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24.08.2015

17:17 Uhr

Leichtathletik-WM

Stabhochspringer Holzdeppe gewinnt Silber

Stabhochspringer Raphael Holzdeppe hat bei der Leichtathletik-WM die Silbermedaille geholt. Seinen Titel von 2013 verlor er aber nicht an den großen Favoriten Renaud Lavillenie, sondern an einen Außenseiter aus Kanada.

Raphael Holzdeppe bejubelt seinen zweiten Platz mit der Deutschland-Fahne. dpa

Silbermedaille

Raphael Holzdeppe bejubelt seinen zweiten Platz mit der Deutschland-Fahne.

PekingUnmittelbar nach einem denkwürdigen Stabhochsprung-Wettbewerb wusste Raphael Holzdeppe nicht, ob er sich freuen oder ärgern sollte. Der Titelverteidiger winkte im Olympiastadion von Peking freundlich ins Publikum, lächelte dabei aber nur gequält. Holzdeppe gewann bei der Leichtahletik-WM die Silbermedaille, genau das war vorher sein großes Ziel gewesen. Doch geschlagen geben musste er sich am Ende nicht etwa dem großen Favoriten Renaud Lavillenie, sondern einem Außenseiter aus Kanada: Der erst 21 Jahre alte Shawnacy Barber holte zur Überraschung aller den ersten großen Titel seiner Karriere.

Genau wie Holzdeppe übersprang er am Montag 5,90 Meter. Er benötigte dafür jedoch zwei Versuche weniger als der Deutsche. „Ich bin vollauf zufrieden“, sagte Holzdeppe mit etwas Abstand. „Das war ein sehr unruhiger Wettkampf. Ich habe auch gemerkt, dass die Konkurrenz schwächelt. Aber am Ende habe ich alles aus mir rausgeholt, was drin war.“

Tobias Scherbarth wurde mit 5,65 Metern Siebter. Für Holzdeppe war es nach Bronze bei Olympia und EM 2012 sowie seinem Triumph bei den Weltmeisterschaften 2013 in Moskau die vierte große Medaille seiner Karriere. Trotzdem blieb bei vielen Beobachtern das Gefühl, dass vor 55.000 Zuschauern im Pekinger „Vogelnest“ noch mehr drin gewesen wäre für das Ausnahmetalent des LAZ Zweibrücken.

Bei 5,90 Metern waren bis auf ihn auf einmal alle großen Namen draußen. Olympiasieger Lavillenie scheiterte völlig überraschend an dieser für ihn fast schon im Schlaf zu meisternden Höhe. Ex-Weltmeister Pawel Wojciechowski aus Polen ging es genauso. Holzdeppe übersprang die 5,90 Meter im letzten Versuch und schlug danach einen Salto rückwärts.

Die WM der Favoritenstürze

Stabhochsprung, Frauen

Die deutsche Rekordhalterin Silke Spiegelburg scheitert in der Qualifikation.

800 Meter, Männer

Titelverteidiger Mohammed Aman aus Äthiopien wird nach dem Halbfinale disqualifiziert.

400 Meter Hürden, Männer

Weltmeister Jehue Gordon (Trinidad & Tobago) und der Weltjahresbeste Bershawn Jackson aus den USA scheiden jeweils schon im Vorlauf aus.

Weitsprung, Männer

Der frühere Olympia- und WM-Zweite Godfrey Mokoena aus Südafrika verpasst das Finale der besten 12.

Marathon, Männer

Die beiden Top-Favoriten geben vorzeitig auf: Weltrekordhalter David Kimetto und sein Vorgänger Wilson Kipsang (beide Kenia).

Siebenkampf, Frauen

Die beiden Medaillenanwärterinnen Carolin Schäfer und Katarina Johnson-Thompson (Großbritannien) leisten sich jeweils drei Fehlversuche im Weitsprung. Das ist das Ende aller Ambitionen.

20 Kilometer Gehen, Männer

Der Weltrekordhalter Yusuke Suzuki bricht das Rennen vorzeitig ab.

Jetzt war nur noch die Frage: Der Kanadier oder er. Holzdeppe durfte bei 6,00 Metern als Letzter springen und sagte hinterher: „Ich habe mir gedacht: Jetzt gib' noch einmal alles, um drüber zu kommen. Ich habe aber auch gemerkt, eigentlich habe ich es nicht mehr im Körper.“ Noch vor einem Jahr hatte der 25-Jährige mit großen Verletzungs- und Formproblemen zu kämpfen. Jetzt steht er wieder auf dem Podest.

Den neuen Weltmeister kannten bis zum Montag fast nur Experten. Barber wird von seinem Vater trainiert, der 1983 selbst als Stabartist an der ersten WM teilgenommen hatte. Bislang gewann der junge Kanadier nur vergleichsweise unbedeutende Titel wie die Pan-American-Games, vor der WM holte er sich zudem Selbstvertrauen durch seine Siege bei den Meetings in Leverkusen und Jockgrim.

Sein Sieg war „völlig verdient“, sagte Holzdeppe. Barber sprang von allen am sichersten und souveränsten. „Ich kann immer noch nicht glauben, was ich da geschafft habe. Aber ich denke, das wird kommen heute Abend, wenn wir anfangen zu feiern“, meinte er. „Ich bin glücklich, dass ich in die Fußstapfen meines Vaters treten konnte.“

Und Lavillenie? Der Franzose muss auch weiterhin auf seinen ersten WM-Titel warten. Der 28-Jährige hat in seiner Karriere vom Olympiasieg über drei EM-Triumphe bis hin zum Hallenweltrekord schon alles erreicht - nur eben die Goldmedaille bei einer Freiluft-Weltmeisterschaft noch nicht. „Ich bin in einer guten Form und weiß wirklich nicht, was schiefgelaufen ist. So ist Stabhochsprung“, meinte der 28-Jährige. Gemeinsam mit den beiden Polen Wojciechowski und Piotr Lisek (alle 5,80) holte Lavillenie wie schon 2009 und 2011 Bronze. Doch freuen konnte er sich darüber nicht. Bei der abschließenden Ehrenrunde waren alle Medaillengewinner dabei. Bis auf den Franzosen.

Von

dpa

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