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12.11.2014

13:20 Uhr

Magnus Carlsen in Sotschi

Ein Star am Schachbrett

VonHelmut Steuer

Das Wunderkind von Norwegen und die Nummer Eins auf der Schach-Weltrangliste: Magnus Carlsen löst mit seinem Talent eine regelrechte Begeisterungswelle aus. Nun will der 23-Jährige zum zweiten Mal Weltmeister werden.

Schach-WM

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Schach-WM: Herausforderer Anand gewinnt dritte Partie

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StockholmEin richtiger Bad Guy kann er sein. Seine Gegner würdigt er oftmals keines Blicks, teilnahmslos wirkt er, arrogant, manchmal abweisend. Das gehört zu seinem Spiel. Und das beherrscht er weltmeisterlich. Magnus Carlsen, dieser erst 23-jährige Norweger, will nun zum zweiten Mal in Folge Schach-Weltmeister werden.

Seinen Gegner kennt er bestens: Vor fast genau einem Jahr gewann Carlsen gegen den Inder, den mehrfachen Weltmeister Viswanathan Anand (44) in dessen Heimatstadt Chennai klar mit 6,5 zu 3,5. Er war damit einer der jüngsten Weltmeister der Schachgeschichte. Nun, sitzen sich die beiden wieder gegenüber, in Sotschi, dem russischen Olympia-Ort am Schwarzen Meer.

Seit dem Sieg des „Wunderkinds“, wie Carlsen in seinem Heimatland genannt wird, hat sich für den 23-jährigen Einiges verändert. „Du ziehst eine ganze Nation in Bann. Du bist unserer eigener Ronaldo! Unbeschreiblich!“ Die Kommentare auf der Internetseite des norwegischen Radio- und Fernsehsenders NRK überschlugen sich schon nach dem Sieg des ersten Titels von jungen Norwegers. Jetzt ist die Euphorie noch größer geworden. In seinem Heimatland ist Carlsen größer als all die vielen Ski-Idole.

Magnus Carlsens Schachkarriere

2004

Im Alter von 13 Jahren wird Magnus Carlsen Großmeister, indem er alle drei dafür erforderlichen Normen in einer Serie hervorragender Turnierergebnisse erreicht.

2007

Im Dezember 2007 stand er im Halbfinale des Weltpokals des Internationalen Schachverbands FIDE, dort schied er aber gegen Gata Kamsky aus. Damit qualifizierte er sich für den FIDE Grand Prix 2008–2010. Spätestens damit zählte er zur absoluten Weltspitze.

2008

Im Juni diesen Jahres gewann Carlsen das Aerosvit-Turnier in Foros mit deutlichen Vorsprung vor den anderen elf Teilnehmern. Bei zwei anderen Turnieren belegte er den zweiten Platz.

2010

Zwischen 2009 und 2010 wurde Carlsen von Ex-Weltmeister Garri Kasparow trainiert und beraten. Im Januar 2010 belegte er als jüngster Spieler aller Zeiten den ersten Platz der Weltrangliste. Seine Elo-Zahl, das Wertungssystem, in dem die Spielstärke von Schachspielern gemessen wird, lag bei 2810.

2011

Auch im Januar 2011 führte der damals 20-Jährige die Weltrangliste an. In diesem Jahr gewann er mehrere große Turniere, zum Beispiel in Moskau, Sao Paulo und Bilbao. Das 3. London Chess Classic allerdings beendete er nur als dritter und zeigte sich mit seiner Leistung unzufrieden: „I’m not happy with most of my games except the win against Nakamura.“

2012

Bei der Schnell- und Blitzschachweltmeisterschaft in Kasachstan wurde Magnus Carlsen sowohl im Schnellschach als auch im Blitzschach Vize-Weltmeister. Er gewann außerdem das Grand-Slam-Finale 2012 und die vierte Auflage der London Chess Classic.

2013

Von Februar bis April 2013 lag Carlsens Elo-Zahl bei 2872, das 21 Punkte höher als der bisherige Rekord von Garri Kasparow. Im April siegte er beim Kandidatenturnier in London und ist damit als Herausforderer von Titelverteidiger Viswanathan Anand bei der Schachweltmeisterschaft 2013 qualifiziert.

Quelle: Wikipedia

Der Vormarsch des Youngsters hat in Norwegen eine Begeisterungswelle ausgelöst, die sonst nur Popstars oder Fußballern vorbehalten ist. Sämtliche norwegische Medien haben Reporter ins weit entfernte Sotschi entsandt. VG, die größte Boulevard-Zeitung des Landes, hat eigens einen Fernsehkanal gestartet, der alle Partien überträgt. 277.000 Zuschauer verfolgten die Eröffnungspartie, die mit einem Remis zwischen Carlsen und Anand endete. „Das waren weit mehr als wir erwartet haben“, freute sich Chefredakteur Helje Solberg.

Auch der öffentlich-rechtliche TV-Sender NRK überträgt im Internet sämtliche Partien. Experten, ehemalige Weltmeister und Prominente kommentieren jeden Schachzug. Und die Zuschauer fiebern mit. „Habe zwar null Ahnung von Schach, aber das hier ist total spannend“, schrieb Anita im Chat von NRK. Und sie ist nur eine von Hunderttausenden, die das Schachfieber gepackt hat.

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