aber die Notwendigkeit der Ermittlungen: "Es entspricht unserer Politik, jedem Anhaltspunkt für einen Dopingverstoß nachzugehen." Die von den Athleten kritisierte öffentliche Bekanntmachung des Themas sei erst auf Nachfrage der Medien erfolgt: "Wir mussten auf den Kenntnisstand von Journalisten reagieren. Da standen Informationen im Raum, die falsch waren."

Bestätigt fühlte sich Manager Frank Thaleiser: "Der Disziplinarausschuss hat das bescheinigt, was die Sportler von Anfang an wussten - das sie unschuldig sind", sagte er im Namen von Schumann und Urbansky. Nun müsse man sich mit den Anwälten über das weitere Vorgehen beraten.

Diestel verteidigt Breuers Rücktritt

Breuers Anwalt Peter-Michael Diestel betonte derweil, seine Mandantin Breuer habe sich durch ihren Rücktritt im Dezember 2005 nicht bewusst der Sportgerichtsbarkeit entzogen: "Sie hat ihre Karriere altersbedingt und gesundheitsbedingt aus einem Leistungstief heraus beendet."

Weiter im Raum steht die Strafanzeige des DLV bei der Staatsanwaltschaft Magdeburg gegen den Niederländer Jos Hermens, dem ehemaligen Manager von Breuer und Schumann, sowie gegen den spanischen Mediziner Dr. Miguel Anguel Peraita wegen des Verdachtes auf Verstoß gegen das Arzneimittelgesetz. Beide sollen bei etlichen Dopingaffären im Hintergrund stehen. Hermens hat bereits heftig dementiert und gegen Prokop rechtliche Schritte unter anderem wegen übler Nachrede eingeleitet.

© SID

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