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11.03.2016

18:29 Uhr

Leichtathletik

Russischer Verband bleibt gesperrt

Nach massiven Doping-Enthüllungen wurde der russische Leichtathletik-Verband RUSAF für alle internationalen Wettbewerbe gesperrt. Mit einer Aufhebung ist vorerst nicht zu rechnen. Die Olympia-Teilnahme wackelt.

Eine ernsthafte Warnung schickte Coe an Äthiopien, Marokko, Kenia, die Ukraine und Weißrussland und sprach in Bezug auf die Doping-Bekämpfung in diesen Ländern von einem „kritischen Zustand“. dpa

Sebastian Coe

Eine ernsthafte Warnung schickte Coe an Äthiopien, Marokko, Kenia, die Ukraine und Weißrussland und sprach in Bezug auf die Doping-Bekämpfung in diesen Ländern von einem „kritischen Zustand“.

Monte CarloRusslands skandalumwitterter Leichtathletik-Verband kann angesichts der neuen Dopingfälle derzeit nicht mit einer Aufhebung seiner Sperre rechnen. Das teilte das Council des Weltverbandes IAAF am Freitag zum Abschluss seiner Sitzung in Monte Carlo mit.

Wie IAAF-Präsident Sebastian Coe erklärte, wird die endgültige Entscheidung darüber, ob Russland Leichtathleten an den Olympischen Spielen im August in Rio de Janeiro teilnehmen dürfen, auf der nächsten Council-Sitzung im Mai fallen. Bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt habe Russland für die Erneuerung der Leichtathletik noch zu wenig unternommen, um den Bann aufheben zu können.

Meldonium: ein Doping-Renner in Russland

Substanz

Meldonium war zumindest bis 2014 besonders in Russland ein Renner unter den für Doping genutzten Mitteln. Die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA hatte hohen Missbrauch der Substanz in verschiedenen Sportarten festgestellt.

Verbot seit 2016

Der Wirkstoff wurd seit 1. Januar 2016 auf die gültige Liste der verbotenen Substanzen gesetzt.

Neue Fälle

Dennoch scheint es vor allem in der russischen Doping-Szene weiter beliebt zu sein. Die am Montag öffentlich gewordenen russischen Doping-Fälle mit Meldonium von Tennis-Stars Maria Scharapowa und der ehemaligen Eistanz-Europameisterin Jekaterina Bobrowa könnten Hinweise darauf sein.

Übersehen

Im Dezember habe sie ein Schreiben der WADA und der ITF bekommen, in dem auf die veränderten Doping-Regularien hingewiesen wurde. „Ich habe nicht auf die Liste geschaut“, sagte Scharapowa. Das Mittel habe sie seit 2006 eingenommen.

Weitere Fälle 2016

Eduard Worganow (Russland) Radsport
Olga Abramowa (Ukraine) Biathlon
Zwei Athleten des ASV Nendingen (nicht namentlich genannt) Ringen
Artem Tyschtschenko (Ukraine) Biathlon

Medikament

Meldonium wird unter dem Markennamen Mildronat als Herzmedikament in den baltischen Staaten und in Russland vertrieben; in Deutschland ist es als Arzneimittel nicht zugelassen. Es soll die Durchblutung fördern und somit als Medikament für Angina Pectoris und Herzerkrankungen geeignet sein.

Sport

Athleten versprechen sich durch die Einnahme der Substanz eine verbesserte Durchblutung und damit eine Steigerung der physischen sowie mentalen Belastungsfähigkeit.

Forschung

Bereits bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen stellten Wissenschaftler in einer Studie fest, dass vor allem Sportler aus den ehemaligen Staaten der Sowjetunion bevorzugt auf Meldonium zurückgriffen. Es war damals noch nicht verboten.

Studie

Laut einer russischen Studie von 2015 - kurz vor dem WADA-Verbot - fanden Moskauer Forscher in 724 von 4316 Urinproben Meldonium.

Nach den massiven Doping-Enthüllungen des vergangenen Jahres war der russische Verband RUSAF im November vorläufig für alle internationalen Wettbewerbe gesperrt worden. Eine Hintertür für die Olympia-Teilnahme in Rio gibt es noch, weil die RUSAF neue Strukturen und Reformen angekündigt hat. Diese überwacht eine Taskforce der IAAF, die dem 27-köpfigen Council nun berichtet hat.

Eine ernsthafte Warnung schickte Coe an Äthiopien, Marokko, Kenia, die Ukraine und Weißrussland und sprach in Bezug auf die Doping-Bekämpfung in diesen Ländern von einem „kritischen Zustand“. Die Anti-Doping-Programme müssten ernsthaft verbessert werden.

Von

dpa

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