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22.01.2008

08:28 Uhr

Leichtathletik National

Dietzsch wird 40 und träumt vom Sieg in Peking

Diskus-Werferin Franka Dietzsch wird heute 40 Jahre alt. "Dieser Geburtstag ist kein besonderer Tag für mich", so die Neubrandenburgerin gelassen. Zudem hofft Dietzsch auf eine Final-Teilnahme am 18. August in Peking.

Die deutsche Ausnahme-Diskuswerferin Franka Dietzsch feiert heute ihren 40. Geburtstag. Trotz ihres sportlich fortgeschrittenen Alters präsentiert sich die Neubrandenburgerin in herausragender Form. Ihre starken Arme bringen im Bankdrücken 165 Kilo zur Hochstrecke, die Beine sind laut Trainer Dieter Kollark "so jung wie die einer 25-Jährigen". Und ihre Psyche ist stärker denn je. "Sie hatte nie ein solches Selbstvertrauen", sagt der Mann, der das Geburtstagskind dreimal zur Diskus-Weltmeisterin machte, über die Olympiafavoritin für Peking. Er sagt voraus: "Franka wird auch nach der WM 2009 in Berlin nicht aufhören, wenn sie noch beste Deutsche ist. Ihr neuer Sponsorvertrag ist einfach zu lukrativ."

Die zum Vorteil ihrer gesamten Neubrandenburger Leichtathletik-Abteilung zu einer Berliner Großbank (DKB) gewechselte Weltmeisterin hat am Ende ihrer Karriere noch einmal Schokoladen-Bedingungen und reizt die Karte Leistungssport zu Beginn des fünften Lebens-Jahrzehnts voll aus.

"Kein besonderer Tag für mich"

"Ich fühle mich mit 40 auch nur einen Tag älter als 24 Stunden vorher mit 39", sagt Franka Dietzsch über ihren Ehrentag: "Dieser Geburtstag ist kein besonderer Tag für mich. Ich stehe ganz normal auf, gehe wie immer zum Training. Aber für ein paar andere Leute scheint der Tag wohl ziemlich wichtig zu sein. Sie haben eine Feier organisiert. Dabei meine ich, man sollte an diesem Tag lieber meine Mutter hochleben lassen als mich."

Feiern lassen will sie sich viel lieber am 18. August. Dann steigt in Peking das Diskus-Finale, in dem Franka Dietzsch zur ältesten Einzel-Olympiasiegerin der Leichtathletik-Geschichte werden möchte. "Alle erwarten Gold von mir", sagt die Frau von der Insel Usedom, die unter anderem mit Hilfe eines Sport-Psychologen längst gelernt hat, mit Druck umzugehen. Sie sagt: "Zu gewinnen liegt nicht nur in meiner Macht, aber eine Medaille will ich diesmal schon."

Mehrfach hat sie schmerzlich erfahren müssen, dass Olympia seine eigenen Gesetze hat. "Am nächsten kam ich Bronze, als ich nichts erwartet habe", sagt sie über den vierten Platz von Atlanta 1996. Vier Jahre vorher war sie wie 2004 nicht im Finale, 2000 in Sydney landete sie auf Rang sechs. Dem standen für die zehnmalige deutsche Meisterin WM-Titel 1999, 2005 und 2007 sowie EM-Gold 1998 und EM-Silber 2006 gegenüber.

Dietzsch will eigene Bestmarke knacken

Ihre Karriere ist 20 Jahre alt - wie der bei 76,80m stehende Weltrekord. Solche Weiten könne heute keine Frau mehr mit legalen Mitteln erreichen, glaubt Franka Dietzsch. Aber ihre eigene Bestmarke von 68,51 (1999) möchte sie gern noch übertreffen. Kollark glaubt nicht dran: "70 Meter wird Franka nicht mehr schaffen."

Die Skepsis des Trainers könnte die Weltmeisterin anspornen, ärgerlich machen eher weniger. "Ich will meinen Trainer nicht mehr vollmotzen", hat sie kürzlich wissen lassen, als es um gute Vorsätze fürs Olympiajahr ging. Kollark nahms schmunzelnd zur Kenntnis.

© SID

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