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14.07.2013

22:42 Uhr

Leichtathletik

Drei Dopingfälle erschüttern den Sprintsport

Erst Tyson Gay, dann Asafa Powell und schließlich Sherone Simpson: Innerhalb weniger Stunden wurden drei Dopingfälle bei Sprintern bekannt. Besonders der Fall um Gay, den Konkurrenten von Usain Bolt, sorgt für Aufregung.

Der amerikanische Sprinter Tyson Gay bestätigte auf einer Pressekonferenz am Sonntag, positiv auf ein Dopingmittel getestet worden zu sein. dpa

Der amerikanische Sprinter Tyson Gay bestätigte auf einer Pressekonferenz am Sonntag, positiv auf ein Dopingmittel getestet worden zu sein.

Frankfurt/Main/DüsseldorfDoping-Enthüllungen ungeahnten Ausmaßes erschüttern die internationale Leichtathletik. Wenige Stunden nach der Offenbarung von US-Sprinter Tyson Gay, positiv getestet worden zu sein, raste die Nachricht um die Welt, dass auch der ehemalige 100-Meter-Weltrekordler Asafa Powell und seine jamaikanische Teamkollegin Sherone Simpson in die Kontroll-Falle gerast.

„Ich bestätige, dass eine Probe, die ich bei den nationalen Leichtathletik-Meisterschaften im Juni abgegeben habe, einen positiven Befund hatte“, hieß es in einer am Sonntag verbreiteten Erklärung von Powell. Ähnlich äußerte sich Sherone Simpson, die bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen mit der jamaikanischen Sprint-Staffel Gold gewonnen hatte. Beide gaben auch bekannt, dass in ihren Proben das Doping-Stimulanzmittel Oxilofrin gefunden wurde.

Der 30-jährige Powell versicherte zudem, dass er „weder wissentlich noch vorsätzlich Ergänzungsmittel oder Substanzen eingenommen hat, deren Einnahme gegen Regeln verstoßen“. „Ich habe niemals zuvor und auch jetzt nicht betrogen“, sagte Powell. Er konnte sich bei der jamaikanischen Ausscheidung als Siebter über 100 Meter nicht für die Weltmeisterschaften in Moskau (10. bis 18. August) qualifizieren. Auch Simpson wies zurück, absichtlich gedopt zu haben. „Die Beiden sind am Boden zerstört“, sagte ihr Manager Paul Doyle. „Ich bin optimistisch, dass ihre Namen wieder gereinigt werden.“

Nach mehreren Medienberichten soll auch Staffel-Olympiasieger Nesta Carter zu insgesamt fünf positiv getesteten Spitzenathleten aus Jamaika gehören. Das berichten unter anderem der britische „Telegraph“, CBS und jamaikanische Quellen. Bei den weiteren beiden Athleten soll es sich nach dpa-Informationen um Werfer handeln.

Powell war 2008 mit Jamaikas Staffel Olympiasieger über 4 x 100 Meter geworden. Er hielt den Weltrekord, ehe er von Landsmann Usain Bolt abgelöst wurde. Unterdessen versicherte Bolts Manager, dass sein Athlet nicht zu den fünf positiv getesteten jamaikanischen Sprintern gehöre. Sherone Simpson gewann 2004 mit Jamaikas Frauen über 4 x 100 Meter Olympia-Gold und holte vergangenes Jahr in London olympisches Staffel-Silber.

Der spektakuläre Doping-Paukenschlag vier Wochen vor den WM begann mit dem Geständnis von Tyson Gay, das WM-Titelduell mit Bolt wegen eines positiven Tests absagen zu müssen. Der schnellste Mann über 100 Meter in diesem Jahr bestätigte in einer Telefonkonferenz, dass er bei einer Trainingskontrolle am 16. Mai positiv auf eine verbotene Substanz getestet worden sei. „Ich komme nicht mit einer Sabotage-Theorie. Fakt ist vielmehr, dass ich Leuten vertraut habe, die mich nun hängengelassen haben“, sagte Gay.

Die Anti-Doping-Agentur der USA (USADA) begrüßte, wie Gay „mit der Situation“ umgehe. Zudem kündigte die Agentur an, die Analyse der B-Probe in Kürze vorzunehmen. Welches verbotene Mittel zum positiven Testergebnis geführt hat, blieb zunächst offen.

Die ersten Reaktionen auf das Doping-Beben reichten von Ungläubigkeit bis Unverständnis. „Das ist eine Hammer-News“, sagte Julian Reus, der deutsche Meister über 100 und 200 Meter, dem TV-Sender Sky Sport News HD. „Wir sind schockiert und entrüstet. Für die Leichtathletik und den Männer-Sprint im Besonderen ist das eine große Belastung. Damit werden im Grunde alle Spitzenleistungen infrage gestellt. Da sind Zweifel angebracht“, sagte Helmut Digel, Councilmitglied des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF, der Nachrichtenagentur dpa. „real???? Echt??? Wirklich??“, twitterte Deutschlands Weitsprung-Ass Sebastian Bayer.

Kommentare (3)

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milo

15.07.2013, 02:31 Uhr

Was ist das denn fuer eine Ueberschrift, seit wann erschuettern Dopingfaelle irgendeinen Sport? Erschuetternd ist, das es mal wieder raus gekommen ist, da werden die Brot und Spiele Veranstaltungen zur Verdummung der Bevoelkerung mal wieder gestoert. Kann man diese Dopingkontrollen nicht endlich abschaffen, sie stoeren nun wirklich das Geschaeft. Wir brauchen Spitzensport, gedopt oder nicht ist egal, hauptsache spektakulaer, damit die internationalen Sportverbaende weiter ihre sinnlosen Grossveranstaltungen abziehen koennen, sich gegenseitig schmieren koennen, Stadien auf Kosten der Bevoelkerungen in die Landschaft setzen koennen, die nach einer Veranstaltung von maximal vier Wochen kein Mensch mehr braucht, siehe Suedafrika, oder Brasilien, oder korrupteste Systeme wie in Russland sich bereichern und feiern koennen.

Account gelöscht!

15.07.2013, 03:24 Uhr

"Erschüttern" würde es mich höchstens, wenn mal gemeldet würde, daß spochtliche Spitzenleistungen OHNE Anna Bolika & C. erbracht worden sind.
Dann müßte man nämlich davon ausgehen, daß Aliens bei uns gelandet sind, die sowas nicht nötig haben!

Account gelöscht!

15.07.2013, 03:26 Uhr

"Anna Bolika & Co." sollte das natürlich heißen! (o:)
Eine Korrekturfunktion hier wäre nicht schlecht!!

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