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14.01.2008

13:25 Uhr

Leichtathletik Olympia

Pistorius muss Olympia-Teilnahme abhaken

Ein Start bei den olympischen Spielen 2008 ist für den Unterschenkel-amputierten Oscar Pistorius in weite Ferne gerückt. Der Weltverband Iaaf verweigerte dem Südafrikaner die Teilnahme in Peking.

Der Traum von der Teilnahme an den olympischen Spielen in Peking (8. bis 24. August) wird sich für den Unterschenkel-amputierten Oscar Pistorius aus Südafrika nicht erfüllen. Diese Entscheidung gab der Weltverband Iaaf am Montag bekannt. Die Iaaf berief sich dabei auf ein 30-seitiges Gutachten der Sporthochschule Köln, das nach ausgiebiger Untersuchung des Sprinters zu dem Schluss gekommen war, dass sich der Paralympics-Gewinner über 100m durch die hochtechnologisierten Carbonprothesen ("Cheetas") einen zu großen Vorteil verschafft.

Laut Iaaf-Regel 144.2 dürfen Behinderte mit künstlichen Hilfsmitteln nicht zu offiziellen Wettbewerben der Nichtbehinderten antreten. Pistorius hatte der Iaaf deshalb vorgeworfen, "keinen Respekt vor Behinderten" zu zeigen. Pistorius war ohne Wadenbeine zur Welt gekommen, mit elf Monaten wurden ihm die Beine knieabwärts amputiert.

Pistorius erwägt Gang vor den Obersten Sportgerichtshof

Pistorius selbst hatte bereits vor der Entscheidung erklärt, er wolle notfalls vor den CAS gehen. "Ich fühle, es ist meine Verantwortung, für mich und alle behinderten Athleten die Entscheidung auf dem höchsten Level zu suchen, um bei Olympia und den Paralympics zugleich starten zu können", meinte der 21 Jahre alte Student der Betriebswirtschaftslehre.

Mit dem Beschluss der Iaaf war in Expertenkreisen bereits gerechnet worden. Oscar Pistorius, der von sich selbst sagt, er sei "der schnellste Mann mit keinen Beinen", war am 12. und 13. November für zwei Tage zu Tests an der Sporthochschule. Der Kölner Biomechanik-Professor Gert-Peter Brüggemann meinte anschließend: "Er hat erhebliche Vorteile gegenüber von uns getesteten Vergleichssportlern ohne Prothesen, das waren mehr als ein paar Prozentpunkte. Ich hätte das nicht so deutlich erwartet."

Laut der Studie benötigt der "Blade Runner" Pistorius in der Beschleunigung aufgrund der Rückfederung der Prothesen rund 25 Prozent weniger Energie als ein Vergleichssportler ohne Prothesen. Durch die Federung sei die rückfließende Energie bei einer Prothese bei Maximalgeschwindigkeit dreimal so hoch wie durch ein Sprunggelenk. In der Startphase betrage der Energieverlust bei einer Prothese 9,3 Prozent, beim Sprunggelenk jedoch 41,4 Prozent. Bei den Tests war der Südafrikaner gegen fünf Athleten angetreten, die über 400m ein vergleichbares Leistungsniveau aufwiesen.

"Wir glauben, dass mehr Tests nötig sind"

Peet van Zyl äußerte jedoch Zweifel an den Ergebnissen der Studie: "Wir haben sie an Experten in den USA weitergereicht. Sie haben uns gesagt, dass nicht genügend Faktoren berücksichtigt worden seien. Wir glauben, dass mehr Tests notwendig sind."

Oscar Pistorius, dessen Bestzeit über die Stadionrunde bei 46,34 Sekunden steht, durfte per Ausnahmegenehmigung im Juli beim Golden-League-Meeting in Rom starten und wurde dort Zweiter im B-Lauf (46,90). Bei einem Meeting im britischen Sheffield wurde er wenige Tage später wegen Verlassens der Bahn disqualifiziert.

© SID

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