Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

31.03.2006

07:50 Uhr

Leichtathletik National

Speerwurf-Olympiasieger Wolfermann wird 60

Speerwurf-Olympiasieger Klaus Wolfermann feiert heute seinen 60. Geburtstag. Der Goldmedaillen-Gewinner von München 1972 ist heute erfolgreicher Geschäftsmann und Wohltäter.

Klaus Wolfermann wird den 3. September 1972 in ganz besonderer Erinnerung haben. Im Münchener Olympiastadion besiegte er den Letten Janis Lusis im Speerwerfen und gewann die Goldmedaille. Doch damit nicht genug. Was auf Wolfermanns-Triumph folgte, ist als "goldener Sonntag" der deutschen Leichtathletik in die Sportgeschichte eingegangen. Umrauscht von einem Orkan des Beifalls feierten binnen 90 Minuten auch Geher Bernd Kannenberg (50 km) und 800-m-Läuferin Hildegard Falck Olympiasiege.

Klaus Wolfermann, damals mit 26 ein junger Held, heute erfolgreich als Geschäftsmann und Wohltäter, der große Summen für gute Zwecke organisiert, wird heute 60 Jahre alt. Groß feiern lassen wie damals von den 80 000 im sonnenüberfluteten Olympiastadion, will er sich nicht. "Ich verbringe diesen Tag mit meiner glücklichen Familie an einem nur uns bekannten Ort." Mit dabei sind Ehefrau Friederike, Tochter, Schwiegersohn und die drei Jahre alte Enkelin.

Der Mann, der Lusis nach dem Olympiasieg (90,48 zu 90,46m) im folgenden Mai in Leverkusen mit fast aus heiterem Himmel erzielten 94,08m auch als Weltrekordler (93,80) entthronte, hat in seiner Karriere keine zweite internationale Medaille gewonnen. "Die Europameisterschaften waren nicht mein Ding", sagt er nach zwei Finalteilnahmen 1971 und 1974. Und vier Jahre nach München musste er als Medaillenkandidat wegen einer Ellbogenverletzung zuschauen, als ihm der Ungar Miklos Nemeth in Montreal mit 94,58m als Olympiasieger und Weltrekordler folgte.

Von der Leichtathletik zum erfolgreichen Geschäftsmann

Als der Arm nicht mehr mitspielte, versuchte sich Klaus Wolfermann nicht ohne Erfolg als Bobfahrer, war als Bremser des früheren Vize-Weltmeisters Georg Heibl 1 979 Europacup-Fünfter. Dann sagte er dem Leistungssport endgültig ade, um rund zehn Jahre für seinen früheren Sportartikel-Ausrüster (Puma) tätig zu sein. Seit 15 Jahren ist er zusammen mit seiner Ehefrau selbstständig. Mit ihrer Sportvermarktungsagentur (drei Angestellte) tummeln sie sich auf verschiedensten Gebieten, vor allem aber im Golf, der neuen Lieblings-Sportart von Wolfermann (Handicap 12,4).

Als Vorstandsmitglied der Eagles half er in Zusammenarbeit mit Franz Beckenbauer eine Golfserie zu etablieren, die binnen zehn Jahren die gewaltige Summe von zwölf Mill. Euro für diverse Stiftungen aufbrachte. Über eine weitere Serie, die in diesem Jahr etabliert werden soll, hofft er auf rund 100 000 Euro zu Gunsten von Kindern, die sich Transplantationen unterziehen müssen. Und mit dem 680 Mitglieder starken FC Olympia, der Benefizturniere bestreitet, hat er unter anderem auch Mittel aufgebracht, die seinem nach Krankheit querschnittgelähmten früheren Bob-Piloten Heibl das Leben erleichtern.

Zwischen Golfplatz und Modell-Eisenbahn

Klaus Wolfermann, geboren im mittelfränkischen Altdorf bei Nürnberg, als jugendlicher Handballer für den Mehrkampf und Speerwurf entdeckt, lebt heute am Starnberger See. "Wir fühlen uns hier sauwohl, eine neue Lebensqualität", empfindet der Diplomsportlehrer - schon angesichts des morgendlichen Blickes vom Frühstückstisch zur Zugspitze. Traurig stimmt nur nur die Situation der Leichtathletik, der er trotz verschiedener Ideen bisher nicht so Recht zu helfen wusste.

Die Freude an körperlicher Betätigung hat er sich über Golf hinaus erhalten - trotz zweier neuer Hüftgelenke, hervorgerufen weniger durch Verschleiß, als durch von Geburt aus zu flachen Hüftpfannen. Vom Skilanglauf steigt er jetzt wieder um auf Joggen und Rennrad. Im Winter ist er auch schon mal alpin unterwegs oder im Sommer auf dem Pferd. Alternativ in der Muckibude im Keller.

Wovon er träumt? Klaus Wolfermann wird zum Kind, wenn er sagt: "Endlich mal Zeit haben, um im Dachzimmer die Modell-Eisenbahn aufzubauen. Sie besteht aus 21 Zügen, reicht über drei Stockwerke."

© SID

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×