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24.02.2014

17:29 Uhr

Medienbericht

Russische Sportler dopen mit Edelgas

Die Gastgeber stellten bei der Olympiade in Sotschi mit 33 Medaillen das erfolgreichste Team. Ob dabei alles mit rechten Dingen zuging, ist fraglich. Laut WDR sollen Sportler seit Jahren mit einem Edelgas gedopt haben.

Putin und die russischen Olympioniken. Ein Medienbericht wirft Schatten auf die Erfolge der Sportler. dpa

Putin und die russischen Olympioniken. Ein Medienbericht wirft Schatten auf die Erfolge der Sportler.

KölnRussische Sportler sollen nach Informationen des WDR in Sotschi und bei zurückliegenden Olympischen Spielen ihre Leistungsfähigkeit mit einer bisher unbekannten Methode gesteigert haben. Wie das WDR-Magazin „sport inside“ am Montagabend berichtet, handelt es sich dabei um die Inhalation von Xenon. Dieses Edelgas bewirkt laut international anerkannter Studien die Ausschüttung des Hormons Erythropoetin (EPO) im Körper.

Die Zufuhr von EPO in den menschlichen Organismus ist im Sport verboten und gilt als Doping. Ebenso werden der nicht-therapeutische Einsatz pharmakologisch wirksamer Substanzen sowie die künstliche Erhöhung der Aufnahme, des Transports oder der Abgabe von Sauerstoff von der Verbotsliste der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) erfasst.

Die Verabreichung von Xenon dürfte laut WDR-Bericht im russischen Team über Jahre hinweg „breitflächig“ erfolgt sein. Die Ministerien für Sport und Verteidigung empfehlen in Dokumenten den Einsatz „mit dem Ziel, die Leistungsfähigkeit der Sportler zu steigern“, auch weil das Gas „von der WADA nicht beobachtet“ werde.

Medaillenziele und Finanzierung der Verbände

Medaillen laut Plan

Zielkorridore für die Olympischen Winterspiele in Sotschi 2014. Angegeben ist jeweils die Gesamtförderung pro Verband für das Jahr 2013 sowie die Anzahl der anvisierten Medaillen.

Bob- und Schlittenverband für Deutschland

9 bis 13 Medaillen, Grundförderung: 2.148.562 Euro, Projektmittel: 1.017.205 Euro, Gesamtfördersumme 2013: 3.166.767 Euro

Deutscher Curling-Verband

Olympische Qualifikation, Grundförderung: 248.450 Euro, Projektmittel: 36.500 Euro, Gesamtfördersumme 2013: 284.950 Euro

Deutscher Eishockey-Bund

0 bis 1 Medaille, Grundförderung: 383.000, Projektmittel: 98.000 Euro, Gesamtfördersumme 2013: 481´.000 Euro

Deutsche Eisschnelllauf-Gemeinschaft

2 bis 4 Medaillen, Grundförderung: 1.355.000 Euro, Projektmittel: 475.000 Euro, Gesamtfördersumme 2013: 1.830.000 Euro

Deutsche Eislauf-Union

1 Medaille, Grundförderung 574.331 Euro, Projektmittel: 99.000 Euro, Gesamtfördersumme 2013: 673.331 Euro

Deutscher Skiverband

14 bis 20 Medaillen, Grundförderung: 0 Euro, Projektmittel: 700.000 Euro, Gesamtfördersumme: 700.000 Euro

Snowboard Verband Deutschland

1 bis 3 Medaillen, Grundförderung: 680.000 Euro, Projektmittel: 326.500 Euro, Gesamtfördersumme: 1.006.500 Euro

Summe der Olympischen Wintersportverbände

27 bis 42 Medaillen, Grundförderung: 5.389.343 Euro, Projektmittel: 2.752.205 Euro, Gesamtfördersumme 2013: 8.141.548 Euro.

Quelle: Deutscher Olympischer Sportbund, Ziele und Förderung, 24. Juni 2013

Über Xenon als im Sport leistungssteigerndes Mittel hatten die Dopingfahnder bisher keine Kenntnis. Es könne auch mit bisherigen Testmethoden nicht nachgewiesen werden, sagte Dopinganalytiker Mario Thevis vom Kontrolllabor in Köln dem WDR. Europäische Wissenschaftler hätten die Wirkungsweise von Xenon in Tierversuchen erforscht: „Innerhalb eines Tages, innerhalb von 24 Stunden, war die EPO-Produktion um den Faktor 1.6 auf 160 Prozent gesteigert worden. Das ist eine deutliche Erhöhung“, meinte Thevis. Es sei sehr wahrscheinlich, „dass es im Menschen die gleiche Wirkung ausübt“.

WADA-Präsident Craig Reedie versprach schnellstmögliches Handeln. „Unsere Kommission, die die Verbotsliste überwacht, wird sich der Sache schnell annehmen. Bereits bei ihrer nächsten Sitzung nach Olympia wird das Thema Gas-Inhalation behandelt“, sagte der Schotte. Ähnlich äußerte sich der ehemalige WADA-Präsident Richard Pound: „Lassen Sie uns zweifelsfrei feststellen, dass es sich hierbei um Doping handelt und dass es in einem möglichen Verfahren unmöglich wird zu sagen, die Regeln seien nicht klar.“ Diese Methode wurde laut Pound „ausschließlich zur Leistungssteigerung entwickelt - für mich ist das Doping.“

Von

dpa

Kommentare (2)

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esboern

25.02.2014, 09:12 Uhr

Die Sportler aus dem Westen, werden nicht mehr zu Dopingkontrollen herangezogen, da alle gedopt sind. Bach u. Putin machten sich sehr gut im Fernsehbild, sie verstehen sich anscheinend prächtig.

Manni

25.02.2014, 09:41 Uhr

Unsere deutschen Sportreporter sollten sich doch erst einmal
mit den Regeln der jeweiligen Sportart beschäftigen, ehe sie
andere Nationen in den Schmutz ziehen. Für viel Geld geben
sie doch nur dumme Kommentare ab.

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