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03.01.2017

13:38 Uhr

Michael van Gerwen

Endlich ein ganz Großer im Darts

Quasi unbesiegbar: Mit seinem zweiten WM-Titel hat Michael van Gerwen seine Vormachtstellung in der Darts-Szene gefestigt. Der Sieg bedeutet dem Niederländer mehr als seine 25 Titel in der abgelaufenen Saison.

Der Niederländer Michael van Gerwen ist der beste Darts-Spieler der Welt. AFP; Files; Francois Guillot

Ganz zärtlich

Der Niederländer Michael van Gerwen ist der beste Darts-Spieler der Welt.

LondonSeine Pressekonferenz nach dem zweiten WM-Titel musste Michael van Gerwen für ein ganz besonderes Telefonat unterbrechen. Der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte wollte seinen Landsmann unbedingt noch in der gleichen Nacht erreichen und wählte so etwa eine Stunde nach dessen gewonnenem Darts-Finale van Gerwens Nummer.

Nach einem netten einminütigen Plausch auf Niederländisch verschreckte „Mighty Mike“ die Konkurrenz mit seiner Ankündigung: „Trophäen gewinnen ist etwas, was ich liebe. Das möchte ich für den Rest meines Lebens machen.“

Der 7:3-Finalsieg über den schottischen Vorjahressieger und Doppel-Champion Gary Anderson bescherte van Gerwen nicht nur umgerechnet rund 410.000 Euro Preisgeld und die etwa 20 Kilogramm schwere Sid Waddell Trophy, sondern war auch die Krönung einer unglaublichen Saison. „Ich bin total glücklich, das ist einfach wunderbar. Es bedeutet mir so viel, das hier hinzubekommen zu haben“, sagte der 27-Jährige.

Schlaglichter in van Gerwens Karriere

Wechsel zur PDC

In jungen Jahren spielt der Niederländer für den Konkurrenzverband BDO (British Darts Organisation). Nachdem ihm im Alter von 17 erste Turniersiege gelingen, wechselt er gemeinsam mit seinen Landsleuten Jelle Klaasen und Vincent van der Voort zur PDC (Professional Darts Corporation). Dort spielt er bis heute und ist seit einigen Jahren das Zugpferd des Weltverbandes.

17 perfekte Darts

Im Dezember 2012 steht van Gerwen im Halbfinale der WM in London. Gegen James Wade aus England gelingt ihm mit einem 9-Darter nicht nur das perfekte Spiel – im direkt danach folgenden Leg legt der Niederländer weitere acht perfekte Pfeile nach. Einen weiteren 9-Darter verpasst er auf die Doppel-12 nur haarscharf.

Erster WM-Titel

Am Neujahrstag 2014 gewinnt van Gerwen erstmals den Weltmeister-Titel in London. Als an Position zwei gesetzt zieht „MvG“ ins Finale ein und schlägt dort den Schotten Peter Wright mit 7:4-Sätzen. Damit löst er auch Dauer-Weltmeister Phil Taylor aus England auf Platz eins der Order of Merit ab.

123,4-Point-Average

Am 25. Februar spielt van Gerwen die Partie seines Lebens. Im Premier-League-Spiel gegen Michael Smith gelingen ihm 123,4 Punkte pro drei Pfeile – der beste Wert, der je vor TV-Kameras erzielt wurde. Die alte Bestmarke von Taylor (118,66 Punkte) pulverisiert van Gerwen förmlich.

25 Saisontrophäen

Im Jahr 2016 ist der Niederländer mit dem markanten grünen Wettkampfshirt endgültig nicht mehr zu stoppen. 25 Titel sichert er sich, bevor der Jahreshöhepunkt bei der WM in London wartet. „Ich würde alle Titel gegen den WM-Titel tauschen“, kündigte van Gerwen im Vorfeld an ...

Zweiter WM-Titel

... doch das ist nicht nötig. Denn diesmal besteigt „Mighty Mike“ auch den Thron bei der WM. Nach Siegen über seinen Landsmann Raymond van Barneveld im Halbfinale und den Schotten Gary Anderson im Finale darf er zum zweiten Mal die rund 20 Kilogramm schwere Sid Waddell Trophy in die Höhe stemmen – und sich über ein Preisgeld von umgerechnet rund 410.000 Euro freuen.

Während die Fans noch einmal Will Grigg besangen und die Veranstalter ein letztes Mal Konfetti in die Luft schossen, musste der Mann mit der Glatze die eine oder andere Träne aus dem Gesicht wischen und küsste innig seine Frau Daphne. „Ich habe das richtige Umfeld und eine wunderbare Familie. Sonst wäre das alles gar nicht so möglich gewesen“, betonte der Weltranglistenerste, der bei der WM seinen 26. Saisontitel holte.

Nachdem van Gerwen in den vergangenen beiden Jahren als Topfavorit gescheitert war, war diese Trophäe umso wichtiger und emotionaler für ihn. „Du brauchst den zweiten Titel, damit du zu den ganz Großen gehörst. Ich habe sehr hart dafür gearbeitet“, betonte er. „Mighty Mike“ bestätigte, was Experten vor der WM bereits prognostiziert hatten: Gegen einen van Gerwen in Bestform ist im Darts-Sport derzeit nichts zu holen.

Obwohl „The Flying Scotsman“ Anderson 22 perfekte Aufnahmen von 180 Punkten spielte und damit einen Rekord aufstellte, war er beim 3:7 chancenlos. Auch die gemeinsam geworfenen 42 perfekten Aufnahmen der beiden besten Darts-Profis der Welt waren eine WM-Bestmarke.

„Der Kerl ist einfach zu gut. Er hat in diesem Jahr nicht ohne Grund alles gewonnen“, musste der 46 Jahre alte Anderson neidlos anerkennen. Van Gerwen, selbst kein Meister von Bescheidenheit, beschrieb seine Leistung so: „Ich habe absolut phänomenal gespielt, das ganze Turnier, vor allem im Halbfinale und Finale.“ Selbst der Sohn von Gary Anderson ist ein van-Gerwen-Fan, wie der Schotte einräumte.

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Der Darts-Sport gewinnt zunehmend an medialer Aufmerksamkeit. Mit ihr scheinen sich auch die Leistungen der Profis regelrecht zu überschlagen. Immer ganz vorne mit dabei: Michael van Gerwen.

Nachdem ein Flitzer die Trophäe kurz vor dem Ende entführen wollte, konnte es van Gerwen am Montagabend gar nicht erwarten, diese nach 2014 endlich wieder in die Höhe zu recken. „Ich bin unglaublich froh, das Richtige zur richtigen Zeit gemacht zu haben. Diesen Pokal zu haben, macht mich unglaublich stolz“, sagte van Gerwen, der stets mit seinem markanten grell-grünen Hemd spielt.

Wie stolz er war, zeigte er, indem er dem Veranstalter die Trophäe beinahe entriss und mehrere Male damit ins Publikum jubelte. Ganz nach seinem Naturell schickte er gleich eine Drohung an seine Rivalen hinterher. „Warum kann ich es nicht für vier, fünf oder sechs Jahre bei der WM schaffen? Ich muss nur an mich selbst glauben.“

Dart: Daten, Fakten und Regeln

Die Pfeile und die Scheiben

Die Pfeile sind bis zu 30,5 Zentimeter lang und 25 Gramm schwer. Die Boards, die auch bei der WM eingesetzt werden, sind aus Sisal gebaut. Das Bulls Eye, also die Mitte der Scheibe, muss exakt 1,73 Meter über dem Boden angebracht sein. Beim E-Dart wird an Automaten gespielt, auf die mit leichteren Pfeilen geworfen wird.

Die Punkte

Die Felder des äußeren Rings zählen doppelt, die Felder des inneren das Dreifache der außen angezeigten Punktzahl. Die Mitte, das so genannte Bulls-Eye, bringt 50 Punkte, der Kreis drumherum 25. Die meisten Punkte, die mit drei Würfen erreicht werden können, sind 180. Dafür müssen die drei Pfeile im 20er Feld im mittleren Ring landen. Die 180 wird dann von Fangesängen und dem Ruf des Saal-Sprechers „Oooonehuuuundredandeeeeeiiightyyy“ begleitet.

501-Double-Out

Die verbreitetste Variante, nach der auch bei der WM in London gespielt wird, ist das „501-Double Out“. Jeder Teilnehmer beginnt mit 501 Punkten. Beide Akteure werfen – mindestens 2,37 Meter vom Board entfernt – abwechselnd je drei Pfeile. Die geworfenen Punkte werden addiert und von 501 abgezogen. Gewonnen hat der, der als erster bei 0 ist.

Satz

Wer zuerst drei Legs, also drei Durchgänge, für sich entscheidet, gewinnt einen Satz. Für den Sieg in einem Spiel müssen bei der WM unterschiedlich viele Sätze gewonnen werden: in der ersten Runde drei, in der zweiten Runde und im Achtelfinale vier, im Viertelfinale fünf, im Halbfinale sechs und im Finale sieben.

Von

dpa

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